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Aus für Kleinaktionäre: Franken-Brunnen kauft restliche Anteile der Anleger auf

Weil die Rechtsform einer Aktiengesellschaft für die Staufner Firma Allgäuer Alpenwasser zu unwirtschaftlich ist, will Hauptaktionär Franken-Brunnen die restlichen Anteile von 4,8 Prozent erwerben. Per Zwang. Später soll eine GmbH gegründet werden. Laut Franken-Brunnen-Geschäftsführer Dieter Grötsch soll das nur Vorteile mit sich bringen. Auch die Kleinanleger haben dafür Verständnis. Nur die Abfindung von einem Euro je Aktie ist manchen zu wenig. Emotional gesehen.

'Weil ich einen Oberallgäuer Betrieb unterstützen wollte.' Als 1998 die Allgäuer Alpenwasser AG erstmals an der Bayerischen Börse in München notiert wurde, investierte auch die Kleinanlegerin Rosa Fuchs aus Oberstdorf in die Staufner Firma. 20 D-Mark, rund zehn Euro, hat sie damals je Aktie gezahlt.

Jetzt soll sie noch einen Euro je Aktie erhalten. 'Squeeze-out' (englisch für 'hinausdrücken') nennt sich das Verfahren, das Franken-Brunnen eingeleitet hat. Für Fuchs deutlich zu wenig. Sie hat deshalb einen Gegenantrag gestellt. Deshalb kommt es nächste Woche zu einer außerordentlichen Hauptversammlung.

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um einen Ausschluss von Minderheitsaktionären. Wenn der Hauptaktionär mindestens 95 Prozent der Aktien besitzt, kann er so die restlichen fünf Prozent (rund 123.000 Aktien) übernehmen.

Franken-Brunnen hält inzwischen 95,2 Prozent der Aktien und verspricht sich viel vom Ausschluss der Kleinaktionäre und letztendlich der Umwandlung in eine GmbH.

'Mit 19 Mitarbeitern und einem Umsatz unter drei Millionen Euro ist die Rechtsform einer Aktiengesellschaft denkbar ungünstig', erklärt Grötsch. Denn allein dadurch, sich aus dem engen Vorschriften-Korsett einer AG zu befreien, würde man bares Geld sparen.

Auch die Zusammenarbeit mit Franken-Brunnen, selbst eine GmbH & Co. KG, sei dann wesentlich leichter. Grötsch hat indes Verständnis für den Unmut der Kleinanleger.

'Ich kann das sehr gut verstehen', sagt Grötsch. Schließlich hätten die Anleger zwar investiert, jedoch seit der Ausgabe der Aktien nie eine Dividende, also eine Gewinnbeteiligung, erhalten.

Grötsch sieht Franken-Brunnen da in der gleichen Situation. Seit 2004 – Franken-Brunnen wollte im süddeutschen Raum weiter Märkte erschließen – habe man immer wieder investiert. Ohne aber dabei Gewinn zu machen.

Dass man nun einen Euro je Aktie als Abfindung zahlen will, sei laut Grötsch im Vergleich zum ehemaligen Ausgabepreis sicherlich sehr wenig – eigenen Angaben zufolge jedoch rund 20 Prozent über dem aktuellen Wert. Der würde regulär bei 80 Cent je Aktie liegen.

Diese besondere Berechnung, sie ist laut Grötsch für ein 'Squeeze-out' notwendig, sei jedoch 'losgelöst vom Hier und Jetzt'. Der Aktienwert an der Börse rangierte in den vergangenen Monaten zwischen 1,75 und 3,51 Euro.

Für Rosa Fuchs aus Oberstdorf ist das alles nachvollziehbar und auch legitim. Nur bleibt für sie die Sache mit der Alpenwasser AG 'etwas Unschönes'. Emotional gesehen.

Hauptversammlung: Die außerordentliche Hauptversammlung der Allgäuer Alpwasser AG findet am Mittwoch, 16. November, um 14 Uhr im Thaler Festsaal statt.

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