Lieder
Schauspieler und Sänger Andreas Kern zu Gast in der Thalkirchdorfer Handwebtenne

'A bisserl Musi, a Weinderl und a paar lustige Freinderl' – das ist die Botschaft, das Rezept für Lebenslustige. War da nicht noch was? Richtig: 'I hob die schönen Madln ned erfundn, der guade Wein is a ned mei Patent' – Andreas Kern, der Tegernseer Volksschauspieler, hat nichts vergessen, was schon im alten Wien der Kaiserzeit Stimmung und Laune machte.

Trotz Juniorcup, Europameisterschaft und tollstem Sommerwetter ist das abendliche Haus voll in der Thalkirchdorfer Handwebtenne (die übrigens heuer ins 85. Jahr geht). Und wie das Publikum reiferen Alters mitgeht, mitsummt, oft sogar mitsingt! Da staunt der gelernte Vollblut-Schauspieler Andreas Kern nicht schlecht.

Sein beachtliches Sanges-Talent, seine kräftig-sonore Baritonstimme überzeugt auch ohne jede Mikrofonverstärkung selbst in den hintersten Reihen. 'So lang im Glaserl no a Tröpferl drin is, so lang a Geign no voll Melodien is …' – diesen Refrain kennen hörbar die meisten. Genau so wie 'Heit kumman d’ Engerln auf Urlaub nach Wean'.

Und: 'Ja, wenn da Herrgott ned wui, nutzt des goa nix.'

Ein Spaziergänger in der Nähe der Handwebtenne müsste glauben, hier gastiere ein fein abgestimmter Fischer-Chor, mit professionellem Vorsänger. Erschrocken würde er allerdings aufhorchen bei wiederholten 'Ha!!'-Schreien aus dem Publikum.

Er könnte ja nicht wissen, was der 'geheime Hof- und Kammersänger' Kern gerade gefordert und versprochen hat: 'Bitte jetzt alle ein amouröses Lachen nach meinem Vers: Hinter am Baam steht Gott Amor und lacht – Aber nein, kein Kung-Fu-Kampfschrei, auch kein Jodler, sondern eben amourös muss es klingen … Wer’s am besten macht, darf mit uns auf Tournee!'

Und wieder langt Pianist Alois Rottenaicher, versierter Begleiter Kerns, in die Tasten für einen neuen grotesken Versuch, 'amouröses' Lachen des Gottes Amor im Publikum zu erzeugen.

Auch an anderen Stellen des Programms gibt’s zu lachen und zu schmunzeln über amüsante Wiener G’schichten und Anekdoten ('Jetzt sauf ich, bis ich umfall – das allein kann mich aufrecht halten').

Das Liedchen 'Mir is olles aans' vom weinseligen Wiener lässt manchen Zuhörer an die wohlgemeinte Warnung denken: 'Gib Obacht, Alkohol macht gleichgültig!' – 'Ist doch mir egal.'

Ein Abend also voller Kurzweil. Stimmung ist Trumpf, ohne jeden Umweg über den Intellekt. Doch auch in melancholischen Weltschmerz fallen die Mit-Summer und Mit-Sänger mit ein, wenn Andreas Kern Ferdinand Raimunds berühmtes 'Hobellied' anstimmt: 'Das Schicksal setzt den Hobel an, und hobelt alle gleich.'

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