Petition
Gülleausbringung: Günzacher Landwirte übergeben Unterschriften an Minister Aiwanger

Übergabe der Unterschriften an Minister Aiwanger
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Rudolf Rauscher machte als Sprecher der Landwirte klar, dass es mit dem Tierschutz nicht vereinbar sei, den Tieren mit dem Futter fünf Prozent Gülle zum Fressen anzubieten: Güllewürste, die Lachgas produzieren, die das Gras verätzen, mit diesem hochwachsen und bei der Ernte mit eingefahren werden. Außerdem werde mit der immens schweren Technik der Boden verdichtet und – weil mit dem überbetrieblich eingesetzten Schleppschuh bei jedem Wetter gefahren werden müsse – erfolge die Ammoniakausgasung viel länger.

Der Günzacher Bauer machte klar, dass dies eine Folge der "bodennahen Ausbringtechnik" sei, die im Grünland nur Nachteile für Natur, Umwelt und das Tierwohl bringe: Der Schleppschuh funktioniere im Grünland ohne Regen nämlich nicht. Und bei der überbetrieblich eingesetzten, immens teuren und schweren Technik, sei Regen nicht immer in dem Maße gewährleistet, als wenn jeder Bauer mit seinem eigenen Fass dann Gülle fährt, wenn "Güllewetter" herrscht.

Im Rahmen der Düngeverordnung seien laut §6/3 Ausnahmen von der "bodennahen Ausbringung" zulässig, wenn nachgewiesen wird, dass "Breitverteilung" keine größeren Ammoniakausgasungen verursacht, als "bodennah" ausgebrachte Gülle.
Um diesen Nachweis zu erbringen, fordern die Bauern entsprechende "praxistaugliche Versuche" am Spitalhof, bei dem "Breitverteilung" und "Streifenförmig" realistisch untersucht wird. Um den Rohaschegehalt zu messen, brauchte man nicht die Waschtrommel zu bemühen: Man müsse nur das Futter der Kuh zum Fressen vorlegen, forderte Rauscher.

BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle stieß ins gleiche Horn: "Wir haben die gleichen Ziele" Der BBV habe zur DüV rund 26.000 Unterschriften gesammelt – "wir ziehen alle an einem Strang". Bayern sollte die Ausnahmemöglichkeiten nutzen, aber man müsse es begründen. Über die Futterverschmutzung bei "bodennah" sei man sich absolut einig. Deshalb stehe man zu der Forderung, dass am Spitalhof diesbezügliche Gülleversuche "wieder" erfolgen müssen.

Bereits zu Schröppels Zeiten habe sich klar ergeben: Wenn der Landwirt zum richtigen Zeitpunkt einigermaßen dünne Gülle ausbringt, ist die Breitverteilung nicht schlechter als der Schleppschlauch/-schuh! Ausnahmen brauche man, damit die Landwirte den "optimalen Zeitpunkt" der Gülleausbringung im Sinne der Natur, der Tiere und der Wirtschaftlichkeit einhalten kann.

Der Milchwirtschaftliche Verein als Träger vom Spitalhof sei absolut bereit, für solche Versuche genügend Flächen zur Verfügung zu stellen. "Es muss nur die LfL auch wollen". Sehr zu empfehlen sei, dass ein "Praktiker-Beirat" diese Versuche begleitet.
Die neuen Technikvorgaben hätten mit der Nitratproblematik allerdings relativ wenig zu tun: Wie bei der NEG-Richtlinie gefordert, müsse Deutschland 29 Prozent Reduzierung der Ammoniak-Emissionen vorgenommen werden: Deutschland habe hier für die Landwirtschaft keinen Finger krumm gemacht. Enderle forderte Aiwanger dazu auf, "genau hinschauen, was für Leute sich in der Bundesregierung herumtummeln". Von solchen Leuten könne man nicht erwarten, dass sie die berechtigen Interessen der Landwirte in Brüssel "auch nur ansatzweise realistisch" vertreten.

Auch Landtagsabgeordneter Bernhard Pohl will "die blödsinnige Technik wegbringen" und sich massiv gegen die bodennahe Gülleausbringung einsetzten: "Wir werden für den Erfolg der Petition kämpfen – packen wir das gemeinsam an! "
Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sagte vor dem mit Bauern vollbesetzten Zelt: "Wir wollen unsere Bauern erhalten – deshalb brauchen wir eine andere Politik. Praxiswissen und gesunder Menschenverstand müssen mehr gelten, als manipulierte Gutachten".

Dünnflüssige und breit verteilte Gülle könne schneller in den Boden einsickern, werde von den Pflanzen besser aufgenommen und könne weniger in die Luft gehen als "Würste, die wochenlange in der Hitze rumliegen und ausgasen, die Pflanzen erdrücken, verätzen und schließlich im Viehfutter landen". Für dieses Wissen brauche man nicht studiert haben, es bedürfe keines Gutachtens - jedes fünfjährige Bauernkind wisse das.

Je geringer der Bevölkerungsanteil der Bauern sei, desto größer werde der politische Unsinn, weil die Bauern so unter die Räder kommen, klagte Aiwanger: "Es ist eine Schweinerei, wie mit der deutschen Landwirtschaft umgegangen wird: Überschuldet über beide Ohren sollten sich zu Tode arbeiten und kennen nur noch öffentliche Anprangerung, während die anderen auf der Terrasse liegen".
"Walzen nur bis zum 15. März" sei von Leuten zu Papier gebracht worden, die von der Praxis nichts verstehen: Es gebe Gebiete, da liege zu diesem Zeitpunkt noch der Schnee!

Aiwanger: "Man möchte es nicht glauben, dass man ein Volk so für dumm verkaufen kann". Wir müssen uns zu allen Themen zu Wort melden, sagte der Stellvertretende Ministerpräsident: Es seien meist doch nur ein paar Tage, wo bestimmte Arbeiten auf dem Grünland erledigt werden können. Ab dem Zeitpunkt, wo man dem Bauen verbieten wolle, zu walzen (weil er sonst Bodenbrüter gefährden würde), müsse den Spaziergängern verboten werden, in den Wiesen rumzulaufen und ihre Hunde dort "reinscheißen zu lassen".

Derzeit seien knapp fünf Prozent der bayerischen Grünlandfläche mit späterem Schnittzeitpunkt belegt. Wenn die Gesellschaft eine Verdoppelung wolle, dann müsse der Ertragsausfall über Förderprogramme mit Steuergeldern (200 Millionen Euro) hinterlegt werden. Ob man das als Gesellschaft leisten könne: Zu Zeiten wo mehr Geld für Lehrer gebraucht wird, für Kindergärten, Digitalisierung und zunehmende Probleme in Automobilindustrie? Zunehmende Auflagen müssten zwingend entschädigt werden: "Wir sind nicht bereit, unsere Höfe verheizen zu lassen für die Ideologie von ein paar kritischen Spinnern“. Es sei unterirdisch und unanständig, wenn für die enormen Leistungen der Bauern keine anständigen Preise gezahlt werden, betonte der Referent.

Fairer Handel mit der Dritten Welt müsse zu Hause im Allgäu beginnen: "Anständige Preise für unsere Milch und unser Fleisch“. Bezüglich des Volksbegehrens sei vieles „nicht zu Ende gedacht" gewesen: In Bad Feilenbach seien beispielsweise die ersten Obstbäume deswegen gefällt worden, damit nicht das Eigentum entwertet werden würde. "Schützen durch Nützen" sei der beste Schutz. Das müsse gelten für Obstwiesen, genauso wie für den Wald. "Wenn am Ende die Dummheit regiert, dann wird´s schwierig" klagte Aiwanger.

Autor:

Franz Kustermann aus Kempten

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