Die Karawane rollt

Die Karawane rollt: 40 Teams mit je drei Autos und sechs oder sieben Fahrern und Fahrerinnen machten sich im Fünf-Minuten-Takt am Freitag auf, um vom Start am Oberstaufner Kurhaus ins Jordanische Amman aufzubrechen. Tausende Schaulustige und einige TV-Sender wohnten dem Spektakel bei und waren allesamt überrascht, in welch wohlgeordneten Bahnen alles ablief.

Wilfried Gehr und Otto Lässer hatten während einer Oldtimermesse 2004 in Augsburg die 'Schnapsidee' geboren, die sich wenig später als 'bierernste Angelegenheit' herausstellte. Schnell war ein Organisationsteam von Autoverrückten gefunden, und zusammen mit jordanischen Freunden wurde die Rallye Allgäu-Orient 2006 von Oberstaufen nach Amman im Internet ausgeschrieben. Trotz der eigentümlichen Teilnahmebedingungen (wir berichteten mehrfach) nahm die Zahl der Interessierten stetig zu.

War ein Team nicht komplett, so suchte man sich via Internet noch geeignete Mitfahrer. Therese Balla aus Unterthingau und Lebensgefährte Hans Jörg Morhart aus Oberstaufen kamen so zu 'ihrem' Team 'Allgäu-Swiss-Power'. Ein Aufkleber an einem Geldautomat hatte sie auf das Unternehmen aufmerksam gemacht und im Internet suchten sie nach Teams, die noch nicht vollständig waren. Bei einem Treffen mit Teamchef Thomas Keck und seinen Mitstreitern Uli Haug, Ralf Kastner und Frank Schweinberger wurde man sich schnell einig und das Team war komplett. Therese Balla fühlt sich 'sauwohl' in ihrer Rolle als einzige Frau im Team: 'Ich habe alle Männer fest im Griff.'

Auch Heidi Haas vom siebenköpfigen 'Pauli-Racing-Team' aus Kempten und Umgebung weiß sich als einzige Frau mit sechs Männern durchzusetzen: 'Es gibt doch nichts schöneres als mit sechs Kerlen 'on the road' zu gehen. Da ist Ladypower angesagt und ich bin beleibe nicht auf den Mund gefallen. Außerdem haben mir die Jungs volles Stimmrecht bei Entscheidungen zugesagt!'Alle Teilnehmer begrüßten den guten Zweck der Reise, da die meisten Fahrzeuge in Amman versteigert werden und der Erlös einer karitativen Einrichtung zugeführt wird. Bis es soweit ist, müssen aber noch einige Abenteuer ausgestanden werden in Form eines 'Route-Books', welches die Teilnehmer erst eine halbe Stunde vor dem Start ausgehändigt bekamen. Darin enthalten sind die einzelnen und überraschenden Sonderprüfungen.

So muss aus jeder durchfahrenden Region ein nachkochbares Kochrezept mitgebracht werden, man muss sich mit einer kompletten Fußballmannschaft in der Türkei, Bulgarien, Syrien oder Jordanien in einem Stadion fotografieren lassen. Und etwas Heu aus dem Oberallgäu muss jeder dabei haben, natürlich unter Berücksichtigung der offiziellen Heuausfuhrbestimmungen mit Stempeln und Unterschriften. Denn der der erste Preis - ein Kamel - soll sich an Allgäuer Futter gewöhnen können. Das zweieinhalbjährige männliche Kamel (mit einem Höcker) wurde übrigens von Oberstaufen und Amman gemeinsam gekauft und bereits mit dem Namen 'Staufi' versehen.

Warum nimmt ein 'ganz normaler Autofahrer' bei einer solchen Rallye teil? Matthias Ammann, Chef des 'Pauli-Racing-Teams' erklärt es: 'Wenn man den karitativen Gesichtspunkt außer acht lässt, dann geht es mir ganz klar darum, die Nah-Ost-Kultur und die Menschen dort einmal kennen zu lernen. Außerdem möchte ich meine Teamfähigkeit testen. Und ein bisschen auch, um die langweiligen deutschen Strassen hinter mir zu lassen. In Bulgarien soll es ja halsbrecherische Landstrassen geben.''Fremde werden Freunde'Einige der Sonderprüfungen dürften den Teams noch Kopfzerbrechen bereiten, bevor die Mannschaften in Amman von einer jordanischen Prinzessin begrüßt werden. Trotz alledem steht der Spaß an erster Stelle, wovon man sich am Vorabend des Starts bei einer großen Abschiedsparty im Oberstaufner 'Apostel-Stadel' mit 'Bier, Weib und Gesang' überzeugen konnte.

Das gemeinsame Frühstück am Freitagmorgen im Kurhaus diente mehr der Verbrüderung der Teams aus ganz Deutschland (und Österreich) als der Nahrungsaufnahme. Rallye-Chef Wilfried Gehr war gerührt über soviel Harmonie: 'Aus einer Schnapsidee ist ein ganzes Unternehmen geworden. So großes Interesse hätte ich nie erwartet. Aus fremden Menschen werden Freunde - das ist die ganze Anstrengung im Vorfeld doch wert, oder? Und ohne meine Freunde hätte das gar nicht stattfinden können. Ich bin total happy!'Und weil es (zumindest bis zum Start) so gut geklappt hat, soll es im nächsten Jahr eine Neuauflage der 'Allgäu-Orient-Rallye' geben.

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