Reportage
Original Allgäuer Traditions-Kampfsport:Schibui-Gingge in Oberstaufen

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Eine uralte Allgäuer Tradition wieder aufleben lassen und weiterführen: Das hat sich der 1. Allgäuer Schibui-Gingge Club zum Ziel gesetzt, der sich im März 2013 in Oberstaufen gegründet hat. Am Sonntag, 30.06., fand in Oberstaufen zum ersten Mal die offizielle Weltmeisterschaft statt.

Den harten Kern des Schibui-Gingge-Vereins bilden Bernhard Lingg, Rudi Dorner, Wilfried Gehr und Martin Beckel. Sie treffen sich regelmäßig zum Training in der Gingg-Arena. So heißt die Sportstätte, die aus einem Quadrat von vier Bierbänken besteht. Früher hatte der Kampfplatz auf jeder Seite ein Maß von sechs Ebratshofer Ellen, einem alten Sägermaß. Die heutigen Bierbänke entsprechen genau dieser Einheit.

Zum Reglement gehört, dass die Männer in kurzen Lederhosen die Gingg-Arena betreten und vom Knie abwärts nackt sind. Weiterhin müssen sie während des gesamten Kampfes ihre Hände in den vorderen Hosentaschen halten. Frauen, die antreten möchten, tragen ein kurzes Dirndl, das über dem Knie endet. Während des Wettkampfs müssen sie ihre Hände im Bund ihrer Schürze halten. Verstoßen die Teilnehmer dagegen, zieht der Punktrichter ihnen einen Punkt ab. Bei dreimaliger Wiederholung droht sogar die Disqualifikation.

Bei einem Kampf treten zwei Personen gegeneinander an. Drei Runden á 2 Minuten lang haben sie Zeit, mehr Treffer am Schienbein ihres Gegenübers zu platzieren als der Gegner bei ihnen. Wer in zwei von drei Runden häufiger trifft, gewinnt den Kampf. Beim Schibui-Gingge, also dem ans Schienbein treten, benötigen die Sportler eher Koordination und Ausdauer als Kraft oder sogar Brutalität. Vor allem tänzelnde Bewegungen und Kicks aus dem Sprung heraus führen zu gezielten Treffern.

Den ein oder anderen blauen Fleck nach einem schmerzhaften Tritt kann man sich im Kampf zwar holen, tiefere Verletzungen sind bisher allerdings noch nicht passiert. Schmerzhaft ist auch die Erinnerung, die der Vorsitzende des Clubs, Bernhard Lingg an den Abend hat, als er die Allgäuer Traditionssportart erlernt hatte: Vor über 20 Jahren brachte ihm ein damals etwa 65 Jahre alter Ebratshofer nachts auf der Straße das Schibui-Gingge bei.

Im März dieses Jahres kam die Erinnerung an diesen Abend wieder auf, als Lingg mit seinen jetzigen Club-Mitgliedern in einer lustigen Runde zusammensaß. Noch in derselben Nacht kamen sie zu dem Entschluss, die alte Sportart wieder aufleben zu lassen und gründeten an Ort und Stelle den 1. Allgäuer Schibui-Gingge Club, zusätzlich den World Schibui-Gingge Verband.

Im 1. Allgäuer Schibui-Gingge Club ist Rudi Dorner der unangefochtene Gingge-Champion. Die erste offene Schibui-Gingge-Weltmeisterschaft fand am Sonntag, 30. Juni 2013 im Rahmen des Oberstaufener Marktfestes statt. Die Sieger (männlich/weiblich) heißen Sabine Chevenard (Schweiz) und Sebastian Mattner (Landsberg). Sie bekamen jeweils einen bestickten Weltmeistergürtel, eine neue Lederhose/Dirndl sowie Überraschungs-Gutscheine.

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