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Tierskandal Bad Grönenbach

Kombinationshaltung
Bayerische Milcherzeuger und Molkereien wollen mehr Tierwohl

Symbolbild.

Vertreter der bayerischen Milcherzeuger und Molkereien haben sich auf eine gemeinsame Definition der Kombinationshaltung geeignet, die in Zukunft für mehr Tierwohl sorgen soll. Die Kombinationshaltung besteht, wie der Name andeutet, aus einer Kombination von Anbindestall und Weidehaltung, mit Bereitstellung von Laufhöfen oder Ausläufen. Dort sollen sich Tiere aus Anbindeställen, in denen sie an einem Platz fixiert sind, bewegen können . "Auch Abkalbebereiche sind möglich. Ein Bereich in Einzelbetreuung für die Zeit nach dem Kalben", erklärt Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter.

Konkret bedeutet das, dass es Milchkühe in der Kombinationshaltung an mindestens 120 Tage im Jahr möglich sein muss, sich auf einer Weide, im Laufhof oder in einer Laufbucht, wie dem Abkalbebereich, frei zu bewegen. Die Dauer kann auf 90 Tage reduziert werden, wenn Betriebe Maßnahmen für erhöhten Stallkomfort umsetzen.

Weiterentwicklung der Tierhaltung und des Tierwohls

Das Tierwohl in deutschen Kuhställen hänge aber nicht nur, oder sogar nicht hauptsächlich, von der Haltungsform ab, sagt Foldenauer. Wichtig seien der Umgang mit den Tieren und die Zeit, die für die Tiere zur Verfügung stünden. Die modernste Stallhaltung bedeute nicht gleich auch mehr Tierwohl. Dennoch sieht der Verband die neuesten Entwicklungen im Bereich "Kombinationshaltung" zunächst einmal sehr positiv, so Foldenauer auf Nachfrage. "Es ist gut, dass man sich Gedanken macht, wie man die Tierhaltung und das Tierwohl weiterentwickeln kann", fügt er hinzu.

Bayerns Landwirtschaftministerin Michaela Kaniber begrüßt die Entscheidung zum Thema Kombinationshaltung. „Damit übernimmt die Milchbranche Verantwortung und trägt dem Verbraucherwunsch nach mehr Tierwohl Rechnung“, so die Ministerin in einer Meldung. Die festgelegte Definition würde auch Betrieben eine Zukunftsperspektive bieten, die sich keinen aufwändigen Neubau für Laufställe leisten könnten.

Nur Kühe, die gut behandelt werden, produzieren Milch

Laut Foldenauer bestehen aber immer auch Risiken. Die Debatten in der Haltungsform seien entstanden, weil Molkereien höhere Anforderungen an die Betriebe stellen würden. Der Verband wolle ebenfalls Veränderung, die Frage nach der Wirtschaftlichkeit müsse aber gestellt werden. So gebe es Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung, die keine Alternativen hätten, weil beispielsweise Flächen fehlen würden.

Das Tierwohl ist laut dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter wichtiger Bestandteil in der Milchwirtschaft. "Kühe produzieren nur dann Milch, wenn sie auch gut behandelt werden", so Foldenauer. Andernfalls würden die Tiere mit einer Verweigerungshaltung reagieren, also keine Milch geben. Zu bedenken gibt er allerdings, dass auch Tiere in ganzjähriger Anbindehaltung "zu Höchstleistungen auflaufen können". Grund dafür sei der richtige Umgang mit den Tieren.

Konsequenzen für kleine Betriebe

Sollten die Molkereien festlegen, die Milch von Betrieben mit Anbindehaltung garnicht mehr oder nur zu einem niedrigeren Preis anzunehmen, befürchtet Foldenauer, dass solche Betriebe "die Türen schneller zuschlagen". Dort, wo die nächste Generation den Betrieb weiterführt, werde laut dem Sprecher des Bundesverbandes in die Kombinationshaltung investiert, etwa durch den Neubau von Laufbuchten.

Bei Betrieben deren Hofnachfolge noch nicht geklärt ist, sei eine Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben. Die Betreiber müssten sich fragen, ob sich eine Investition, die viel Geld kostet, noch lohnt.

Tierwohl vs. Tierquälereien

Die Entscheidung in Sachen mehr Tierwohl wird derzeit allerdings von einem Fall von Tierquälerei in einem Allgäuer Betrieb überschattet. Ein großer Milchbetrieb in Bad Grönenbach steht im Verdacht, über Monate hinweg Tiere gequält zu haben. Die "SOKO Tierschutz" hatte die Missstände aufgedeckt. Diese seien laut Foldenauer nicht hinnehmbar. "Egal ob es ein großer Betrieb ist, oder ein kleiner. Es muss gehandelt werden", erklärt er auf Nachfrage. Im Extremfall müsse die Tierhaltung untersagt werden.

Dieser Fall mache aber auch deutlich, dass man in den vergangenen Jahrzehnten eine falsche Weichenstellung und Beratung durchgeführt hat. Die Forderung nach "immer schneller, immer mehr" habe dazu geführt, dass die Belastung in den Betrieben ansteige. Und wenn es zu einer Überforderung kommt, komme so etwas dabei raus. Damit wolle man die Vorfälle in Bad Grönenbach natürlich nicht entschuldigen. Aber in der heutigen Zeit, in der Arbeit immer noch schneller verlangt werde, ist diese Entwicklung ein Ausdruck von Überlastung.

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