Video-Reportage
Zwischen Totenmaske und Bambus-Hütte: Zu Besuch in der Südsee-Sammlung in Obergünzburg

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Seit 1913 existiert in Obergünzburg ein Schatz. Hunderte Kunstwerke, Werkzeuge und Waffen von den pazifischen Inseln (Ozeanien) lagern in der Ostallgäuer Gemeinde. Wie kommen originale Totenkopfmasken und wertvolle Schmuckstücke vom anderen Ende der Welt ausgerechnet nach Obergünzburg? Eine Spurensuche.

Die Geschichte der Südsee-Sammlung beginnt im Jahr 1874 mit der Geburt von Karl Nauer in Obergünzburg, einem aufgewecken Jungen, der eigentlich hätte Priester werden sollen. Doch klein Karl hatte schon während der Schulzeit andere Pläne. "Er wollte die Welt entdecken und war begeistert von der See", erzählt der Museumsleiter der Südsee-Sammlung <font class=n>Ulrich Habich</font>.

Mit 16 Jahren, nach Schulabschluss und Wehrdienst, heuerte er auf einem dänischen Dampfer als Schiffsjunge an und erhielt 1906 mit 32 Jahren sein erstes Kommando. Sein Auftrag als Kapitän der "Sumatra": Fährdienst an den Salomon-Inseln und Deutsch-Neuguinea. Und anders als viele Weiße in der Kolonialzeit suchte Nauer auch Kontakt zu den Eingeborenen. Er freundete sich mit den Inselbewohnern an - handelte mit ihnen. Nauer brachte Glas, Metall und Spiegel aus Europa mit und bekam dafür Waffen aus Haifischzähnen, Schmuck aus Muscheln und Ahnenfiguren. Über die Jahre wuchs so seine Privatsammlung auf über 1.500 Stücke an.

Der beginnende erste Weltkrieg beendete Nauers Aufenthalt in der Südsee aber abrupt. Australien beschlagnahmte die "Sumatra" und Nauer musste bei der deutschen Kriegsmarine antreten. Zuvor aber, im Jahr 1913, übergab der Kapitän seine Sammlung der Stadt Obergünzburg. Und diese "in ihrer Zusammensetzung einzigartige" Sammlung - eine Sammlung mit bundesweit einzigartigen Exponaten - wurde erst einmal auf einem Dachboden ausgestellt.

Vom Dach in den Stadel ins Museum

Vom Dach der Obergünzburger Mädchenschule ging es für die Südsee-Sammlung in den Pfarrstadel. Als dieser 1990 saniert werden musste, war sie gar nicht mehr zu sehen - sie wurde an geheimen Orten in Obergünzburg gelagert. Erst knapp 90 Jahre nach Karl Nauers Spende entschied sich der Obergünzburger Gemeinderat 2002 für den Bau eines Museums: Seit 2009 hat die faszinierende Südsee-Sammlung direkt neben dem Heimatmuseum eine Bleibe gefunden. Seitdem kommen rund 3.000 Besucher jährlich in die Ausstellungen. Auch "Kinder und Schulklassen sind begeistert", sagt Museumsleiter Ulrich Habich stolz.

Und Karl Nauer, der Sammler und Stifter der Südsee-Sammlung? Nach dem ersten Weltkrieg arbeitete er wieder als Kapitän, zog später nach Südamerika, heiratete und kam durch die Landwirtschaft zu Geld. Die Eröffnung des Museums erlebte er aber nicht mehr. Karl Nauer starb 1962 mit 86 Jahren in Argentinien.

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