Jubiläum
Vor 50 Jahren führte die Finkengruppe Harfe und Hackbrett in die Allgäuer Volksmusik ein

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Als Wastl Fanderl, der oberbayerische Musiker und Volksliedsammler, 1961 wieder seine beliebten Singwochen veranstaltete, war auch die 23-jährige Musikstudentin Jutta Balzereit (heute Kerber) aus Bad Hindelang (Oberallgäu) dabei.

Ebenso wie der Zitherspieler Michael Fink aus Kalzhofen bei Oberstaufen. Dieser lud die angehende Harfenistin im Sommer auf den Finkhof ein, wo Bruder Hans gerade das chromatische Hackbrett erlernte.

Die Bauernsöhne Josef Wagner aus Weissach und Ferdl Kerber aus Hinterreute ergänzten die Gruppe mit Gitarre und Bassgeige. Und so musizierten die jungen Leute erstmals in originaler Stubenmusikbesetzung, nicht ahnend, dass sie damit, vor 50 Jahren, den Grundstein für die Stubenmusik im Allgäu legten.

Harfe und auch Hackbrett seien bis dahin im Allgäu unbekannt gewesen, sagt Jutta Kerber. Verbreitete Instrumente waren die Zither und die diatonische Harmonika. Die Stubenmusik mit den fünf Instrumenten habe man damals nur vom Salzburger Volksmusiker Tobi Reiser gekannt. Nur sieben Wochen nach dem ersten gemeinsamen Spiel meldete sich die 'Finkengruppe' selbstbewusst zum ersten schwäbischen Volksmusik-Wettbewerb in Lindau – und war eins von 37 Ensembles.

Mit dabei war damals noch Helene Witzigmann an der Zither. Im Gepäck hatten die 'Finken' Stücke von Tobi Reiser. Allgäuer Volksmusik für diese Besetzung gab’s ja noch nicht.

Die Allgäuer, einheitlich in Oberstaufner Tracht, traten als letzte auf und gewannen den ersten Preis in Instrumentalmusik. Danach, erinnert sich Jutta, inzwischen fast genau so lange mit Ferdl Kerber verheiratet, sei die frisch formierte Allgäuer Volksmusikgruppe 'wie die Stars der Rockszene heute' herumgereicht worden – bis nach Berlin.

Karl List vom Bayerischen Rundfunk gab ihnen dann den Tipp, einen eigenen Stil zu entwickeln. Also wurden einstimmige Stücke aus alten Noten-büchlein, zum Beispiel aus Thalkirchdorf, für die Stubenmusikbesetzung bearbeitet. Später schrieb Jutta Kerber eigene Werke.

Helene stieg alsbald wieder aus, weil sie eine Lehre zur Trachtenschneiderin machte. Doch die anderen fünf Mitglieder blieben noch fast fünf Jahre zusammen, bis sich auch hier die Wege trennten: Familien wurden gegründet, die Musik rückte etwas in den Hintergrund. Aber nur vorübergehend. Denn alle drei Familien bildeten später eigene Ensembles, waren musikalisch eng vernetzt.

Josef Wagner, heute Landwirt, Alphornbauer und Leiter der 'Familienmusik Wagner', schickte unter anderem eine seiner Töchter zu Jutta Kerber in den Harfenunterricht. Mit Erfolg: Die Harfenistin ist derzeit in Kopenhagen engagiert. Die 'Finkengruppe' gibt es immer noch, inzwischen machen drei Söhne mit. Michael junior lernte bei Juttas Sohn Martin die Zither.

Kerber-Söhne gehen neue Wege

Alle drei Buben der international bekannten Kerberfamilie sind studierte Musiker, die in der 'Martin Kerber Big Band' oder als 'Kerberbrothers Alpenfusion' neue (volks-) musikalische Wege gehen. In der Kerbergruppe musizierten Ferdl und Jutta Kerber, Ferdls Bruder Hans sowie Josef Wagner und Ehefrau Else von 1965 bis etwa 1975. Dann stiegen nach und nach die drei Söhne ein.

1965 erster 'Advent im Allgäu'

Bei einem der ersten Auftritte spielten die Kerbergruppe für Wastl Fanderl und Tobi Reiser. Reiser ermutigte sie, ein Adventssingen einzuführen. Und 1965, erzählt Jutta Kerber (74), gab es den ersten 'Advent im Allgäu'.

Dass die Stubenmusik im Allgäu inzwischen etabliert ist, liegt auch an den Musikschulen, die Ferdl und Jutta Kerber in Krumbach, Oberstdorf und Immenstadt aufbauten. Jutta Kerber ist außerdem seit 1971 Volksmusikberaterin für den Bezirk Schwaben.

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