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07.05.2010 · Scheidegg / Westallgäu | Von Teresa Winter

Wenn Brotkrümel zur Gefahr werden

Darmkrankheit - Betroffene leiden an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Scheidegg / Westallgäu · Wenn Anja Diebold aus Lindenberg (Westallgäu) ein Butterbrot schmiert, muss sie darauf achten, dass an ihrem Messer und an der Butter keine glutenhaltige Brotkrümel von anderen Mitessern kleben. Und wenn die 31-Jährige ein Toastbrot röstet, benutzt sie dafür immer ihr eigenes Gerät, indem sich keine glutenbelasteten Brotreste befinden. Anja Diebold ist krank. Sie hat Zöliakie - eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegenüber dem in vielen Getreidesorten vorkommenden Gluten.

Anja Diebold
Anja Diebold ernährt sich glutenfrei. Bild: Matthias Becker
Aus diesem Grund darf Diebold nur glutenfreies Brot und Nudeln oder Kuchen aus Mais- oder Reismehl essen - alles andere würde den Darm schädigen. «Eine Messerspitze Gluten am Tag ist gerade so in Ordnung», sagt die 31-Jährige.

Dennoch ernähre sie sich seit dem Bekanntwerden ihrer Krankheit glutenfrei, was nicht immer einfach sei. Um den Erkrankten zu helfen, präsentiert sich die Marktgemeinde Scheidegg (Westallgäu) seit Längerem als «glutenfreier Ort».

Gastronomen, Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelmärkte haben glutenfreie Produkte in ihre Angebotspaletten aufgenommen. Neben Bonn und Kassel beteiligt sich Scheidegg deshalb am kommenden Sonntag, 9. Mai, erstmals am Weltzöliakietag mit einem glutenfreien Brunch im Kurhaus.

Diebolds Leidensweg begann vor einigen Jahren. «Ich hatte ab und zu Durchfall, Bauchweh, Blähungen und war blass und müde», erzählt die 31-Jährige. Sie bekam Medikamente gegen Magen-Darm-Beschwerden, doch die halfen nicht. «Ich habe von dem stillen Verlauf der Krankheit nichts bemerkt», sagt die Physiotherapeutin. «Außer, dass ich über Jahre nicht zunehmen konnte.» Dabei wollte die Lindenbergerin endlich wieder ein paar Kilo mehr auf den Rippen haben. Bei einer Größe von 1,61 Meter wog sie nämlich nur 47 Kilogramm.

Richtige Ernährung

Mit einem Blutbild konnte ihr Hausarzt im Oktober 2008 dann Antikörper nachweisen. Eine Magenspiegelung, bei der eine Probe aus dem Zwölffingerdarm entnommen wurde, brachte schließlich die Gewissheit: Diagnose Zöliakie.

«Ich war damals fertig, aber froh, dass es endlich erkannt wurde», so die 31-Jährige. Mittlerweile sei die Krankheit gar nicht mehr so schlimm. «Denn wenn man die Ernährung umstellt und sich richtig verpflegt, gehen die Beschwerden weg», sagt Diebold.

Sie sei jetzt wieder leistungsfähiger, fitter und nicht mehr so blass. «Außerdem habe ich schon drei Kilo zugenommen», freut sie sich. Zwar gebe es gegen die Krankheit keine Medikamente, aber wenn man sich konsequent glutenfrei ernähre, fühle man sich wohl und der Darm regeneriere sich wieder.

Die Lebensmittel, die Diebold essen darf, stehen in einem speziellen Buch. Die Produkte gibt es im Internet, im Reformhaus oder in großen Supermärkten.

«Es ist eine Einschränkung»

Wichtig beim Einkaufen sei immer, so die Lindenbergerin, das Lesen der Zutaten-Angaben. «Denn das Problem ist, dass Gluten oftmals als Stabilisator in Fertigprodukten, Eis, Wurst, Päckchensuppen und Soßen vorkommt und als Trägerstoff für Gewürze und Aromen verwendet wird», sagt Diebold.

Auf Feste bringt sie daher meistens ihr eigenes Essen mit. «Es ist zwar eine Einschränkung der Lebensqualität und oft hart zu verzichten, aber man gewöhnt sich an die Umstellung», sagt die 31-Jährige.

Wortweiser Zöliakie
Wortweiser Zöliakie
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AutorVon Teresa Winter
Veröffentlichung07.05.2010
Aktualisierung16.04.2013 11:00
Ort Scheidegg / Westallgäu | Von Teresa Winter
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