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05.05.2007 · Allgäu

Ministerium droht Waldorfschule

Mängelliste Frist gesetzt - Zuschüsse gefährdet - Einrichtung sieht alles anders

Von Peter Januschke | Kempten In der Freien Waldorfschule Kempten gibt es nach Einschätzung des bayerischen Kultusministeriums gravierende Mängel. In einem Schreiben hat die Schulaufsicht diese aufgelistet und gedroht, die Staatszuschüsse für den laufenden Schulbetrieb zu kürzen oder gänzlich zu streichen.

Die Freie Waldorfschule Kempten ist seit Jahren umstritten, bei einer Reihe von Eltern und Schülern dessen ungeachtet aber sehr beliebt. In der Nähe von Kempten baut die Schule ein Gelände aus, um mit den 360 Schülern und 120 Kindern des Kindergartens dorthin zu ziehen. Auslöser für eine kritische Durchleuchtung der Einrichtung durch die staatliche Schulaufsicht waren staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen 16 Lehrer. Unabhängig von der juristischen Würdigung dieser Vorgänge wurde der Waldorfschule vom Ministerium auferlegt, das Thema Gewaltvorfälle intern aufzuarbeiten, zum Beispiel über eine Lehrerfortbildung. In dem Brief wird bemängelt, derartige Maßnahmen seien nicht nachgewiesen worden. Dazu sagt Roland Birk, Geschäftsführer der Schule: „Wir haben Maßnahmen auf den Weg gebracht.“ So werde der Unterricht doppelt besetzt, also gelte unter Lehrern das Vier-Augen-Prinzip.

Das Ministerium beanstandet auch, dass für eine Reihe von Klassen keine Lehrpläne nachgewiesen werden. Birk kontert: Bei der Schulgenehmigung sei ein Lehrplan eingereicht worden. Dies war 1986, der Staat hat seine Lehrpläne seitdem wiederholt überarbeitet.

Das Ministerium könnte mit einer Leistungskontrolle überprüfen, ob Lehrpläne staatlichen Anforderungen entsprechen. Dabei müssten Jugendliche Arbeiten schreiben, die auf Grundlage der staatlichen Lehranforderungen erstellt werden.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Lehrkräfte würden nicht ordnungsgemäß bezahlt. Die Waldorfschule entlohnt laut Birk „im Sinne der Brüderlichkeit“. Jeder Lehrer müsse geltend machen, welchen „Lebensbedarf“ er habe. Entsprechend werde das Gehalt festgelegt. Der Staat legt aber Wert darauf, dass Lehrer nicht vom Gutdünken des Arbeitgebers abhängig sind.

Das Ministerium hat der Schule eine Frist bis 1. Oktober gesetzt. Sofern die Beanstandungen bis dahin nicht erledigt seien, werde der Zuschuss für den laufenden Betrieb entweder gekürzt oder gestrichen. Ein Fachmann dazu: „Das wäre für die Schule existenzgefährdend.“

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Artikelinfos
Veröffentlichung05.05.2007
Aktualisierung02.06.2011 12:08
OrtAllgäu
Schlagwörterwaldorfschule
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