Bundesverwaltungsgericht
Küken-Töten geht vorerst weiter: Zunehmende Initiativen für "Bruderhähne" im Allgäu

Symbolbild. Das Bundesverwaltungsgericht hat am Donnerstag, 13. Juni 2019, entschieden, dass das Küken-Töten vorerst weitergehen darf.
  • Symbolbild. Das Bundesverwaltungsgericht hat am Donnerstag, 13. Juni 2019, entschieden, dass das Küken-Töten vorerst weitergehen darf.
  • Foto: picture alliance/Peter Endig/zb/dpa
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

Sie legen keine Eier und sind ungeeignet für die Fleischproduktion. Deshalb werden männliche Küken in der Legehennenzucht bereits kurz nach dem Schlüpfen entweder vergast oder geschreddert. Dann werden sie zu Tierfutter verarbeitet. Rund 45 Millionen waren es 2012 in Deutschland.

Und das wird vorerst auch so bleiben. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag, 13. Juni 2019. Das Gericht argumentierte, dass die wirtschaftlichen Interessen der Brütereien allein kein vernünftiger Grund für das Töten der Küken seien. Deshalb ist diese Praxis nur noch so lange rechtmäßig, bis es Alternativen zum Küken-Töten gibt. So soll es Methoden geben, mit denen das Geschlecht der Küken bereits im Ei festgestellt werden kann. Laut des Bundesverwaltungsgerichts sollen diese Verfahren "in Kürze" zur Verfügung stehen.

Bisher wurde das Küken-Töten geduldet, obwohl es nach heutigem Verständnis gegen den Tierschutz spricht. "Im Lichte des im Jahr 2002 in das Grundgesetz aufgenommenen Staatsziels Tierschutz beruht das Töten der männlichen Küken für sich betrachtet nach heutigen Wertvorstellungen nicht mehr auf einem vernünftigen Grund", so das Bundesverwaltungsgericht in einer Mitteilung.

Die Duldung der bisherigen Praxis und die Aussicht auf Alternativen hat das Gericht dazu bewogen, den Betrieben das Küken-Töten vorerst weiter zu erlauben. Ohne diese Übergangszeit müssten die Brütereien zunächst einmal die Aufzucht der männlichen Küken ermöglichen. Nur um dann, sobald die Alternativen genutzt werden können, auf die Geschlechterbestimmung im Ei umzustellen. "Die Vermeidung einer solchen doppelten Umstellung ist in Anbetracht der besonderen Umstände ein vernünftiger Grund für die vorübergehende Fortsetzung der bisherigen Praxis", so das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Der Tierschutzbund zeigte sich nach dem Urteil enttäuscht. Dieser hatte sich gewünscht, dass das Gericht ein sofortiges Verbot des Küken-Tötens verhängt, so Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, in einer Mitteilung. Außerdem kritisiert der Bund, dass keine Frist festgelegt wurde, bis wann die männlichen Küken weiter vergast oder geschreddert werden dürfen. Zufrieden war der Tierschutzbund dagegen mit der Auffassung des Gerichts, dass wirtschaftliche Interessen kein vernünftiger Grund für diese Praxis seien.

Im Allgäu werden zunehmend Eier von Initiativen angeboten, die auch männliche Küken, sogenannte "Bruderhähne", aufziehen. Welche Läden im südlichen Oberallgäu "Bruderhahn"- oder "Zweinutzungs"-Eier im Angebot haben, finden Sie in unserer Karte.

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