Alpin-Polizei
Bei Unfällen in den Bergen stets vor Ort

«Die Berge sind mein Leben», sagt Willi Fink über sich. Vor 25 Jahren gehörte der heute 57-Jährige zu den Gründungsmitgliedern der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei in den Allgäuer Alpen. Die vergangenen zehn Jahre war der Oberstdorfer Polizeibergführer Chef der 14-köpfigen Gruppe. Jetzt übergibt er dieses Amt in jüngere Hände - «aus gesundheitlichen Gründen», bedauert der schlanke, groß gewachsene Hauptkommissar.

In den vergangenen zehn Jahren hat er mit rund 100 Todesfällen in den Allgäuer Alpen zwischen Bodensee und Füssener Land zu tun gehabt.

Denn die Alpin-Experten der Allgäuer Polizei werden immer dann gerufen, wenn es um Unfälle oder Verbrechen in den Bergen geht, auch bei Pistenunfällen. Im Flachland sind Beamte der Alpinen Einsatzgruppe beispielsweise dann gefragt, wenn Einsätze in unzugänglichen Tobeln anstehen oder man auf einen Kran oder auf eine Hochspannungsleitung steigen muss.

Werner Fink zeigt auf Fotos aus den Allgäuer Alpen, die in seinem Büro hängen: Höfats, Mädelegabel, Trettachspitze und wie sie alle heißen. Bei jedem Foto werden bei dem 57-Jährigen Erinnerungen an frühere Einsätze wach. «Manche Bilder gehen einem nicht aus dem Kopf», sagt Fink. Zum Beispiel nach dem Absturz eines Motorseglers an der Trettach.

Die Maschine war frontal in die Westwand des Berges gerast, überall lagen Trümmer und Leichenteile. War es ein Unglück oder Suizid? Diese Frage wird wohl nie beantwortet werden.

«Das tut weh»

Unklar ist zum Beispiel auch der genaue Hergang eines Dramas am Nebelhorn-Gipfel 2005, als ein Ehepaar in den Tod stürzte. In solchen Fällen sind die Alpin-Experten der Polizei vor Ort und ermitteln. Fink schildert einen Fall, der ihm wie kein anderer nahe ging: Beim Skifahren am Nebelhorn war ein zwölfjähriges Mädchen auf der Piste gestürzt, unglaublich weit über den Pistenrand hinaus gerutscht und dann über felsdurchsetztes Gelände abgestürzt. Einen solchen Unfallhergang an dieser Stelle hatte bis dahin niemand für möglich gehalten. Auch damals war Fink als einer der Ersten vor Ort.

«Ich habe das tote Mädchen in den Händen gehalten, den leblosen Körper in den Leichensack gelegt», erzählt der 57-Jährige. «Das tut weh, so etwas steckt man nicht so einfach weg», ergänzt er mit ernster Miene.

Fink war auch dabei, als wegen einer Einbruchserie in Alpenvereinshütten ermittelt wurde oder bei der Festnahme mancher Straftäter in den Bergen. Denn es kommt häufiger vor, dass verurteilte Straftäter sich in die Berge zurückziehen, um zumindest vorerst nicht ins Gefängnis gehen zu müssen.

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