Musiksommer 2
Geigerin aus Salzburg und Pianist aus Moskau bei gemeinsamen Konzert in Oberstdorf

Ravel formuliert es überspitzt: Wie unvereinbar beide Instrumente sind, das soll seine Sonate für Violine und Klavier aus den 1920er Jahren zeigen. Als relativ selbstständige Geister treten beide Instrumente dort in Erscheinung - und fügen sich dennoch zu einem Ganzen zusammen. Zumindest beim Forum junger Preisträger des Oberstdorfer Musiksommers.

Mit der Geigerin Byol Kang aus Salzburg und dem Pianisten Boris Kusnezow aus Moskau präsentieren sich in der Christuskirche nicht nur zwei Musiker, die jeweils den Preis des Deutschen Musikwettbewerbs gewonnen haben, sondern auch als Duo traumwandlerisch sicher miteinander harmonieren.

Das offenbart das Programm << Von fremden Ländern und Menschen >>, das das Motto des Festivals aufgreift: An fünf Werken des 20. Jahrhunderts zeigt es, wie sich Komponisten von anderen Ländern, deren Künstlern und Klangwelten inspirieren ließen. Das reine Kunst-Werk steht dabei neben dem politischen Bekenntnis.

An eine Figur der italienischen Commedia dellarte, den listigen Diener Pulcinella, erinnert Igor Strawinski in seiner << Suite Italienne >> für Violine und Klavier von 1933. Dissonante Pointen sind darin wenig zu finden, und so beschwören Kang und Kusnezow vor allem den Schönklang dieser am Barock orientierten Komposition.

Gegensätzliche Miniaturen

Unerhört kühn in ihrer Tonsprache wirkt dagegen die 16 Jahre zuvor entstandene Violinsonate von Claude Debussy, die ebenfalls barocke Elemente reflektiert. Deren farbenreich schillernde Welt, die sich aus zum Teil sehr gegensätzlichen musikalischen Miniaturen zusammensetzt, entschlüsselt das Duo mit bezwingender Intensität.

Noch kompromisslosere musikalische Bilder lesen die beiden 26 Jahre alten Interpreten aus der Violinsonate von Francis Poulenc heraus. Dem Gedenken an den von den Faschisten ermordeten spanischen Dichter Federico García Lorca gewidmet, lässt sie Wärme und Gefühl nur in einem Intermezzo zu - zwischen kalter, brutaler Gewalt und schmerzvoller Wehklage.

Während Toru Takemitsus << Distance de Fee >> in Form einer schlichten japanischen Meditation Anregung und Versenkung thematisiert, spielt Maurice Ravel in seiner Violinsonate nicht nur mit Jazz-Elementen wie im Satz << Blues >>, sondern auch mit technischen wie klanglichen Extremen.

Sie werden zum reinen Vergnügen, dank der Virtuosität von Kang/Kusnezow.

Der Bayerische Rundfunk sendet eine Aufzeichnung des Konzerts am Dienstag, 16. August, um 18.05 Uhr auf BR-Klassik.

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