Tradition
Alphörner von Josef Wagner begrüßen Schumpen im Tal

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'Als Schüler haben wir ja schon auf'm Gartenschlauch gespielt. Das waren unsere Alphörner, mit einem Trichter vorne dran', sagt Alphornbauer Josef Wagner aus Oberstaufen. Der 76-jährige Landwirt baut seit über 50 Jahren Alphörner. Zum Alphornbau ist er aber eher durch Zufall gekommen.

Alphörner kannte man bis 1958 nur aus der Schweiz. In unserer Region gab es bis dato noch gar keine. Damals wollte der „Heimatbund Allgäu“ das Blasinstrument im Allgäu einführen, erinnert sich Josef Wagner. Doch gekaufte Alphörner waren für ihn zu langweilig und hatten nichts Eigenes. Darum hat er mit 22 Jahren angefangen, selber welche zu bauen. Das ist kein Hexenwerk, so etwas zu machen. Das ist kein Problem. Damit war er vermutlich einer der ersten im Allgäu.

Übung im Instrumentenbau hatte er damals schon. In seiner Jugend baute er sich eine Gitarre und andere kleine Instrumente. Auch eine Orgel hat er schon aus Holz gefertigt. Doch wie baut man ein Alphorn? In der Anfangszeit hat Josef Wagner krumm gewachsene Fichten benutzt. Diese hat er ausgeschnitten und ausgeschnitzt. Doch diese haben sich gerne mal verzogen und waren schwer zu bearbeiten. Heute benutzt Wagner zwei Fichtenhölzer, die er zu einem großen Block zusammenklebt. Diese bringt er in die typische Trichterform, trennt sie anschließend wieder und schnitzt sie aus.

Beim Aushöhlen muss Josef Wagner besonders genau arbeiten. Ein Alphorn sollte eine Wandstärke von 6,5 bis 7 Millimeter haben. Wenn die Wände zu dünn werden, flattere der Ton und die Harmonie gehe verloren, erzählt Wagner. Das lange Mittelstück des Horns wird auf die gleiche Weise gemacht, wie der Trichter. Die zwei Rohrhälften werden nach dem Ausschnitzen zu einem Stück verleimt. Das fertige Alphorn wird zum Spielen aus zwei Hälften zusammengesteckt. Ein Horn am Stück könnte man auch gar nicht transportieren.

Kein Ton ohne Mundstück

Die Mundstücke von einem Alphorn macht Josef Wagner an der Drechselmaschine. Dazu wird der Holzrohling in die Maschine gespannt. Dabei muss er sehr genau arbeiten, damit das Loch später nicht schief sitzt. Welche Form das Mundstück haben muss, hat der Alphornbauer über die Jahrzehnte herausgefunden. Alles eine Sache der Übung, so der 76-Jährige.

Aber auch wenn Josef Wagner jahrzehnte lange Erfahrung hat, dauert es rund 50 Stunden bis ein Alphorn fertig ist. Besonders im Winter, wenn auf seinem Bauernhof die Arbeit weniger wird, hat er Zeit für sein "Hobby". Für ein Alphorn muss man etwa 1.200 - 2.000 Euro bezahlen. "In der Schweiz kostet es ein bisschen mehr, aber da ist ja alles teuerer", sagt der 76-Jährige.

Die Tonart eines Alphorns entscheidet sich über die Länge. Je länger es ist, desto tiefer ist der Grundton. Die längsten Hörner von Josef Wagner waren rund acht Meter lang. Das längste Alphorn der Welt ist 47 Meter lang. Auf den hier gebräuchlichen F-Hörner kann man bis zu vier Oktaven spielen. Aber halt nur die Naturtonreihe. Halbtöne sind da nicht drauf, so Josef Wagner.

Ein Alphorn kann man bei richtigem Wind bis zu zehn Kilometer weit hören. Deswegen war es für die Hirten in der früheren Zeit auch ein Kommunikationsmittel. Heute wird es fast ausschließlich als traditionelles Musikinstrument gespielt.

Damit die Tradition vom Alphornbauen nicht verloren geht, hat Josef Wagner sein Wissen an seinen Sohn Martin weitergegeben. Ist gut so, dass es nicht ausstirbt, sagt der 76-Jährige.

Autor:

Simon Ruisinger aus Kempten

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