Trettach
14 Stunden in der Bergwand: Dramatische Rettung bei Oberstdorf

Einige Bergwachtler hatten schon geschlafen, andere wollten sich gerade hinlegen. Da wurden sie alarmiert. Das war am späten Sonntagabend – ziemlich genau um Mitternacht. Für die Oberstdorfer Bergretter war es vorbei mit der Nachtruhe. Doch das wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. <%IMG id='1404264' title='Nächtliche Bergrettung'%>

Zwei Kletterer seien beim Abseilen von der 2.595 Meter hohen Trettachspitze in die Nordwand geraten und kämen dort weder vor noch zurück, hieße es in der Alarmierung.  Die beiden 32 und 33 Jahre alten Alpinisten aus dem Raum Göppingen (Baden-Württemberg) wollten sich eigentlich den relativ leichten Nordwestgrat hinunter abseilen, hatten allerdings die Route verfehlt. 

In der Nordwand seien sie an einem Überhang nicht mehr weitergekommen und hätten sich mit Klemmkeilen in der Wand gesichert, berichtet Lorenz Titzler von der Oberstdorfer Bergwacht. Klemmkeile und Klemmgeräte werden beim Felsklettern verwendet, um beispielsweise in Felsrissen Fixpunkte zum Sichern anbringen zu können. Das war gegen 19 Uhr. Fünf Stunden verharrten die Kletterer in der Wand, bis sie sich zum Notruf entschlossen.

Wetter verschlechtert sich

Die Oberstdorfer Bergretter alarmierten einen nachtflugtauglichen Hubschrauber der Polizei, der aus München kam. Der Pilot von 'Edelweiß 1' und sein Bordmechaniker versuchten zunächst, Bergwachtler per Seilwinde direkt bei den Kletterern in der Nordwand abzusetzen. Doch das Wetter verschlechterte sich immer weiter. 'Der Föhn ließ nach und es wurde richtig giftig', schildert Titzler. Regenschauer zogen durch, in der Ferne blitzte es. Und es wurde immer kälter. Bald mischten sich die ersten Schneeflocken unter die dicken Regentropfen.

Jetzt mussten die Bergretter eine andere Strategie wählen, um zu den Kletterern in der Wand zu kommen. Der Hubschrauber flog die Bergwachtler zum Fuß des Nordwestgrats, über den sie in der Nacht bei widrigsten Bedingungen aufstiegen. Vom Gipfel aus seilten sie sich dann in die Nordwand ab.

Das sei eine schwierige und langwierige Aktion gewesen, sagt Titzler. Gegen 5 Uhr kamen die Retter bei den beiden Kletterern an. Noch war es stockdunkel. Die gut ausgerüsteten Bergsteiger waren zu diesem Zeitpunkt unterkühlt, aber unverletzt. Bergwachtler und Kletterer seilten sich über den restlichen Teil der steilen Trettach-Nordwand ab.

Regenpause genutzt

Die Bergwachtler, die zunächst oben am Gipfel geblieben waren, seilten sich über den Nordwestgrat ab. Der Hubschrauber und die Besatzung hatten am Oberstdorfer Bergwachtdepot gewartet. Gegen 7 Uhr nutzte der Pilot ein kurzes Schönwetter-Fenster. Er flog die geborgenen Bergsteiger und die Retter ins Tal. Gegen 9 Uhr seien alle wieder unten gewesen, berichtet Titzler.

15 ehrenamtliche Bergwachtler sowie die Hubschrauber-Besatzung seien im Einsatz gewesen, zog Polizeipräsidiums-Sprecher Christian Eckel gestern eine Bilanz. Er sprach von einer 'ganz großen Flugleistung' und einem gleichermaßen schwierigen wie brisanten Einsatz der Bergretter. 'Und das alles ehrenamtlich, die sind jetzt alle wieder bei der Arbeit', sagte Polizeisprecher Eckel bewundernd.

Der Einsatz wird den beiden geretteten Männern aus der Region Göppingen aller Voraussicht nach in Rechnung gestellt.

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