Schöffengericht
Suchtkranker Drogentäter zur Langzeittherapie in Entziehungsanstalt in Obergünzburg

Sichtlich gezeichnet von langjähriger Abhängigkeit von Drogen, Medikamenten und Alkohol hat sich ein 36-jähriger Ostallgäuer vor dem Kaufbeurer Schöffengericht den Anklagevorwürfen und seiner schwierigen Lebensgeschichte gestellt. Er gab ohne Wenn und Aber zu, dass er im Frühjahr 2010 im Raum Obergünzburg einem anderen Süchtigen zweimal größere Mengen Aufputschmittel verkauft hatte.

Insgesamt handelte es sich um rund 300 Gramm Amphetamin-Gemisch sowie um 19 Gramm Marihuana. Zudem hatte die Polizei im Juli 2010 bei einer Hausdurchsuchung jeweils drei Gramm Haschisch und Marihuana sowie fünf Gramm Aufputschmittel gefunden.

Aus dem psychiatrischen Gutachten ging hervor, dass der aus hochproblematischen Familienverhältnissen stammende Angeklagte - die Eltern waren beide alkoholkrank - seit früher Jugend mit Rauschgift und Alkohol zu tun hatte. Anfangs konsumierte er << weiche >> Drogen wie Cannabis und Haschisch, später auch Kokain, Heroin, LSD und Ecstasy sowie Beruhigungsmittel und berauschende Pilze und Pflanzen. << Es gibt eigentlich nichts, was er nicht probiert hat >>, meinte der Sachverständige.

Vor etwa zehn Jahren begann der Angeklagte nach einer Opiat-Entgiftung verstärkt zu trinken - eine Suchtverlagerung, die er auch selbst vor Gericht schilderte. Als Folge seiner langjährigen Abhängigkeit leidet er an einer Hepatitis C und einer Leberzirrhose. Dass der Ostallgäuer unter dem Einfluss von Rauschgift und Alkohol auch zu Straftaten tendiert, ging aus Gutachten und Strafliste hervor.

Zuletzt wurde er im Frühjahr 2007 wegen einer Trunkenheitsfahrt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Gutachter ging davon aus, dass wohl weitere Straftaten zu erwarten seien, << wenn hier keine Intervention erfolgt >>. Er attestierte dem Angeklagten einen Hang zum übermäßigen Konsum berauschender Substanzen und hielt deshalb die Voraussetzung für eine befristete Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für gegeben.

Tat unter Bewährung begangen

Weil der Angeklagte eine seiner Taten unter offener Bewährung begangen hatte, war auch dem Verteidiger klar, dass sein Mandant keine Bewährung mehr bekommen würde. Er wurde schließlich wegen Handels und Besitzes von Betäubungsmitteln zu eineinhalb Jahren Haft und zur Unterbringung in einer Entziehungsanstalt verurteilt.

Wenn er dort eine Langzeittherapie erfolgreich durchsteht, muss er die Strafe nicht verbüßen. Wie die Richterin im Urteil betonte, sei die Therapie mit Sicherheit << kein Zuckerschlecken, sondern harte Arbeit >>. Der Angeklagte selbst sieht darin, laut den Worten seines Verteidigers, << die letzte große Chance, dem Tod noch von der Schippe zu springen. >>

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