Ende
Das Kino in Oberstaufen verlässt das Pfarrheim

Die blauen Sitzflächen der Kinosessel sind hochgeklappt. Das Rattern des Projektors ist verstummt. Es knistert keine Chips-Tüte mehr, und auch der charakteristische Geruch nach frischem Popcorn ist längst verflogen: Bilder aus einem verlassenen Kino, die bald in Oberstaufen Wirklichkeit werden sollen. Am Freitag gehen noch einmal für einen letzten Überraschungsfilm die Lichter aus, danach wird das Staufen-Filmtheater im katholischen Pfarrzentrum seine Pforten schließen.

«Es ist die Entscheidung der Kinobetreiber selber, den Betrieb im Pfarrzentrum einzustellen», erklärt Oberstaufens Bürgermeister Walter Grath. Laut eigener Aussage blieb den Betreibern jedoch keine andere Wahl: «Es war anfangs eine gute Lösung, nach dem Brand vor zwei Jahren an den Kurpark zu ziehen», erzählt Daniela Höger, Inhaberin des «Staufen-Filmtheaters». Doch dieses Arrangement sei nur als «Notkino» gedacht gewesen. Inzwischen habe sich gezeigt, dass die Lage des Kinos alles andere als ideal sei. «Die Gäste finden uns einfach nicht. Oft fahren Kinobesucher zum Parkplatz von unserem alten Kino, und wenn sie dann endlich bei uns ankommen, hat der Film schon angefangen.»

Die Besucher sind weniger geworden. Viele Gäste seien der Ansicht gewesen, dass das Kino zur Kirche gehöre und sich deswegen die Filmauswahl entsprechend gestalte. «Wir sind dankbar, dass die Pfarrgemeinde und Pfarrer Dr. Netzer uns so lange das Untergeschoss zur Verfügung gestellt haben. Doch wir mussten auch oft erklären, dass wir ein normales Kino sind», sagt Höger.

Hilfe bei der Standortsuche

Als sich Daniela und Marcel Höger mit ihren Sorgen an den Bürgermeister wandten, stießen sie dort nach ihrer Darstellung auf taube Ohren: «Uns wurden die ausbleibenden Gäste damit erklärt, dass in Oberstaufen wohl kein Bedarf an einem Kino bestehe.» Laut Högers seien aber viele Oberstaufner und Kurgäste enttäuscht darüber, dass das kleine Kino mit seinen 39 Sitzplätzen nun schließen soll.

Eine Unterschriftenaktion für ein neues Lichtspieltheater hätte ebenfalls eine positive Resonanz gezeigt. Deswegen sind Daniela und Marcel Höger nun eifrig auf der Suche nach einem neuen Standort, denn sie wollen definitiv in Oberstaufen bleiben.

Es würde sich lohnen, weiterzumachen, meint Daniela Höger. Eine Kooperation seitens des Rathauses erhoffen sich die Betreiber immer noch. «Wir sind keinesfalls auf irgendwelche finanziellen Mittel anderer angewiesen», betont Marcel Höger, «wir wollen lediglich bald einen besseren Standort finden und wünschen uns, dass uns die Gemeinde bei der Suche ein wenig behilflich sein kann.» Konkrete Pläne für ein neues Kino gibt es derzeit nach Angaben der beiden Betreiber noch nicht. Doch hoffen sie, dass sie bald wieder irgendwo die Sitzflächen herunterklappen und den Projektor anwerfen können.

Letzte Vorstellung: Am Freitag, 15. April, wird um 20 Uhr ein Überraschungsfilm gezeigt. Der Eintritt ist frei.

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