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03.07.2009 · Marktoberdorf / Allgäu (dec)

Mit Vorstellungskraft zum höheren Milchpreis

Mentaltraining - Thomas Baschab spricht erstmals vor Landwirten - BDM will damit frustrierte Mitglieder motivieren

Marktoberdorf / Allgäu · Auf einem Barhocker mit Euter und Kuhschwanz hat Thomas Baschab «noch nie gesessen» - bis Mittwochabend auf der Modeonbühne. In Marktoberdorf motivierte der bekannte Mentaltrainer zudem erstmals in 22 Jahren Landwirte. Knapp 800 Personen waren dem Ruf des BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter) gefolgt und ließen sich von Baschab erklären, wie sich ihr Verstand auf Erfolg programmieren lässt. Der Verband suchte neue Impulse für seine Mitglieder, bei denen sich nach etlichen Aktionen ohne den großen Erfolg - ein dauerhaft höherer Milchpreis - Resignation einstellt. Der Plan ging auf: Die Bauern ließen sich mitreißen. Am Ende des Abends applaudierten sie dem Mentaltrainer sogar im Stehen. «Er hat sich mit der Materie befasst und alles gut rübergebracht», lobte etwa Hans Schreiegg aus Ebersbach (Ostallgäu). Der Landwirt gibt zu, «frustriert gewesen zu sein. Aber der Abend hat mich aufgebaut.» Caroline Müller aus Oberostendorf (Ostallgäu) «sind vor allem Kleinigkeiten bewusst geworden, zum Beispiel, wie wichtig es ist, sich sein Ziel vor Augen zu halten».

Mit Vorstellungskraft zum höheren Milchpreis
«Sie sind die am härtesten arbeitende Berufsgruppe überhaupt. Das muss nicht so sein.»Thomas Baschab gegen zu viel Verbissenheit Bild: martina diemand

Überzeugt ist die Bäuerin von Baschabs Zitat: Was nicht einfach geht, geht einfach nicht. «Wenn etwas besser werden soll, muss es einfacher werden. Aber gerade in schweren Zeiten verliert man die Leichtigkeit. Trotzdem brauchen Sie einfache, umsetzbare Konzepte. Sie müssen zum Beispiel dafür sorgen, dass die Leute das Milchpreisproblem erkennen,» so Baschab. Er selber habe bis vorgestern zwar gewusst, dass es eines gibt. Aber nicht, wie das genau aussieht, gibt er zu und betont: «Es gibt viele, die wollen Sie unterstützen, wissen aber nicht wie.»

Er riet den Bauern weiter, ein Problem nicht negativ zu sehen, denn es «ist ja ein Pro-blem und pro bedeutet für. Sonst wäre es ja ein Antiblem». Nur wer Probleme bewältigt, wird stärker. Dabei setzt Baschab auf die Kraft des Unterbewusstseins und demonstrierte sie mit Übungen.

Caroline Müller zum Beispiel fällt es leichter, ihren Arm bei Gegendruck gestreckt zu halten, wenn sie sich vorstellt, er sei eine Eisenstange. Der Grund: Der Verstand ist abgelenkt und das Unterbewusstsein kontrolliert den Arm. «Auf diese Weise wird viel gesteuert. Oder denken Sie beim Autofahren daran, was Sie gerade tun?»

Lösung in zwei Schritten

Konkret hatte Baschab für die Bauern eine Lösung in zwei Schritten parat: «Erstens muss ein Ziel für Sie wichtig genug und sehr konkret formuliert sein. Zweitens erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, es zu erreichen, wenn Sie sich jeden Tag vorstellen, Sie hätten es erreicht.»

«Dann stelle ich mir jetzt vor, ich hätte 2000 Euro mehr auf der Milchabrechnung», sagte eine Bäuerin halb scherzhaft. Peter Jeckle aus Bad Grönenbach (Unterallgäu) dagegen will seine daheimgebliebenen Kollegen motivieren und sieht das als schwierige Aufgabe: «Wir haben viel für uns mitgenommen. Aber das auf andere zu übertragen, wird nicht leicht. Viele sind draußen resigniert.» Ob ein Baschab das wirklich ändern kann, bleibt offen. Fakt ist jedoch: Er hielt schon gestern ein zweites Seminar für Landwirte in Schleßwig-Holstein.

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Artikelinfos
Autordec
Veröffentlichung03.07.2009
Aktualisierung23.10.2013 15:21
Ort Marktoberdorf / Allgäu (dec)
Schlagwörterbauer
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