Tradition
Dirigent Martin Kerber deutet in Oberstaufner Kirche St. Peter und Paul Joseph Haydns Passionsoratorium

Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erklang auf Initiative des damaligen Pfarrers Gottfried Resl das Oratorium 'Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze' von Joseph Haydn in der Oberstaufner Pfarrkirche St. Peter und Paul. Rektor und Organist Helmut Hollweck gebührt das Verdienst, nach einer langen Pause 1986 diesen Karfreitagsbrauch wiederbelebt zu haben.

Organisationstalent, Mut und künstlerische Gestaltungskraft sind Voraussetzungen, um das schwierige Werk des Wiener Klassikers aufzuführen. Alle diese Voraussetzungen bewies der Dirigent Martin Kerber bei einer konturenreichen Präsentation des Oratoriums – fast ausschließlich mit Laien.

Dem Ernst des Passionsgeschehens entsprechend komponierte Haydn für die Ausdeutung der Worte Christi sieben Sonaten mit den den musikalischen Ausdruck einschränkenden Satzbezeichnungen Largo, Grave, Adagio und Lento.

Dennoch gelangen dem Chor und dem Orchester innerhalb des engen Rahmens mittels abwechslungsreich eingesetzter Dynamik fein abgestufte Darstellungen des dramatischen Geschehens. Darüber hinaus ließ Martin Kerber sogar immer wieder den Schmelz der Wiener Klassik aufleuchten.

Stimmungen des Abschiedsschmerzes, der Verzweiflung und Gottverlassenheit, aber auch der Hoffnung und aufscheinenden Ostererwartung fesselten die Konzertbesucher.

Ein Beispiel: Dramatisch erschütternd wirkt die erste Bitte des Erlösers: 'Vater, vergib ihnen'. Die Solosopranistin Brigitte Neve und dann das Soloquartett (mit Heike Glinka, Alt, Bernd Neve, Tenor, und Michael Dreher, Bass) behaupteten sich bravourös gegen den machtvollen Chor- und Instrumentalklang und verstärkten so den bestürzenden Eindruck.

Besänftigend und zart gestaltete das Quartett und der piano singende Chor, begleitet vom Pizzicato der Streicher, dagegen das 'Fürwahr ich sage dir'. Zart vermittelten die Solosänger eine Vorahnung des versprochenen Paradieses.

Zwei Höhepunkte erreichte das Oratorium im 'Es ist vollbracht' und im erstmalig aufgeführten abschließenden 'Il terremoto' (das Erdbeben), einem fulminanten Instrumentalsatz. Pfarrer Frank Wagner erschloss den Hörern mit seinen verbindenden Worten das musikalische Geschehen.

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