Museumstag Text
Ausstellung Teilen und Heilen in Obergünzburg eröffnet ndash Gut 150 Besucher

Der Blick geht vom ausdrucksstarken 'Barmherzigen Samariter' des Obergünzburger Malers Johannes Kaspar (1822-85) zu Dokumenten aus der Geschichte des Obergünzburger Krankenhauses. Er wandert über Fotos und Biografien, Briefe und Chroniken, betrachtet Kaspars Altar- und Marienbilder, schließlich ein Kind mit seinem Schutzengel. Daneben verweilt er auf Texten, die Hintergründe der Krankenhaus- und Sozialgeschichte des Marktes erschließen.

Am Internationalen Museumstag zog die im Obergünzburger Historischen Museum eröffnete Ausstellung 'Teilen und Heilen' mit einem Vortrag von Dr. Horst Renz rund 150 Besucher an. Für einen gemütlichen Plausch bei Kaffee und Kuchen bot der Museumshof Raum. Auch mit der Resonanz auf die Führungen durch die Obergünzburger Südseesammlung zeigte sich Museumsleiter Ulrich Habich zufrieden.

'Es geht bei sozialem Handeln darum, etwas anzupacken', schickte Habich dem Vortrag des evangelischen Theologen zum 'Teilen und Heilen' voraus. Renz schlug einen Bogen zwischen einer neuen Hinwendung zum Menschen im 19.

Jahrhundert, wie er sich auch in Kaspars 'gedankenreichem Stil' und seiner 'Vision des Teilens' ausdrücke, zum 'Heilen als Praxis des menschlichen Wirkens', wie es in neuen sozialen Einrichtungen in der Region geschah.

1883/84 erstes Krankenhaus in Obergünzburg eröffnet

Dazu gehörte der Bau des ersten, 1883/84 eröffneten, Obergünzburger Krankenhauses durch Pfarrer Dominikus Ringeisen (1835 bis 1904), 1871 bis 1882 Benefiziat im Markt. 'Mein Werk ist mit ersparten Groschen Dienender und mit Pfennigen armer Leute erbaut worden', so Ringeisen, der später die Behindertenanstalt in Ursberg gründete. Sowohl mit Kaspar, als auch mit dessen Vetter Johann Michael Kiderle (1821 bis 1890) war er befreundet.

Der Arzt und Psychiater Kiderle, der, wie Kaspars Mutter, aus einer Ebersbacher Landarztfamilie stammte, leitete das Behindertenkrankenhaus in Irsee und begründete 1876 das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren.

Auch der Wörishofener Pfarrer Sebastian Kneipp, der mit Kiderle und Ringeisen bekannt war, steht in der Reihe der mit Obergünzburg verbundenen Männer, die, so Renz, die 'gleiche Frömmigkeit, soziale Einstellung, Leistungs- und Opferbereitschaft' verbinde.

Kaspars Bild des 'Barmherzigen Samariters', bei dem der Leidende die Züge Jesu trage, so Renz, habe die Geschichte des Obergünzburger Krankenhauses von Beginn an begleitet. Beim Neubau im Hagenmoos 1953 blieb es im alten Gebäude, das damals Altenheim wurde. Die Leihgabe des Senioren- und Pflegeheims hängt für gewöhnlich im jetzigen Neubau.

Renz ging auch auf die 'identitätsstiftende Bedeutung' des Obergünzburger Krankenhauses ein. Er würdigte die Leistungen der 'Barmherzigen Schwestern' (von 1885 bis 1971 vor Ort), sowie von Franziskanerinnen und Elisabethenverein. Vieles sei noch zu erforschen. Denn: In Obergünzburg bestehe die Möglichkeit, 'im kleinen Maßstab die bayerischen Verhältnisse zu studieren'.

Die Ausstellung 'Teilen und heilen – Sozialgeschichte in Obergünzburg' im Historischen Museum ist bis 27. Juni jeweils am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr und mittwochs von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Telefon: 08372/8239 oder 2554.

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