Ungewöhnliche Trainingsmöglichkeit
Trümmersuchhunde in der Schlossbergklinik in Oberstaufen

Peter Hentschel, Ulli Tiebel, Viola Daubt und ein Kollege beim Training in Wiener Neustadt.
4Bilder
  • Peter Hentschel, Ulli Tiebel, Viola Daubt und ein Kollege beim Training in Wiener Neustadt.
  • Foto: Prof. Dr. Christoph Tiebel
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

An der Schlossbergklinik in Oberstaufen haben die Abrissarbeiten begonnen. Dabei sind zu manchen Zeiten Hunde zu beobachten, die das Gebäude durchstreifen. Sie gehören der Rettungshundestaffel des BRK Oberallgäu an. Diese hat die Erlaubnis erhalten, während der Dauer des Abrisses mit ihren Trümmersuchhunden, Flächensuchhunden und einem Personensuchhund für den Ernstfall zu trainieren. Staffelleiter Prof. Dr. Christoph Tiebel erklärt, was genau die Hundeführer mit ihren Tieren dabei einüben.

"Unsere Rettungshundestaffel umfasst aktuell neun Flächensuchhunde, zwei Trümmersuchhunde sowie einen Personenspürhund, auch genannt Mantrailer. Sie müssen in der Lage sein, unwegsames Gelände oder mitunter auch mal eine Scheune abzusuchen. Speziell die Trümmerhunde müssen auch schwierige Gegebenheiten im Gebäude meistern: Bei Dunkelheit ein unwegsames Trümmergelände durchsuchen", erklärt Prof. Dr. Tiebel. Er ist zugleich BRK Landefachdienstleiter Rettungshundearbeit und im Hauptberuf Dekan des Studiengangs Sozialmanagement an der Reinhold-Würth- Hochschule im württembergischen Künzelsau. "Für uns es ein Glücksfall, dass die Firma Geiger uns gestattet hat, den Rückbau der Klinik in den nächsten Monaten für unsere Trainings zu nutzen."

Nach der Gasexplosion in Günzburg Mitte Juni 2020 waren auch zwei Teams der Rettungshundestaffel des BRK Oberallgäu vor Ort, um nach eventuell verschütteten Personen zu durchsuchen. Wie sich herausstellte, war glücklicherweise niemand unter den Trümmern begraben worden.
  • Nach der Gasexplosion in Günzburg Mitte Juni 2020 waren auch zwei Teams der Rettungshundestaffel des BRK Oberallgäu vor Ort, um nach eventuell verschütteten Personen zu durchsuchen. Wie sich herausstellte, war glücklicherweise niemand unter den Trümmern begraben worden.
  • Foto: Prof. Dr. Christoph Tiebel
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

Training in schwierigen und komplexen Gebäudeteilen

Alle 14 Tage üben die Teams aus Hundeführer und Suchhund abends in der zum jetzigen Zeitpunkt fast noch intakten Klinik. "Die Trümmersuchhunde trainieren in den schwierigen und komplexen Gebäudeteilen wie zum Beispiel dem dunklen Keller, während die Flächenhunde in den Stockwerken üben. Aufgabe des Mantrailers ist es, eine bestimmte Person aufgrund ihres Individualgeruchs im Klinikgebäude zu finden. Je nach Ausbildungsstand der Hunde verstecken wir beispielsweise Personen in irgendeinem Zimmer in einem Schrank oder auch auf einem Hochregal in einem Lager. Die Türen werden dann mehr oder weniger fest verschlossen. Bei fortgeschrittenem Ausbildungsstand des Hundes darf der Hundeführer das mehrstöckige Gebäude nicht einmal betreten - so kann man sehen, wie das Tier alleine mit seiner Aufgabe zurechtkommt", schildert Christoph Tiebel das Vorgehen.

Wenn der Abriss weiter fortgeschritten sei, stünden Übungseinheiten in teilzerstörten Gebäudeteilen an. "Dann müssen die Hunde sich sicher in verwinkelten Kriechgängen, über Geröll und Schutt und mitunter sogar über Leitern bewegen können. Je weiter der Abbruch fortschreitet, desto komplexer werden die Übungen, bis zuletzt in Trümmerfeldern gearbeitet wird." All dies sei gleichzeitig auch eine Übung für die Hundeführer, die Gefahren eines Trümmereinsatzes zu erkennen.

Seltene Gelegenheit für die Staffel

Die Gelegenheit in einem solchem Gebäude zu üben, gebe es selten, sagt Christoph Tiebel. Normalerweise behelfe sich die Staffel bei den regelmäßigen, anspruchsvollen Trainingseinheiten mit Steinbrüchen, privaten Wäldern und Bauhöfen im ganzen Oberallgäu oder auch dem Trümmergelände der ABC-Schule der Bundeswehr in Sonthofen. "In Trainingswochen fahren wir auch zu spezifischen Trümmergeländen wie etwa in Paris oder nach Wiener Neustadt – dort steht ein riesiges Trümmerfeld des österreichischen Bundesheers mit unterschiedlichen Szenarien zur Verfügung."

Teams der Rettungshundestaffel des BRK Oberallgäu vor der noch weitgehend intakten Schlossbergklinik.
  • Teams der Rettungshundestaffel des BRK Oberallgäu vor der noch weitgehend intakten Schlossbergklinik.
  • Foto: Prof. Dr. Christoph Tiebel
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

Gar nicht genug hervorheben kann der Staffelleiter das unglaubliche Engagement seiner Staffelmitglieder, die im Notfall in erster Linie zu Vermisstensuchen im unwegsamen, nicht alpinen Gelände von der Polizei hinzugezogen werden. Dafür müssen Mensch und Tier bestens ausgebildet sein. "Die Teams kommen mindestens zweimal wöchentlich zum Training, absolvieren zusätzlich noch Sanitätsdienste und wirken außerdem bei der Mittelbeschaffung mit."

Alle zwei Jahre stehe eine sehr anspruchsvolle Prüfung an. Nicht zu unterschätzen sei auch der finanzielle Aspekt dieses Hobbies. "Alle Einsatzkräfte finanzieren ihre Hunde und deren Haltung privat. Gerade in der Trümmerarbeit ist das Verletzungsrisiko der Hunde sehr groß und die Tiere sind nur bei Einsätzen versichert. Wenn beim Training etwas passiert, müssen auch diese Kosten von den Hundeführern getragen werden.

Staffelmitglied Veronika Wagensommer beim Training in der Schlossbergklinik.
  • Staffelmitglied Veronika Wagensommer beim Training in der Schlossbergklinik.
  • Foto: Prof. Dr. Christoph Tiebel
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

Hinzu kommen die Kosten für die Anschaffung der persönlichen Schutzausrüstung, die pro Person mit rund 500 Euro zu Buche schlägt, und die die Ehrenamtlichen zu einem Großteil selbst tragen. Das alles macht sehr deutlich, wie sehr sich die Teams mit ihrem Tun – mit dem sie unter Umständen Leben retten - identifizieren", so Christoph Tiebel. Im Jahr 2019 wurde die Rettungshundestaffel des BRK zu 43 Einsätzen hinzugezogen. In diesem Jahr waren es bislang 10 Einsätze, darunter auch einer nach der Explosion einer leerstehenden Halle in der Nähe des Günzburger Bahnhofs.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen