Aktion
EU-Abgeordnete Lochbihler zu Gast in Obergünzburg

Europa? 'Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit. Wir kennen es nicht anders, deshalb ist es auch nichts Besonderes', sagt Franziska Thaller (16) vom Obergünzburger Jugendforum. Bürgermeister Lars Leveringhaus sieht in Europa 'das friedenssichernde Instrument, das wir haben'. Christa Weinbrenner meint: 'Wo wir jetzt sind, das haben wir eigentlich den europäischen Verträgen und Zusammenschlüssen zu danken.'

Und Barbara Lochbihler, aus Ronsberg stammende Abgeordnete der Grünen im Europäischen Parlament, sagt: 'Europa war für viele von uns ein Wohlstandsversprechen. Für die Älteren hat es sich eingelöst.' Sie ist überzeugt, 'dass es uns auch in Zukunft besser gehen wird, wenn wir Europa stärken. Wir brauchen ein Mehr an Europa.'

Bei einem Projekttag in Obergünzburg waren zahlreiche – vorwiegend positive – Stimmen zum Thema Europa zu hören. Jung und Alt im Dialog zusammenzubringen, hatte eine Aktionsgruppe mit Mitgliedern des Jugendforums und Akku-Treffs, der Marktgemeinde, der Partnerschaftsvereine Visegrad und Trest sowie der Realschule sich vorgenommen.

Koordinator Wilhelm Weinbrenner nannte den Tag ein 'Generationen und Parteien übergreifendes Ereignis' und zeigte sich glücklich über das gute Gelingen einer gemeinsam durchgeführten Europa-Aktion.

Ausbildung, Wirtschaft, Beruf: EU wirkt in vielen Bereichen

Der Auftakt stand ganz im Zeichen der Jugend. In der Aula der Obergünzburger Realschule stellten Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen ihrem Gast Barbara Lochbihler zahlreiche Fragen. Neben der Europapolitikerin nahmen auf dem Podium Alina Klasing (Klasse 10 d), Tobias Schuster (10 e), Lisa Langer (10 b), Simon Kiechle (10 a), Timo Mayr (10 c) und als Moderator Sozialkundelehrer Stefan Wagner Platz. Auch die Öffentlichkeit begrüßte Schulleiter Hermann Wiedemann zu dem Gespräch.

Mit einem kurzen Abriss ihres Werdegangs stellte sich Lochbihler vor: Von der aus einer Arbeiterfamilie stammenden Realschülerin, über die Ausbildung als Finanzbeamtin, Abitur, Studium von Sozialpädagogik, dann politischen Wissenschaften, Stationen in München und Genf, zehn Jahre Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, 2009 Wahl ins Europäische Parlament. Dort ist sie seit kurzem auch Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses.

'Warum sollen wir uns überhaupt für Europa einsetzen?', lautete die erste, grundsätzliche Schülerfrage an sie. 'Weil ihr Europäer seid!' Die EU greife in viele ihrer Lebensbereiche ein, etwa bei Ausbildungsregeln oder im Wirtschafts- und Berufsleben, auch aufgrund von Einflüssen von Wirtschaftsverbänden und Lobbyisten, so Lochbihler.

Detailliert beantwortete sie Fragen zu Atomkraft ('Sie ist überflüssig, wir haben genügend erneuerbare Energien, wenn wir die fördern.'), zu einem EU-Beitritt der Türkei ('ergebnisoffen diskutieren'), zur Entwicklung in Griechenland ('Wir müssen neben dem Sparen in Arbeit investieren.') und zur Finanzpolitik. Die Abgeordnete warb dafür, sich zu informieren, weniger pauschal zu diskutieren.

'Was wird mit Europa?' wurde sie schließlich gefragt. Die Antwort kam rasch: 'Das liegt wahrscheinlich an euch, was ihr daraus macht!'

'Hoigate' im 'Akku-Treff' bei Schafkopf und Rummy

Zum entspannten Europatags-'Hoigate' wurde Lochbihler dann im 'Akku-Treff', der Obergünzburger Generationen-Begegnungsstätte, durch Leiter Arnold Leveringhaus willkommen geheißen. Ein typischer 'Spielenachmittag' mit Schafkopf und Rummy war hier im Gange – und die älteren Herrschaften freuten sich über den Besuch einer gebürtigen Günztalerin. Nicht anders im Jugendtreff 'Alte Woag', wo Jugendbeauftragter Herbert Heisler Lochbihler durch das Haus führte.

Im Gespräch mit Mitgliedern des Jugendforums zeigte sich die Europaabgeordnete locker, humorvoll und mit viel Interesse an den Lebensbedingungen der jungen Allgäuer.

Finanzielle Unterstützung für Partnerschaften

Ein von Peter Hübner im Rathaus-Sitzungssaal kenntnisreich moderiertes öffentliches Gespräch mit Barbara Lochbihler über Europa bildete den Projekttages-Abschluss. Beteiligt waren, neben Teilnehmern des Auditoriums, Franziska Thaller und Christoph Ratzke vom Jugendforum sowie Helmut Haggenmiller und Herbert Schmid für den Visegrader Partnerschaftsverein.

Lochbihler beantwortete eine Reihe pragmatischer Fragen, etwa zur finanziellen EU-Unterstützung für Partnerschaften, die gerade mit Osteuropa sehr wichtig seien, und plädierte für Austauschprogramme im Rahmen von Ausbildung oder Berufstätigkeit.

Zwar waren EU-Bürokratie und umstrittene Regelungen bei den Wortmeldungen ebenfalls Thema, doch Lochbihler zeigte sich überrascht über viel Lob für positive EU-Projekte in der Region. Aus dem Publikum kam auch die Forderung, 'die fähigsten Leute' in die europäischen Gremien zu schicken. Dem stimmte Lochbihler zu: 'Ja. Aber gleichzeitig auch die, die europäisch gesinnt sind."

Ihre Forderung angesichts eines weitgehend unverständlichen Lissabon-Vertrages: 'Ich muss erklären, wofür Europa steht.'

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