Eklat
Provokationen, Fackeln und Pöbeleien: Demonstration gegen Asylpolitik in Obergünzburg

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In Obergünzburg versammelten sich am Samstag rund 150 Asyl-Gegner und Mitglieder der rechten Szene. 50 Gegendemonstranten standen ihnen gegenüber. Polizisten trennten die beiden Lager. So blieb es bei Wortgefechten - und vereinzelt einem Hitlergruß.

Rund 150 Asyl-Gegner und Mitglieder der rechten Szene sind am Samstagabend in Obergünzburg (Ostallgäu) unangemeldet zu einer Kundgebung aufmarschiert. Gleichzeitig protestierten etwa 50 Asyl-Befürworter gegen die Demonstranten, die teils Fackeln sowie Fahnen trugen und Parolen skandierten. Zwischen den beiden Gruppen kam es auf dem Obergünzburger Marktplatz zu Provokationen, Wortgefechten und Beleidigungen. Die Polizei trennte die beiden Lager voneinander. Weil die Versammlung nicht angemeldet war, ermittelt die Polizei wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz.

Bereits seit Anfang Februar war in sozialen Netzwerken - beispielsweise in den offenbar NPD-nahen 'STOPP'-Gruppen - der Aufruf zu einer sogenannten ALLGIDA-Versammlung (Allgäuer gegen Islamisierung des Abendlandes) in Obergünzburg verbreitet worden. In der Ostallgäuer Marktgemeinde wusste man davon, offiziell wurde allerdings keine Versammlung angemeldet. Die Initiatoren hatten angekündigt, sich 'still und friedlich' versammeln zu wollen, um unter anderem gegen die Politik der Bundesregierung zu demonstrieren.

Manche sind vermummt

Gegen 18.30 Uhr auf dem Marktplatz. Bürgermeister Lars Leveringhaus beobachtet, wie einzelne Grüppchen auf dem Marktplatz zusammenkommen. Schnell wächst die Menge an. Um 19 Uhr sind es etwa 100 Demonstranten - überwiegend Männer, viele in Kapuzenpullis und Lederjacken, teils tragen sie Militärhosen, einige wenige sind vermummt. Fackeln werden entzündet, Deutschlandfahnen in die Höhe gereckt. Ihnen gegenüber, in etwa zehn Meter Entfernung, hat sich eine Gruppe von Gegendemonstranten aufgestellt - auch sie haben über soziale Netzwerke von der Versammlung erfahren. Die meisten von ihnen kommen aus Obergünzburg und der näheren Umgebung. Sie sind teils in Asyl-Helferkreisen engagiert und halten Banner in Händen: 'Gegen Nazis und ihre Umtriebe.' Zwischen den Lagern zwei Polizisten.

Die Demonstranten werden mehr, die Polizei hat Verstärkung angefordert. Die Unterstützung kommt: Polizisten der Polizei-Inspektion Kaufbeuren, des Einsatzzuges und Diensthundeführer aus Kempten sowie Streifenbesatzungen weiterer Dienststellen. Insgesamt sind am Abend nach Angaben der Polizei 60 Beamte im Einsatz. Später werden die Verantwortlichen einräumen, von dem Aufmarsch überrascht worden zu sein. Weil sich die Hinweise 'nicht verdichteten' war man davon ausgegangen, dass die Versammlung nicht stattfinde, wie es von der Polizei noch Ende vergangener Woche hieß.

Polizei fährt Streife

Etwa eine Viertelstunde stehen sich die Gruppen gegenüber. Dann skandieren die Asylgegner unter anderem Parolen wie 'Wir sind das Volk', 'Merkel muss weg', 'Es gibt kein Recht auf Volksverrat' und 'AfD'. Hier und da wird ein Arm zum Hitlergruß gereckt. Die Gegenseite antwortet mit 'Nazis raus'. Bürgermeister Lars Leveringhaus stellt sich den nun rund 150 Demonstranten entgegen. Er wird aggressiv angegangen und beleidigt. Sein Gesprächsangebot wird gekontert mit 'Wir wollen nicht mit Dir reden!'. Etwa ein Dutzend Polizisten trennt jetzt die Gruppen. Es bleibt daher bei Sprechchören, Provokationen, Wortgefechten und Beleidigungen. Um kurz nach 20 Uhr verlassen die Asylgegner den Marktplatz. Wohin, ist nicht ganz klar. Die Polizei lässt Streife fahren und schickt auch einen Wagen zur Asylunterkunft in Obergünzburg.

Gegen 20.45 Uhr ist der Marktplatz wieder menschenleer. Bürgermeister Lars Leveringhaus ist anzumerken, wie emotional aufgewühlt er noch ist. Er sei vor allem 'unheimlich enttäuscht' darüber, dass für solch eine Versammlung ausgerechnet seine Gemeinde ausgewählt wurde. 'Wo sich gerade hier so viele Menschen Mühe geben mit der Unterbringung und bei der Integration von Flüchtlingen', sagt Leveringhaus. Als eine der ersten Gemeinden im Ostallgäu begann Obergünzburg etwa mit dem Bau einer gemeindeeigenen Flüchtlingsunterkunft mit Platz für 74 Asylbewerber. 'Warum Obergünzburg? Das frage ich mich die ganze Zeit und und kann es doch nicht erklären.'

Wenige Minuten nach Ende der rechtsgerichteten Demonstration zieht Leveringhaus eine Konsequenz: Er will das gesellschaftliche Engagement für Flüchtlinge in der Gemeinde verstärken. 'Jetzt erst recht!', sagt der Bürgermeister.

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