Konzert
Mindel Harmonists überzeugen in Obergünzburg

Fünf gut gekleidete Herren mittleren Alters betreten die Konzertfläche, haken sich unter und man ahnt sofort, was gleich zu hören sein wird: 'Ein Freund, ein guter Freund' der unvergessenen 'Comedian Harmonists', jener legendären Gesangsformation, deren Werk bis heute begeistert und die 1935 der nationalsozialistischen Rassenideologie zum Opfer fiel, da ihre jüdische Hälfte auswandern musste.

Gentlemen 'alter Schule'

Auf Einladung der Obergünzburger Kulturinitiative 'Oikos' ließ nun das Unterallgäuer Revival-Ensemble 'Mindel Harmonists' im Rathaussaal die späten 20er und frühen 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wieder aufleben.

Die drei Tenöre Gerhard Laxgang, Georg Steber und Thomas Loos, der Bariton Heinz Kößler, der Bass Günther Karlstetter und die Pianistin Gabriele Laxgang sind im 'wahren Leben' als Ärzte, Musiklehrer sowie in den Bereichen Physik und IT unterwegs.

Mit auf Perfektion getrimmter klanglicher Ausgewogenheit, großer Spielfreude an der quasi halbszenischen Ausgestaltung vieler Songs und einer Portion Selbstironie sorgten sie für gute Laune.

Das Repertoire der Mindel Harmonists umfasst neben den Evergreens des Vorbilds auch Passendes aus dem stilistischen Umfeld. Dabei stellt es einen augenzwinkernden Großangriff auf das weibliche Hormonsystem dar.

So merkte Gabi Laxgang in einer der gut durchdachten Moderationen schmunzelnd an, dass sich im Publikum mal wieder mehr weibliche als männliche Zuhörer befanden.

Diese Mehrheit konnte sich im charakteristischen Sound dieser singenden Gentlemen 'alter Schule' charmant umgarnt fühlen bei Titeln wie 'Liebling, mein Herz lässt dich grüßen', 'Bel ami' oder 'Lass mich dein Badewasser schlürfen'.

Musikalisch überzeugte das Quintett mit einer umwerfend nuancenreichen Sorgfalt. Die Sänger kosteten ihre individuellen Timbre-Eigenheiten raffiniert aus.

Vom ersten bis zum letzten Ton zeigten sie beachtliche stimmliche Power und Präsenz, kleine 'Hänger' musste man mit der Lupe suchen. Auch bei den pointierten Akzenten, der Agogik und der Wandlungsfähigkeit der Stimmfarben hatte man aufs Beste beim Original abgekupfert.

Vor allem aber liegt den fünf Herren neben dem Gesang das Imitieren von Instrumenten: Hinreißende Kabinettstückchen waren somit 'In der Bar zum Krokodil' als altägyptischer Moritatengesang, die 'dunklen Gestalten' im 'Kriminal Tango', die Puszta-Love-Story, die man aus Brahms’ Ungarischem Tanz Nr. 5 gemacht hatte, aber auch die 'Liebe der Matrosen' oder das bekannte Menuett von Boccherini für 'Zupf-Quartett (alternativ Saxophon-Quartett) plus Tenore catastrophale' bzw. Duke Ellingtons 'Creole Love Call' als Zugabe.

Flora und Fauna besungen

Gackern vernahm man im 'Ich wollt, ich wär ein Huhn'. Interessant auch die bei 'Vox Orange' entliehenen Aspekte eines des Spuckens unkundigen Lamas – auch der 'Kleine grüne Kaktus' durfte nicht fehlen.

Am stärksten waren aber die leisen, melancholischen Nummern, in denen man sich aller 'Mätzchen' enthielt, ganz auf Dichte, Intensität und Klang setzte und die Musik pur wirken ließ. Dazu gehörten Offenbachs 'Barcarole', 'In einem kühlen Grunde', aber auch die sehr prickelnd servierte 'Kleine Frühlingsweise' nach Dvorak.

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