Einheimischer Spender
Bischof Bertram weiht neue Oberstdorfer Friedensglocke

Der imposante Kirchturm des Marktes Obersforf der katholischen Kirche Sankt Baptist
  • Der imposante Kirchturm des Marktes Obersforf der katholischen Kirche Sankt Baptist
  • Foto: Charly Höpfl
  • hochgeladen von Holger Mock

Das Geläut der Pfarrkirche St. Johann Baptist wird künftig durch eine fünfte Glocke erweitert. Ein Oberstdorfer Spender stiftete Mittel, die nach seinem Wunsch für eine Friedensglocke verwendet werden sollten. Bischof Dr. Bertram Meier wird am Freitag, 26. Juni, um 15 Uhr im Rahmen eines Wortgottesdienstes auf dem Platz vor der Kirche die 350 Kilogramm schwere Glocke weihen. Direkt im Anschluss daran wird sie von einem Autokran auf den Turm gezogen und findet dort ihren endgültigen Platz.

Erstmals nach seiner Weihe ist Bischof Bertram zu Gast im südlichen Allgäu und übernimmt den feierlichen Weiheakt vor dem Gotteshaus. Die neue Glocke ergänzt nach dem Spenderwillen das bisherige Vierer-Geläut von St. Johann Baptist und bildet die „Klangkrone“. Sie trägt nach einem Vorschlag von Pfarrer Maurus Mayer die Aufschrift: „Jesus trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit Euch“ (Joh 20,26). Die Glocke „tritt mit ihrem Klang mitten in die Gemeinde“, erklärt der Leiter der Pfarreiengemeinschaft Oberstdorf. Wie Jesus, der im obigen Zitat aus dem Johannesevangelium in die Mitte der Jüngergemeinde trete und ihnen den Frieden spendet, solle Jesus Christus die friedliche Mitte der Gemeinde sein, erklärt er weiter.

Im Oberstdorfer Kirchturm befanden sich seit dem Ende des Ersten Weltkrieges bis zum Zweiten Weltkrieg fünf Glocken. Bis auf ein Exemplar mussten im Zweiten Weltkrieg alle Glocken abgegeben werden, in Oberstdorf fand dies am 21. April 1942 statt. Hierbei gab es eine Besonderheit: Es verblieb nicht, wie sonst üblich, die kleinste Glocke im Turm, sondern das mit 2399 Kilogramm größte Exemplar blieb hängen.

Hierbei handelte es sich um die Dreifaltigkeitsglocke, die schon die erste Ablieferung der Glocken von 1917 überlebt hatte. Auf die Frage: „Wie wurde die große Dreifaltigkeitsglocke gerettet?“, folgt nach Informationen von Pfarrer Mayer eine abenteuerliche Geschichte. Ein Jahr nach dem großen Brand von Oberstdorf im Mai 1865, bei dem der halbe Ort samt Kirche, Rathaus und Schule ein Raub der Flammen wurde, hätten Bürger die große Dreifaltigkeitsglocke 1866 aus Erzresten („ex collecto aere“) wiederhergestellt, so Mayer.

Diese schon wegen ihrer Geschichte für die Gemeinde so bedeutende Glocke sollte nun zum Einschmelzen für Kriegsmetall abgeliefert werden. Da griffen beherzte Bürger zu einer List: Glocken mit hohem Silberanteil brauchten nicht abgeliefert werden, weil sie als Kriegsmetall ungeeignet waren. Die Späne, die der Glocke entnommen wurden, zeigten zunächst keinen Silberanteil. Das gewünschte Ergebnis brachte schließlich ein zusätzlich hineingeriebener Silbertaler: Die Glocke war nun aufgrund ihres „hohen Silbergehaltes“ zum Kriegsgebrauch nicht tauglich. „Was das, wenn es aufgekommen wäre, für die mutigen Oberstdorfer bedeutet hätte, kann man sich vorstellen“, berichtet der Seelsorger.

Eine besondere Bedeutung hat die wunderbar klingende Dreifaltigkeitsglocke in der Corona-Zeit von Mitte März bis Pfingsten erhalten, denn sie wurde am Dienstag- und Donnerstagabend um 20.30 Uhr geläutet. Viele Oberstdorfer ließen sich von ihr einladen, sich in den Häusern zu versammeln und das von den Pfarrern Maurus Mayer und Bruno Koppitz geschriebene Gebet zur gegenseitigen Stärkung zu sprechen. „Den Klang der Glocke in der stillen Zeit der Pandemie werde ich nicht vergessen“, betont Mayer.

Schon im Mai 1950 konnte Oberstdorfs berühmter Pfarrer Rupp drei neue, kleinere Glocken weihen, die seither die Dreifaltigkeitsglocke von 1866 begleiten. „Wenn nun die kleine Schwester und Klangkrone dazu kommt, ist es besonders passend, mit ihr als Friedensglocke für die lange Friedenszeit zu danken“, beendet der Pfarrer seine Ausführungen.

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