Weihnachtsoratorium
Aufführung des Kirchenchores Obergünzburg stößt auf großes Interesse

Johann Sebastian Bachs 'Weihnachtsoratorium' ist ein Zyklus aus sechs Kantaten, der in Form einer geistlichen Dramaturgie auf das Geschehen des Christfestes eingeht. Sowohl das Verhältnis der Tonarten, die Wahl der biblischen Texte und die Behandlung des Instrumentariums lassen eine fortlaufende Handlung erkennen.

Der Text der nichtbiblischen Zutaten wird Ch. Fr. Henrici zugeschrieben, der unter dem Pseudonym 'Picanter' häufig für Bach arbeitete. Meist wird das Oratorium aufgrund seiner Länge zweigeteilt aufgeführt. Vor zwei Jahren waren die Teile 1–3 zu hören, diesmal lud der Kirchenchor Obergünzburg zu den Teilen 4–6 in die Pfarrkirche St. Martin ein.

Formal ist das 'Weihnachtsoratorium' den Passionen angeglichen. Das bedeutet, dass der Evangelist nach den Texten des Matthäus- und Lukasevangeliums die Weihnachtsgeschichte berichtet, während die Solisten die Ermahnungen und Betrachtungen aus den Evangelien schildern, vom Orchester reich untermalt.

Glaubensfroh dazwischen die großen Chorszenen und Choräle, je nach Stimmung nur mit Streichern und Holzbläsern oder festlich mit Pauken und Trompeten. Die Oboen, als Oboe da caccia oder Oboe d’amore, haben ja bei Bach eine physisch äußerst anspruchsvolle Partie zu spielen, wohl, weil sie die Hirtenschalmeien musikalisch verkörpern sollen.

Eingang in die Chronik

Wie der Programmschrift zu entnehmen war, hat Dirigentin Margit Bauer in ihrer dreizehnjährigen Tätigkeit in Obergünzburg mehrere beachtenswerte Großprojekte mit ihrem Chor einstudiert. Auch das 'Weihnachtsoratorium' ist nach der exemplarischen Aufführung dazu angetan, in die Chorchronik einzugehen.

Wenn auch davon ausgegangen werden darf, dass nicht alle Sänger des wirklich beeindruckend starken Chores Stamm-Mitglieder sind, so ist um so mehr zu bewundern, wie Margit Bauer das Ensemble zu solch homogener Einheit zusammengeschweißt hat. Der Chor sang engagiert, couragiert mit stetem Blick auf die Leiterin, ließ intonatorisch keine Wünsche offen und hatte eine gute Sprachdisziplin und damit Textverständlichkeit.

Das Barockorchester Schwaben – mit einzelnen Mitgliedern vertreten –, bei den Rezitativen und Arien durchaus auf Augenhöhe mit den Solisten, tat sich bei den großen Chorsätzen mit seiner recht schwachen Streicherbesetzung etwas schwer und ließ dadurch die benötigte Parität vermissen.

Das Solistenensemble ließ keine Wünsche offen. Dass auch Chormitglieder solistisch durchaus einen größeren Part zu gestalten vermögen, zeigten die Sopranistin Elisabeth Potje und die Altistin Cosima Renk. Heike de Young sang mit viel Schmelz und Kantabilität die großen Sopranarien, Michael Bauer deklamierte einen profunden Evangelisten. Mit gewaltigem, wohltönenden Bass schließlich Michael Hanel in der Verkörperung der Rezitative.

Margit Bauer führte mit sicherer Hand Solisten, Chor und Orchester, wurde in der dicht gefüllten Kirche mit stehendem Beifall entsprechend gefeiert und hatte als Dank für so viel Begeisterung noch ein 'Highlight' parat: Den Eingangschor zur ersten Kantate 'Jauchzet, Frohlocket '. Mit ihm wurden die Kirchenbesucher in eine wunderschöne, verschneite Nacht entlassen.

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