Warnung der Polizei
Um bis zu 200.000 Euro betrogen: Zahl der Callcenterbetrüge im Allgäu steigt rapide an

Die Zahl der Betrugsanrufe im Allgäu steigt.
  • Die Zahl der Betrugsanrufe im Allgäu steigt.
  • Foto: Anja Lachenmayer
  • hochgeladen von Pia Jakob

Zwischen 1.700 Euro und 200.000 Euro haben Betrüger in den letzten drei Jahren von einzelnen Bürgerinnen und Bürgern im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West erbeutet. Polizeibeamte, vermeintliche Enkel oder Unternehmen, die Gewinne versprechen, die Anrufer sind dabei relativ kreativ. Und die Zahl der Anrufe steigt. So wurden in der ersten Juliwoche mehr als 50 Fälle bei der hiesigen Polizei gemeldet, 43 davon allein am Montag. Für das Jahr 2019 hat das Polizeipräsidium bislang 570 Fälle registriert.

Ihre Opfer suchen sich die Betrüger laut Polizei sowohl anhand von altmodischen Namen oder kurzen Telefonnummern aus. Sie gehen davon aus, dass es sich um ältere Menschen handelt, die in der Regel mehr Geld haben oder auch weniger Rückfragen stellen. Aber: "Jeder kann Opfer eines Betrugs werden", erklärt Jürgen Salzmann, Leiter des Betrugskommissariats beim Polizeipräsidium Schwaben Süd/West.

Bei einem ersten Anruf werden mögliche Betrugsopfer zuerst nur gewarnt, um Angst zu schüren. Ein Telefonat läuft dann meist so ähnlich ab wie in dieser Aufzeichnung des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West:

In diesem Fall hatte die Frau bereits kurz zuvor schon einen anderen Anruf erhalten und einen Betrug vermutet. In der Regel versuchen die Täter, durch solche Hinweise neben der Angst vor einer möglichen Tat auch ein Vertrauen in den Anrufer herzustellen. Dabei wird vor Einbrüchen in der Nachbarschaft gewarnt, von Ermittlungen gegen Bankmitarbeiter die Zugriffe auf Schließfächer oder Konten haben berichtet oder ein vermeintlicher Enkel gibt eine Notlage vor.

Das Verhalten der Anrufer ist dabei stets hartnäckig und bestimmend. Auffallend: Die Anrufer sprechen in der Regel akzentfreies Deutsch. Sie alle fordern Bargeld oder Wertsachen. Entweder, weil sie in einer vermeintlichen Notlage stecken, oder um Wertgegenstände in Sicherheit zu bringen. Auch vorgegebene Zollzahlungen bei Gewinnversprechen sind üblich.

Gerade bei Anrufen von falschen Polizeibeamten kommt noch ein technischer Betrug hinzu, um Vertrauen zu erwecken. So manipulieren die Anrufer die Telefonate so, dass auf dem Display die Rufnummer der örtlichen Polizei oder die 110 zu sehen sind.

Die Betrogenen verlieren oft ihre gesamten Ersparnisse und werden an den Rand des Ruins gebracht. Mindestens genauso schwer wiegt auch die psychische Komponente, denn nicht nur das Gefühl betrogen worden zu sein belastet die Opfer. Gerade die Scham, auch vor den Angehörigen, ist für viele erdrückend. „Die Art und Weise wie die Betrügerbanden in den Gesprächen agieren, vor allem welchen psychischen Druck sie auf ihre Opfer ausüben, macht selbst erfahrene Ermittler sprachlos“, so Salzmann. Potenzielle Opfer fühlen sich dabei beängstigt, eingeschüchtert und hilflos. Ein Opfer eines Callcenterbetrugs hat berichtet, wie sehr sie sich für den Vorfall schämt.

Um es gar nicht zu einem solchen Betrug kommen zu lassen, bittet die Polizei daher die Öffentlichkeit, das Phänomen der Callcenterbetrüge gerade auch bei Menschen, die die Medien eher selten nutzen, bekannt zu machen. 

Hier ein paar Tipps der Polizei:

  • Wer einen Anruf erhält, der ihm komisch vorkommt, sollte sich nicht unter Druck setzen lassen. Misstrauen ist nicht unhöflich.
  • Die Polizei fordert niemals Bargeld oder Wertgegenstände. Sie erkundigt sich auch nicht nach Vermögensverhältnissen.
  • Wird im Display die 110 angezeigt, können sie sich sicher sein, dass es sich um einen Betrug handelt. Die Polizei ruft nicht von dieser Nummer aus an.
  • Die Nummer im Display sollte man nie zurückrufen. Wer sicher gehen möchte, mit echten Polizeibeamten telefoniert zu haben, sollte von einem anderen Apparat aus bei der örtlichen Dienststelle anrufen. Rückrufe könnten mit unter technisch manipuliert sein.

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