Interview
Biologe Henning Werth im Interview über gesichteten Wolf bei Oberstdorf

Nach dem ersten Auftreten eines Wolfs bei Oberstdorf seit fast 200 Jahren im Mai dieses Jahres ist vor einer Woche erneut ein 'wolfähnliches Tier' von einer automatischen Kamera nahe Oberstdorf erfasst worden. Die Allgäuer Zeitung sprach darüber mit dem Biologen Henning Werth, Betreuer des Naturschutzgebiets Allgäuer Hochalpen, und informierten uns beim Bayerischen Landesamt für Umwelt, wo es eine Arbeitsgruppe 'Große Beutegreifer' gibt.

Wieso konnte das Tier jetzt von einer automatischen Kamera festgehalten werden?

Laut Henning Werth hat vermutlich ein Jäger die Kamera installiert, nachdem ihm verdächtige Spuren im Schnee aufgefallen waren. Ausgelöst wird eine solche, relativ kleine Kamera über einen Bewegungsmelder.

Woher kommt das Tier?

Mit Sicherheit kann noch nicht gesagt werden, dass es sich um einen Wolf handelt. 'Gewissheit haben wir erst über eine DNA-Spur beispielsweise an einem gerissenen Reh', sagt Biologe Werth. Er vermutet aber, dass es sich um denselben Wolf handelt, der vergangenen Mai bereits einmal bei Oberstdorf gesichtet worden war. Dieser war im Herbst in Vorarlberg aufgetaucht, wie anhand von DNA-Spuren nachgewiesen wurde.

Werth nimmt an, dass es sich bei dem Oberstdorfer Wolf um ein Jungtier auf der Durchreise handelt. Es dürfte aus dem italienischen Piemont oder von Wolfsrudeln im Calanda-Massiv südlich von Chur in Graubünden (Schweiz) stammen.

Wo gibt es in Deutschland Wölfe?

In Deutschland sind bisher 33 Rudel nachgewiesen, so in der Lausitz, in der Sächsischen Schweiz, in Brandenburg und Niedersachsen. In Bayern wurden bisher nur durchwandernde Tiere registriert. In der Nähe des Starnberger Sees beispielsweise wurde 2006 ein Wolfsrüde überfahren. Genetische Nachforschungen ergaben, dass das Tier aus dem Raum Nizza stammte.

Heuer wurde ein Wolf bei Brannenburg im oberbayerischen Kreis Rosenheim sowie bei Dorfen im Kreis Erding nachgewiesen. Genetische Analysen zeigten, dass es sich bei den Tieren von Brannenburg und Oberstdorf um zwei unterschiedliche männliche Wölfe handelte. Von dem Tier bei Dorfen gibt es keine genetischen Hinweise.

Ist es denkbar, dass sich ein Wolfsrudel wieder dauerhaft im Allgäu oder anderswo in den Bayerischen Alpen ansiedelt?

Wölfe sind anpassungsfähig. Sie lassen sich dort nieder, wo sie genügend große Rückzugsräume und ein ausreichendes Nahrungsangebot finden. Große Waldgebiete werden gerne als Lebensraum angenommen. Hinderlich sind Verkehrsachsen wie Eisenbahnlinien oder größere Straßen und Autobahnen. Wölfe legen auf ihren Wanderungen lange Strecken zurück.

50 Kilometer am Tag sind keine Seltenheit. Kurzfristig können Wölfe bis zu 50 Kilometer pro Stunde schnell sein. Zudem sind sie gute Schwimmer. Henning Werth geht davon aus, dass sich irgendwann der Wolf im Allgäu wieder ansiedelt.

Was ist die häufigste Beute von Wölfen?

Die Nahrung besteht aus Aas, Kleinsäugern und Huftieren - dazu zählen Reh und Rotwild. Bei den Nutztieren sind es vor allem Schafe und Ziegen.

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