Führung
Dr. Horst Renz leitet Exkursion zu Kaspar-Werken in Rettenbach

Ein stiller, sonniger Tag lockte zur zweiten winterlichen Kaspar-Entdeckungs-Fahrt: Nach Rettenbach am Auerberg in die katholische Pfarrkirche St. Vitus, Modestus und Kreszentia ging diesmal die Exkursion des Obergünzburger Historischen Museums. Vor dem Hintergrund der Ausstellung zum 125. Todestag des Obergünzburger Kunst- und Historienmalers Johannes Kaspar (1822 - 1885) leitete Dr. Horst Renz eine große Zahl Kunstinteressierter weiter auf dessen Spuren und tiefer in die Interpretation der theologisch zu deutenden Werke hinein.

Auch viele Rettenbacher waren in ihre Kirche gekommen, ebenso wie die Bürgermeister des Ortes und von Obergünzburg. Dies, so Renz mit Freude, deute ein Gespür dafür an, «dass sich mit dem Kaspar werben lässt». Möglichst viele zu «Kaspar-Spezialisten» zu machen, ist das erklärte Ziel des evangelischen Theologen. «Kaspar war kein Kitschmaler.» Der Künstler sei ein «argumentierender Mann» gewesen, der die Weltlage des 19. Jahrhunderts gesehen habe. Dabei habe er ein «jeweils ganz liebevolles Werk» geschaffen, das versuche, «den Betrachter in die Überzeugungen des Künstlers hineinzuziehen».

Einheitlicher Charakter

In die fast 800-jährige Geschichte von St. Vitus führte Mesner Konrad Guggemos ein. Renz rühmte den bis heute einheitlichen Charakter der Kirche, die um 1870 vom damaligen, aus Obergünzburg stammenden Pfarrer Anton Löchle im neugotischen Stil eingerichtet wurde. Löchle sei es zu danken, dass die Rettenbacher Kirche mit Kasparbildern ausgestattet sei «wie keine andere». 21 Werke seien vorhanden: Vier Hochaltar-Wechselbilder, zwei Seitenaltäre und 15 Kreuzwegstationen, die zwischen 1869 und 1872 entstanden.

Noch bis Lichtmess, am 2. Februar, ist Kaspars «Weihnachtsbild» am Hochaltar zu bewundern, ein vom Künstler als «ganz neuartige Darstellung von Weihnachten» konzipiertes Werk: Maria und Jesus im Zentrum des Bildes, im Licht.

Dahinter eine jugendliche Gestalt unter der Taube des heiligen Geistes, umrahmt von Engeln, den Hirten, den Tieren und Josef als altem Mann in sprechender demütiger Haltung. Kaspar habe damit eine Fülle von menschlichen Möglichkeiten rund um das Kind geordnet und in dem Weihnachtsbild zugleich Ostern und Pfingsten zum Thema gemacht. Auch Kaspars «Gegensatzdenken», so Renz, sei in der Malweise sichtbar gemacht, etwa in dem Kontrast zwischen Josefs irdischer Lampe und dem von oben erstrahlenden himmlischen Licht.

«Kreuzbild», «Ölbergbild», «Osterbild» von Kaspar folgen, neben zwei Werken anderer Künstler, im Lauf des Kirchenjahres im Hochaltar. Jedes von ihnen fasst eine Fülle von Bibelzitaten. Parallelen zwischen der Obergünzburger und Rettenbacher Kirche zeigen sich in den Bildern der Seitenaltäre: St.

Sebastian und die, in Rettenbach derzeit verhüllte, «Unbefleckte Empfängnis» mit Maria, zu deren Füßen Adam und Eva als Sünder mit Schlange und Totenschädel gemalt sind, hängen in beiden Kirchen - nur in Details unterschieden und seitenverkehrt. Die «gedankenreiche Malweise» Kaspars wird auch im Stationenweg sichtbar, 15 Bildern, in dessen letztem sich der kranke Johannes Kaspar, im Gewand eines Mönches, porträtiert haben soll. (mha)

Begleitend zur Johannes-Kaspar-Ausstellung werden in Obergünzburg weitere Veranstaltungen angeboten. Die nächsten Termine sind am 11. März: Vorführung eines Films der Familie Henseler über den Maler Kaspar und 3. April: Kaspars Werk in Obergünzburg. Der Weg führt vom Seniorenheim über die Martinskirche, den Kreuzweg, zur Nikolauskirche und an das Grab des Künstlers.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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