Wetter
Der Achterbahn-Winter im Allgäu: Wie die Tourismus-Betriebe die bisherige Saison bewerten

Der Schnee kam spät, aber noch pünktlich zu den Weihnachtsferien. Es folgten Sturm und Regen. Wie die Tourismus-Betriebe im Allgäu die bisherige Saison bewerten.

Die Mahnungen waren laut und sie kamen, wie schon in den Jahren zuvor, passend zu Beginn des Winters. Alpenverein, Bund Naturschutz und Grüne kritisierten die Ausgaben für die künstliche Beschneiung in Skigebieten und forderten insbesondere ein Ende der staatlichen Förderung für Schneekanonen und neue Lifte.

Hauptargument: Angesichts der zunehmenden globalen Erwärmung sei schon in zehn, 15 Jahren ein Skibetrieb in den meisten bayerischen Wintersportorten nicht mehr möglich. Untermauert wird diese Position mit Studien, beispielsweise die Untersuchung im Auftrag des Deutschen Alpenvereins 'Auswirkungen des Klimawandels auf Skigebiete im bayerischen Alpenraum'.

Darin kommt der Geograf Robert Steiger von der Universität Innsbruck zu dem Schluss, dass wegen der globalen Erwärmung innerhalb der nächsten 15 bis 25 Jahre wahrscheinlich nur noch 50 bis 70 Prozent der Skigebiete in den bayerischen Alpen schneesicher sein werden. Langfristig, so die Untersuchung, seien in den bayerischen Alpen nur die Skigebiete Fellhorn/Kanzelwand bei Oberstdorf sowie Zugspitze überlebensfähig.

Klimaforscherin Andrea Fischer von der österreichischen Akademie der Wissenschaften hält dagegen: In einer Studie des Verbandes Deutscher Seilbahnen (VDS) heißt es, mithilfe von Beschneiungsanlagen könne in den nächsten 30 Jahren von einer sehr hohen Schneesicherheit ausgegangen werden. Der Klimawandel habe bisher nur geringe Auswirkungen auf Schnee und Schneeproduktion in deutschen Skigebieten. 'Das gilt auch für niedriger gelegene Skigebiete', sagt sie.

VDS-Präsident Peter Huber folgert

'Schnee ist und bleibt die Existenzgrundlage des alpinen Wintertourismus.' Die Skeptiker wie der Alpenverein dagegen fordern Alternativen zum Pistensport, beispielsweise Winter- oder Schneeschuhwandern.

Nachdem der Winter mit einer großen Ladung Neuschnee ab dem zweiten Weihnachtstag gerade noch rechtzeitig für die meisten Urlauber in den bayerischen Alpen ein deutliches Lebenszeichen von sich gegeben hatte, ist in der vom alpinen Tourismus lebenden Branche wieder Gelassenheit eingekehrt. 'Ab dem 25. Dezember hatten wir sogar mehr Gästemeldungen als im vergangenen Jahr', berichtet beispielsweise Miriam Frietsch von Oberstdorf Tourismus.

'Gut' bis 'sehr gut' seien die Weihnachtsferien aus touristischer Sicht verlaufen, berichten auch andere Gemeinden in einer Befragung der regionalen Dachorganisation Allgäu GmbH. Allerdings ging das Achterbahn-Wetter der vergangenen Wochen weiter. Den Schneemassen in den Allgäuer Alpen nach Weihnachten folgte vor einer Woche ein starkes Tauwetter.

Die meisten Pisten überlebten den Regen nahezu unbeschadet. 'Der Kunstschnee hält schon', sagt Allgäu-GmbH-Geschäftsführer Bernhard Joachim. 'Es ist auf jeden Fall besser als im vergangenen Jahr', antwortet Franz Bucher von der Tegelberg- und Breitenbergbahn im Ostallgäu.

Dieser Tage in den Oberstdorfer Skigebieten

Im Gebiet Fellhorn/Kanzelwand und am Nebelhorn sind die Talabfahrten geöffnet, immer wieder laufen nachts die Schneekanonen. 'Wir haben uns alle Mühe gegeben', verweist Nebelhornbahn-Pistenchef Alfred Spötzl auf die weiße Talabfahrt. Ohne technischen Schnee wäre das nicht möglich gewesen.

Im größten grenzüberschreitenden Skigebiet Fellhorn/Kanzelwand sind seit Weihnachten alle Anlagen durchgängig in Betrieb. 'Das können sich die Menschen in Ulm oder Augsburg kaum vorstellen', sagt Bahn-Chef Augustin Kröll.

Aber im südlichsten Zipfel Deutschlands und im angrenzenden österreichischen Bundesland Vorarlberg sei das Wetter erfahrungsgemäß anders als vom Deutschen Wetterdienst vorhergesagt. Da profitiere man mehr beispielsweise von Föhnlagen und Sonnenfenstern, wie sie vom österreichischen oder auch vom Schweizer Wetterbericht besser vorhergesagt würden. 'Übers Jahr gesehen entsteht durch oft falsche Wetterberichterstattung für unsere Region ein immenser Schaden', sagt Kröll.

'Wenn die Wetterprognose schlecht ist, bleiben die Gäste aus', bestätigt Martin Fahr von der Hörnerbahn im Oberallgäuer Bolsterlang. Doch es gibt auch die Verlierer der Wetterkapriolen in den vergangenen beiden Wochen: So mussten beispielsweise nach einigen Skitagen die Gebiete Alpsee-Bergwelt bei Immenstadt und die Hochgratbahn den Pistenbetrieb wieder einstellen. Der Regen hatte die weiße Pracht weggespült. Beide Gebiete haben keine Beschneiungsanlagen.

Wie das Wetter die kommenden Tage wird, erfahren Sie in unserer Wettervorhersage.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen