Naturschutz
110 Arten: Wie viele Ameisen leben eigentlich in einem Ameisenbau?

Rund 7 Kilogramm Ameisen leben in einem Ameisenbau.
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  • Rund 7 Kilogramm Ameisen leben in einem Ameisenbau.
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Bei jedem Spaziergang durch die Allgäuer Wälder sieht man mindestens einen Ameisenhaufen am Wegesrand. Für viele sind es lästige Tiere, die weh tun, doch die kleinen Ameisen leisten Großes. Neben den 13 verschiedenen Waldameisen, die in den Wäldern vorkommen, gibt es noch 110 weitere, die auch in unseren Gärten leben. Aber die kleinen Tiere sind auch perfekt für den heimischen Garten. So fressen die Ameisen Blattläuse und schützen damit unsere Bäume und Pflanzen vor dem Zerfressen. Doch wie viele Tiere leben eigentlich in einem Ameisenbau und was ist der Unterschied zu den Ameisen im Garten? Dazu haben wir ein Interview mit Naturparkrangerin Denise Klein geführt.  


Was sind Waldameisen und was unterscheidet sie von "normalen" Ameisen?

Denise Klein: In Deutschland gibt es insgesamt 110 Ameisenarten, dazu gehören 13 verschiedene heimische Waldameisenarten. Alle bei uns lebenden Waldameisen bauen Nesthügel. Die rote Waldameise (Formica rufa) ist bei uns die bekannteste Art.

Die wohl bekannteste Ameisenart ist die schwarze Weg- oder Gartenameise (Lasius niger). Diese ist in ganz Europa verbreitet und häufig. Man findet sie auf Wäldern, Wiesen, Äckern, Wegen, Parks oder Gärten. Im Gegensatz zur Waldameise lebt ihre Kolonie unter Steinen, Hölzern, Baumrinden und Mauerspalten. Sie werden nur 3 - 5 mm lang. Somit ist sie kleiner als die Waldameise. Die Arbeiterinnen von Waldameisen werden 5 - 7 mm lang, die Königin sogar 9 - 11 mm.

Rund 7 Kilogramm Ameisen leben in einem Ameisenbau.
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Wo leben die großen Waldameisen ?

Denise Klein: Die rote Waldameise baut ihr Ameisennest gerne am Waldrand von Laub- und Nadelwäldern. Schattige Fichtenwälder werden gemieden. In höheren Lagen werden die Ameisenhügel auch auf Lichtungen gebaut. Wichtig sind Orte, an denen die Sonne auf den Waldboden gelangen kann. 

Wie groß kann ein Ameisenbau werden?

Denise Klein: Ein Ameisenhügel erstreckt sich nach oben und unten. Er kann bis zu zwei Meter hoch werden und zusätzlich zwei Meter in den Boden reichen. Ein Vorteil von einem großen Ameisenhaufen ist, dass er viel besser Wärme speichern kann als ein kleiner.

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Wie viele Tiere Leben in einem Ameisenbau?

Denise Klein: In einem Ameisenbau leben mehr als eine Millionen Arbeiterinnen. Eine Millionen Waldameisen wiegen nur 7 kg.

Gibt es dort auch eine "Königin" wie bei den Bienen?

Denise Klein: Waldameisen haben auch eine Königin. Dabei ist es artspezifisch, wie viele in einem Waldameisennest sind. Manche besitzen nur eine, andere wiederum können sogar hunderte Königinnen haben. Die Königinnen haben einen auffällig glänzenden Hinterleib und sind größer als die Arbeiterinnen und Männchen. Die junge Königin hat Flügel, diese werden nach der Begattung abgebrochen. Die Königin kann bis zu 25 Jahre alt werde, die Arbeiterinnen nur 4 - 6 Jahre.

Stehen die Tiere unter Naturschutz?

Denise Klein: Ja - da die Waldameisen wild lebende Tiere sind, besitzen sie grundlegend einen rechtlichen Mindestschutz, der unter §39/40 im Bundesnaturschutzgesetz festgelegt ist. Zusätzlich zählen fast alle hügelbauenden Waldameisen (Ausnahme ist die Blutrote Raubameise) seit dem Jahr 2005 wieder zu den besonders geschützten Tierarten. In §44 des BNatSchG ist somit geregelt, dass besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten in all ihren Entwicklungsstufen nicht aus der Natur entnommen oder getötet werden dürfen. Es ist sehr wichtig, diese Tiere zu schützen, da sie einen wichtigen Beitrag für unser Ökosystem leisten. Sie sind bei der Ausbreitung von ca. 150 Pflanzenarten beteiligt, ungefähr 70 verschiedene Käferarten finden in ihren Nestern einen Lebensraum. Sie essen Schädlinge und verarbeiten den Boden. Zusätzlich dienen sie der Nahrung von Grünspechten, Spinnen und Amphibien.

Was fressen Ameisen?

Denise Klein: Ameisen ernähren sich hauptsächlich vom Honigtau der Blattläuse, dieser enthält viele Kohlenhydrate. Zusätzlich werden Insekten gegessen, diese beinhalten wertvolle Eiweiße, die für die Brut wichtig sind. Ihr Jagdgebiet liegt in einem Umkreis von ca. 50 m um den Ameisenbau. Ein großes Volk der roten Waldameise kann in einem Jahr bis zu 28 kg Insekten und ca. 200 Liter Honigtau aufnehmen. Sie essen auch gerne Elaiosomen (Ölkörperchen). Das sind fettreiche Anhängsel von Pflanzensamen. Auf dem Weg zum Nest werden die Anhängsel von den Samen abgebissen. Somit tragen sie aktiv zur Verbreitung von Pflanzenarten bei.

Beißen die Waldameisen auch zu und warum tut es eigentlich weh?

Denise Klein: Waldameisen haben kräftige Mundwerkzeuge, diese werden zum Beutefang, deren Zerkleinerung, zum Materialtransport und zur Verteidigung verwendet. Bei der Waldameise kann beobachtet werden, dass sie ihre Beutetiere erst beißt und dann in die Bisswunde Ameisensäure spritzt. Ihr grundlegendes Verteidigungsmittel ist die Ameisensäure. Wenn Fressfeinde kommen, bekommen sie eine Dusche mit Ameisensäure. Dafür haben sie eine Drüse an ihrem Hinterleib, sie können die Säure sogar bis zu einem Meter weit spritzen. Gegen Fressfeinde ist das ein wirksames Mittel, bei uns Menschen hinterlässt sie ein brennendes, unangenehmes Gefühl auf der Haut. Ameisensäure ist eine farblose, gesättigte Carbonsäure mit ätzenden Eigenschaften. Sie befindet sich auch in den Brennhaaren von Brennnesseln.

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