Profisport
Genuss statt Schinderei: Oberstdorfer Langläuferin Katrin Zeller (36) ein Jahr nach Karriere-Ende

Die Schuhe klicken in die Bindung, Katrin Zeller führt die Hände durch die Schlaufen ihrer Langlaufstecken und schon skatet sie los im Oberstdorfer Stadion Ried. 20 Jahre lang hat die 36-Jährige diese Disziplin als Profi-Sport betrieben. Ein Jahr nach Ende ihrer Karriere hat sie den Spaß daran noch lange nicht verloren. Sie dreht eine lockere Runde zum Aufwärmen auf der Loipe und kommt mit einem Lächeln im Gesicht wieder an den Start zurück.

"Relaxt" sei sie, ein Jahr nach ihrem Karriere-Ende. "Ich habe mich gut eingelebt in meinem neuen Leben und bin froh, dass ich mich jetzt nicht mehr so quälen muss und meinen Tagesablauf ein bisschen anders gestalten kann." Sie genießt den Luxus, nicht jeden Tag bei Wind und Wetter trainieren zu müssen. Sich einfach auf die Couch legen und warten, bis sich die Muskeln abgebaut haben, darf die ehemalige Profi-Sportlerin aber nicht.

Das hat gesundheitliche Gründe: "Wenn man sein Leben lang Leistungssport betrieben hat, sind die ganzen Muskeln und Organe auf Hochleistungsniveau getrimmt. Mein Herzmuskel ist recht groß und damit ich keine Spätfolgen wie Herz-Rhythmus-Störungen bekomme, habe ich jetzt kontinuierlich abtrainiert", erzählt Zeller. Langsam kommt die Profi-Sportlerin mit weniger intensiven Einheiten auf Hobby-Niveau.

Sie entwickelt dabei ein ganz neues Gefühl für ihren Körper und für die Geschwindigkeit. "Es ist nicht mehr so wie früher, als ich da in Burgstall vier, fünf mal hochlaufe und dass es mich nicht anstrengt. Jetzt geht’s dann schon langsam los, dass ich oben stehen bleiben muss und mal ein bisschen ausschnauf", gibt Katrin Zeller lachend zu.

Dass die 36-Jährige ihre Profi-Form verliert, ärgert sie nicht. Sie sieht es positiv. "Wenn ich nach einer halben Stunde keine Lust mehr habe, dann gehe ich auch nach Hause", sagt Zeller. Das hat natürlich damit zu tun, dass sie zwanzig Jahre hart trainiert hat. Leistungssportler müssen gerade auch in der Jugend viel zurückstecken. "Aber der Sport gibt so viel zurück: die Erfolge und dieser Teamgeist. Und wenn man dann mal, wie ich, auf einem Podium steht, oder bei Weltmeisterschaften oder bei olympischen Spielen am Start steht, dann, denke ich, hat man eigentlich alles richtig gemacht als Sportler."

Katrin Zellers größte Erfolge:

2010: Silber über 4 x 5 Kilometer bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver

2009: Silber in der Staffel bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Liberec

1x Bronze im Distanzrennen im Skilanglauf-Weltcup

4x Silber, 1x Bronze im Team im Skilanglauf-Weltcup

1x Bronze im Teamsprint im Skilanglauf-Weltcup

Für Katrin Zeller, die für den SC Oberstdorf startete, waren ihre Ski nie ein Folterinstrument. "Meine Ski waren mir immer heilig. 2007 habe ich meinen Lieblingsski bekommen und da bin ich auch auf mein einziges Einzel-Weltcup-Podium gelaufen und habe sehr gute Platzierungen damit erlebt", erzählt die 36-Jährige.

Die Entscheidung zum Aufhören war schon länger in ihr gereift, der letzte Wettkampf im Rohrmoos bei der deutschen Meisterschaft war ein ganz rührender Moment für sie. "Aber ich war auch erleichtert, dass jetzt endlich mal was Neues losgeht", sagt sie. Das Neue ist ihr erlernter Beruf als Bundespolizistin. Parallel zu ihrer Karriere als Skilangläuferin hat Katrin Zeller nach ihrem Realschulabschluss die Sportschule der Bundespolizei absolviert. Für Wettkämpfe, Training und Lehrgänge hat sie damals frei bekommen. Jetzt kann sie als Polizeimeisterin bei der Bundespolizei einsteigen und dort bleiben. Welchen Dienst sie bekommen wird, weiß Zeller aber noch nicht.

Was die sportliche Zukunft bringt, kann sie noch nicht sagen. Eine Karriere als Trainerin ist für ehemalige Profi-Sportler immer eine Option: "Ich habe jetzt in den Skiclubs hier im Allgäu als Trainer mal ein bisschen reingeschnuppert. Aber jetzt möchte ich erst mal Abstand gewinnen und für mich ein bisschen mehr Zeit haben." Abstand zum Profi-Sport, aber nicht zum Sport als Hobby: Katrin Zeller ist nach wie vor auf der Loipe und skatet. Als Sportlerin ohne Leistungsdruck, die mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen auch mal oben auf dem Anstieg innehält und einfach nur genießt.

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