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24.06.2016 · Oberstaufen

König Ludwig II. gab ihn vor über 160 Jahren in Auftrag: Halbzeit bei der Sanierung des Bahntunnels in Oberstaufen

Warum der Monarch die Strecke nicht um den Berg herum anlegen ließ

Baustelle · Die gute alte Zeit: Das Bier war noch dunkel, die Burschen fesch, die Madeln sittsam und der bayerische König – na sagen wir mal visionär und auch ein bisschen weltfremd. Ludwig II. ließ nicht nur prunkvolle Schlösser bauen. Er war auch ein ausgesprochener Technik-Freak.

Tunnel-Patin Andrea Strubl
Jede Tunnel-Baustelle braucht eine Patin. In Oberstaufen übernahm Andrea Strubl, die Partnerin von Bürgermeister Martin Beckel, dieses Ehrenamt. Bild: Matthias Becker

Seinerzeit galt die Eisenbahn als Spitze der Ingenieurskunst. Deshalb förderte der Märchenkönig den Bau von Strecken und Bahnhöfen. Was noch fehlte zur Eisenbahn-Herrlichkeit, war ein Tunnel. Aber nirgends in seinem Reich war eine solche Röhre notwendig.

Da verfügte der „Kini“ kurzerhand, dass beim Bau der Strecke von Immenstadt nach Lindau die Gleise nicht völlig um den Berg mit Namen Staufen herumgeführt werden sollen, sondern am westlichen Abhang durch einen Tunnel. So kam Oberstaufen zum einzigen Eisenbahntunnel in Bayern südlich der Donau.

Solche Geschichten erzählten sich die Gäste, als am Donnerstag an der Tunnel-Baustelle Halbzeit gefeiert wurde. Die Eisenbahn-Röhre im Süden von Oberstaufen ist immer noch der einzige Bahn-Tunnel im Allgäu und auch in ganz Südbayern.

1853 errichtet, nagte schon lange der Zahn der Zeit an diesem Durchlass. Wasser drang ein und bildete im Winter Eiszapfen, der Querschnitt war mit acht Metern so eng, dass die beiden Gleise dicht nebeneinander lagen und die Züge nur Schrittgeschwindigkeit fahren konnten. Die Höhe reichte nicht aus für Doppelstockwaggons.

Seit zwei Jahrzehnten diskutierten deshalb Fachleute und Politiker, was mit dem maroden Loch zu tun ist. „Aus Kostengründen hätten wir es lieber einspurig gehabt“, gab gestern Dr. Volker Hentschel zu, bei der Deutschen Bahn zuständig für die Bereiche Bau, Betrieb und Instandsetzung. Kommunalpolitiker und der Freistaat Bayern pochten jedoch weiterhin auf die Zweigleisigkeit. Erst als der Freistaat bereit war, über drei Millionen Euro für das 25 Millionen Euro teure Projekt zuzuschießen, war 2012 klar, dass die große Variante kommen wird.

„Hier auf der zweigleisigen Strecke von Buchloe über Kaufbeuren, Kempten und Immenstadt nach Lindau einen Flaschenhals zu schaffen, hätte niemand im Allgäu verstanden“, sagte gestern Eberhard Rotter, Landtagsabgeordneter aus Weiler im Westallgäu und verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion. Er freute sich deshalb über diese „zukunftsträchtige Lösung“, die sogar „den Einbau eines Fahrdrahtes“ ermögliche, sollte jemals die Elektrifizierung dieser Strecke kommen.

Im April begannen nun endlich die Bauarbeiten. Seither ist die Bahnstrecke zwischen Oberstaufen und Immenstadt gesperrt. Auf diesem Abschnitt verkehren Busse als Schienenersatz, was nicht immer gut funktionierte und anfangs zu viel Kritik geführt hatte.

15.000 Tonnen Gestein sind inzwischen herausgebrochen und abtransportiert. Dabei kamen 3,5 Tonnen Sprengstoff zum Einsatz. Da krachte es oft in der Früh und am Abend. Weshalb sich Oberstaufens Bürgermeister Martin Beckel schmunzelnd für diesen „pünktlichen Weckdienst“ bedankte.

Die Bauarbeiten liegen voll im Zeitplan, sagte DB-Pressesprecher Franz Lindemair gegenüber unserer Zeitung. Der erste Zug soll am 20. Oktober den Tunnel passieren.

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Artikelinfos
AutorStefan Binzer
QuelleAllgäuer Zeitung
Veröffentlichung24.06.2016
Ort Oberstaufen
Schlagwörtertunnel, sanierung, könig ludwig
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