Exkursion
Dr. Renz begleitet zu Kaspar-Bilder in Willofs und Ebersbach

Durch dichten Flockenwirbel, über verschneite Straßen führte eine adventliche Exkursion des Obergünzburger Historischen Museums unter Leitung von Dr. Horst Renz. Zwei Kirchenräume waren das Ziel: St. Ulrich in Ebersbach und die Johannes dem Täufer gewidmete Willofser Pfarrkirche. Die Fahrt fand als Auftakt einer Reihe von Exkursionen statt, die die aktuelle Ausstellung zum 125. Todestag des bedeutenden Obergünzburger Kunst- und Historienmalers Johannes Kaspar (1822 -1885) begleiten.

Neuromanischer Hochaltar

Eine Gruppe interessierter Besucher machte sich auf, zwei Bilder des Künstlers unter wissenschaftlicher Führung zu sehen, Fragen zu stellen und die «eigene Bildsprache Kaspars», so Renz, mit Hilfe einer Fülle von Hintergrundinformationen zu lesen. Museumsleiter Ulrich Habich und Pfarrer Erwin Reichart, Seelsorger von Ebersbach und Willofs, hießen die Kunstinteressierten dazu willkommen.

Kaspars 1866 geschaffenes zweigeteiltes Gemälde «Verkündigung der Geburt Jesu an Maria» ziert die Rückwände der beiden Seitenflügel am neuromanischen Ebersbacher Hochaltar. Während des Jahres ist daher die Szene mit dem Engel Gabriel und der Jungfrau Maria nicht zu sehen.

Nur im Advent, bis zu Christi Geburt, werden die Seitenflügel über der mittleren Kreuzigungsszene geschlossen, und Kaspars «bildliche Argumente für die jungfräuliche Geburt Christi» zeigen sich dem Betrachter. «Dieses Bild ist von der Qualität aufsehenerregend», so Dr. Renz.

Ausdruck und Komposition fügen sich zu einem Geheimnis, das hinter dem Bild sichtbar wird. Persönliches, so Renz, sei wohl eingeflossen, da Johannes Kaspars Mutter Creszenzia, geb. Kiederle, 1787 in Ebersbach geboren wurde und die Ehe mit Franz Joseph Kaspar, Johannes Vater, 1817 vermutlich in der Ebersbacher Kirche geschlossen wurde. Renz schlug den Bogen zu Kaspars Zeit, dem 19. Jahrhundert als Jahrhundert der Säkularisierung, in dem Kaspar nicht nur seine Frömmigkeit sprechen ließ, sondern in dem er sein Bild auf «Argumente» gründete.

Zwei Vögel ins Bild gesetzt

Zum einen war Kaspar offenbar mit Thomas a Kempis sehr verbreiteter Schrift «Das Büchlein von der Nachfolge Christi» vertraut. Zum anderen veranschaulicht er Bibelzitate, wie den 84. Psalm («Der Vogel hat ein Haus gefunden »), indem er zwei Vögel ins Bild setzt und damit auf Natur und Geburt hinweist, oder wenn er Maria am Betpult in einer hebräischen Schrift lesen lässt, worin sich der «Lobgesang der Hanna» (1 Sam 2,1) verbirgt. Auch die Sterne auf Marias Mantel oder die erstarrte Schlange mit Apfel unter dem Betstuhl verkörpern Kaspars «Versuch, in einer glaubenslosen Zeit zu argumentieren und auf das Wunder hinzuweisen».

«Musik der Farben»

Ein ehemaliges Altarbild Johannes Kaspars, das nun die Willofser Kirche als Seitenbild ziert, war die zweite Station auf den Spuren von Kaspar. Es zeigt Johannes den Täufer, Kaspars Namenspatron, als Christi Wegbereiter, in einer ausdrucksstarken Komposition voller Symbolkraft. Das 1879 geschaffene Altargemälde war Teil einer neuromanischen Umgestaltung der Kirche und musste 1928 einer Re-Barockisierung weichen. «Lassen Sie sich von der Musik der Farben anrühren!» forderte Renz seine Zuhörer auf. Engagiert warb er dafür, den Ruhm des oft unterschätzten Obergünzburger Künstlers zu mehren: «Werden Sie Kasparianer!»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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