Konzert
Matthias Schriefl und Johannes Bär kombinieren Volksmusik mit Jazz und verblüffen mit Witz und Virtuosität

Gäbe es eine Auszeichnung für das schrägste Konzert des Jahres, dann wäre zweifellos der Auftritt von Matthias Schriefl und Johannes Bär in Maria Rain (zwischen Oy und Nesselwang gelegen) höchst preisverdächtig. Was die beiden Multiinstrumentalisten abliefern, passt in keine der gängigen Schubladen. Es ist ein Grenzgang zwischen Volksmusik und Jazz, angereichert mit allen möglichen weiteren Stilelementen. Und als Auftrittsort haben sie sich ein Lokal herausgesucht, das auf den ersten Blick so gar nicht zu ihrer verrückten Musik passen will, andererseits aber doch ideal ist.

Es heißt Almcafé Schnakenhöhe, dient ansonsten zur Stärkung von Ausflüglern und liegt wunderschön auf einem Hügel mit sensationellem Blick auf die Ost- und Oberallgäuer Berge. Und die grüßen wie bestellt in föhnigem Abendlicht durch die raumhohen Fenster.

Dass das Konzert unter dem Motto 'Alps & Jazz' steht, hat freilich einen anderen Grund. Matthias Schriefl, der aus Maria Rain stammt, und der Vorarlberger Johannes Bär, der im vergangenen Jahr mit dem Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC) bekannt geworden ist, verknüpfen alpenländische Volksmusik mit heißer Musik, die sich aus dem Geist der Jazz speist.

Ihre – meist selbstkomponierten – Stücke beginnen gerne als unbeschwert-heitere Duette in Dur, die jedem Heimatabend zur Ehre gereichen könnten.

Plötzlich gerät die heile Welt aus den Fugen

Urplötzlich kippen die Stücke, erhalten treibende Beats, bizarre Melodien (die oft aus dem Bebop und anderen Jazzstilen kommen) und einen ganz anderen Klang. Bisweilen werden Passagen geloopt (aufgenommen und gleich wieder abgespielt).

Die heile Welt gerät aus den Fugen. Bär und Schriefl zerlegen sie mit der puren Lust an Parodie, Ironie, Klamauk. In solchen Momenten erscheinen sie wie zwei übermütige Kinder, die auf dem Spielplatz mal so richtig Gas geben.

Das klingt schräg, und ist schräg. Aber zugleich ist alles hochvirtuos gespielt und sehr ernst gemeint. Die beiden sind bestens ausgebildete Instrumentalisten, die in alles reinblasen, was ein metallenes Mundstück hat: Trompete, Flügelhorn, Posaune, Bassflügelhorn, Tuba, Alphorn oder Sousaphon. Der baumlange Johannes Bär betätigt sich bisweilen auch als Human Beatbox. Und beide können beim Spielen mit Summen eine zweite Melodie erzeugen.

Kritisieren kann man höchstens, dass Schriefl und Bär bisweilen zu verrückt agieren – und damit ihre Musik und die Virtuosität in den Hintergrund drängen. Die Zuhörer in der vollbesetzten Schnakenalm sind hin und weg. Und sie amüsieren sich auch an den surrealistischen Ansagen von Lokalmatador Schriefl im heimischen Dialekt.

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