Fasnatziestag
Oberstaufen feiert zum 376. Mal den Fasnatziestag

Unruhig nippt er immer wieder an seinem Glas Orangensaft. Seine Fahnenbrüder und die Föhla sitzen indes entspannt am heimischen Frühstückstisch. Fähnrich Christoph Grundl aber läuft hin und her. Dann bleibt er stehen, legt den Fahnengurt an und runzelt die Stirn. «Kommt er jetzt über oder unter die Jacke?» Schnell ist ein Bildband über den Fasnatziestag vom vergangenen Jahr zur Hand. «Unter die Jacke.» Es ist kurz vor acht am Morgen des 376. Fasnatziestags in Oberstaufen. Und bis Grundl seinen ersten großen Auftritt als Fähnrich hat, sollen noch zwei angespannte Stunden vergehen.

Der Fasnatziestag ist für die Staufener das höchste Fest. Und die Rituale stehen fest. Keinerlei Abweichung. Ab 8.30 Uhr sammeln sich die ledigen Burschen, Altfähnriche, die Altvizefähnriche und Altcharchierten. Draußen vor der Altstaufner Einkehr werden sie zunächst vom Butz (Armin Geisenhof) per Reisigbesen von der Pest befreit. Der Butz läuft hin, zurück, wieder hin, dann wird ihm zum Dank etwas Geld zugesteckt. Danach begrüßt sie der Fähnrich persönlich vor dem Eingang. Im Innern stecken ihnen die Föhla das gelbrote Fähnchen auf die linke Brust. Dann folgen die roten Nelken an derselben Stelle sowie auf dem Hut. Keinerlei Abweichung.

<< Herzlichen Glückwunsch zum Ehrentag! Auf dass alles gut wird. >> Die Wirtschaft füllt sich weiter und Christoph Grundl nimmt die besten Wünsche entgegen. Schließlich ist er der wichtigste Mann des Tages. Derjenige, der in wenigen Minuten auf dem Kirchplatz die Fahne schwingt - von den Staufner Burschen geehrt, von den Föhla bewundert und von den vielen Zuschauern bestaunt. Grundl bleibt angespannt. Denn auch wenn seine Texte sitzen und er nachts zuvor noch die Knöpfe seiner Staufner Tracht poliert hat, bleibt eine Unbekannte. << Wenn der Wind weht wird es richtig schwierig. >> Und Grundl sollte Recht behalten.

Pünktlich um 10 Uhr beginnt mit dem Umzug durch den Markt der wichtigste Akt. Dass anschließende Fahnenschwingen. Vor der Kulisse der Pfarrkirche erinnert Grundl an den Hintergrund zum Fasnatziestag: Weil 1635 in Staufen 700 Menschen an der Pest starben, schenkte Graf Hugo von Königsegg-Rothenfels den jungen Burschen eine Fahne - gebunden an den Befehl, sie froh durch den Ort zu tragen, um wieder Lebensfreude zu wecken.

Nun sollte das eintreten, wovor Grundl am meisten Angst hatte. Gerade in dem Moment, als er die Fahne schwingt, setzt der Wind ein. Und der drückt die über zehn Kilo schwere Fahne immer wieder entgegen Grundls Spur. Für einen Moment gerät ihm die Stange aus dem Halter und er kämpft mit verbissener Miene dagegen an. Auf dem Kirchplatz ist es still. Dann beendet Grundl den Fahnenschwung.

Erfolgreich. Und noch während seine Hände zittern, ernten seine Eltern in der Nähe stolz das Lob der Staufner: << Wunderbar hat ers gemacht. >>

Der Tod des Butz

Nun zieht man zum Frühschoppen und zur Française. Die Ma- und Wibertour folgen und am Ende steht der Tod des Butz an - nach stundenlangem Besenschwingen fällt er am Kirchplatz symbolisch um. Bis zum nächsten Jahr.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ