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02.03.2012 · Kempten

Unternehmerinnen netzwerken im Allgäu

Wie Frauen gemeinsam versuchen ihre Geschäftsidee an den Mann zu bringen

Wochenende · Es ist 19.30 Uhr. Im Gastraum einer Wirtschaft in Kempten hört man viele Frauen reden und lachen. Es ist eine vergnügliche Runde. Die Damen treffen sich aber nicht zum Tratschen – sie sind hier um zu „netzwerken".


Die „Allgäuer Unternehmerinnen“ sind aus dem Frauen-Netzwerk „WEBsen" entstanden. Der Verein besteht in dieser Form nun seit drei Jahren. Die selbstständigen Unternehmerinnen aus dem gesamten Allgäu treffen sich regelmäßig einmal im Monat in Kempten, in Immenstadt-Stein und in Memmingen. Je nachdem, wo sie wohnen.

Der eigentliche Sinn des „Netzwerkens“ ist, dass die Geschäftsfrauen oder auch deren Freunde oder Kunden sich gegenseitig Aufträge und Neukunden vermitteln. Das Motto der „Allgäuer Unternehmerinnen“ lautet: „Erst geben, dann nehmen“. Die Frauen haben diese Philosophie mit Bedacht gewählt, denn jede sollte zunächst einen gewissen „Input“ für die „WEBsen“ leisten.

Das bedeutet, dass das Produkt oder die Dienstleistung, die jede einzelne Unternehmerin vertreibt, fürs Erste zweitrangig ist. „Die Geschäftsfrau sollte beispielsweise erst einmal einen interessanten Vortrag halten, sich selbst damit gut verkaufen und beim Publikum Vertrauen wecken. Interessenten können danach auf sie zugehen und sie persönlich aufs Produkt ansprechen. Mit dem Vortrag, der sich nicht auf das Geschäftliche fixieren sollte, hat aber jeder wertvolle Informationen bekommen“, erzählt Vorstandsvorsitzende und Mit-Initiatorin Diana Hirnigl.

Der Unterschied zu anderen Unternehmens-Netzwerken ist erstmal natürlich das Geschlecht. Es gibt aber bei den „Allgäuer Unternehmerinnen“ noch einen weiteren: Es gibt keine Einschränkung für Mitglieder, die in der gleichen Branche arbeiten. Oft gibt ein Netzwerk vor, jeweils maximal einen Vertreter aus derselben Branche aufzunehmen, um Konkurrenzkämpfe in der Gemeinschaft zu vermeiden.

Die Allgäuer Geschäftsfrauen sind da anders. Sie versuchen einen Mehrwert daraus zu ziehen, dass mehrere Mitglieder einer Branche angehören. Hirnigl hat schon positive Erfahrungen damit gemacht: „Wir hatten eine Friseurmeisterin, die alleine die Miete für Räumlichkeiten nicht hätte stemmen können. In Gesprächen hat sie dann erfahren, dass unter anderem eine Masseurin und eine Visagistin aus unserem Netzwerk auch nach Geschäftsräumen suchen. Zu dritt haben sie es geschafft und haben zusammen ein kleines Wohlfühl-Zentrum errichtet. Diesen Synergieeffekt nutzen wir und machen damit klar, dass wir alle keine Einzelkämpferinnen sein müssen.“

Außer den neuen beruflichen Kontakten, bildet sich natürlich auch eine strukturierte Gemeinschaft, die beispielsweise Informationsveranstaltungen oder Messen organisiert, wie zum Beispiel die Messe „Für S.I.E.“. Sie fand im Herbst 2011 im Kornhaus in Kempten statt und wird im Herbst 2013 wieder veranstaltet.  

Hinter dieser Messe steckt eine Menge ehrenamtliche Tätigkeit. Sponsoren dafür zu finden, war unter den Männern einfacher. „Wir haben bei männlich strukturierten Unternehmen mehr Zuspruch für unser Konzept gefunden, als bei Firmen, die von Frauen geführt wurden. Vielleicht, weil sie selber noch nicht bei uns mitmachen“, erzählt Hirnigl lachend. „Oder es liegt daran, dass Männer in uns Frauen die interessantere Zielgruppe sehen, denn wir kaufen einfach lieber ein.“

Das Netzwerk ist unter anderem auch dafür da, Frauen in ihrer selbstständigen Tätigkeit zu unterstützen und sich gegenseitig zu helfen. Erfahrungsaustausch innerhalb der Gruppe ist wichtig. Auch auf der Website der Allgäuer Unternehmerinnen wird dieses Thema behandelt: „Von Frauen wird einfach mehr erwartet. Leistungsdruck im Beruf, die Koordination von Kind und Karriere, Pflege von Sozialkontakten und familiäre Verpflichtungen. Die Liste lässt sich endlos weiterführen.“

49 Mitglieder hatten den Verein aus der Gemeinschaft der „WEBsen“ im Dezember 2009 gegründet. Kurz darauf waren es bereits über 100 Geschäftsfrauen, die die Gemeinschaft der „Allgäuer Unternehmerinnen“ weiter belebten. Heute gibt es allgäuweit über 170 „WEBsen“.

Der Vorstand gestaltet die monatlichen Treffen mit Vorträgen oder auch Workshops. Prinzipiell kann jede selbstständig tätige Frau den „Allgäuer Unternehmerinnen“ beitreten. Sie muss nur Lust haben, „sich einzubringen und etwas zu bewegen“. Alle Gruppen-Mitglieder erfahren dort Unterstützung, neue Impulse für ihre Arbeit, aber auch Rückhalt und geballte „Frauen-Power“.


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Artikelinfos
AutorLarissa Pucher
Veröffentlichung02.03.2012
Aktualisierung13.06.2017 12:47
Ort Kempten
Schlagwörtergleichstellung, firma, selbstständigkeit, geschäft, frau, frauenquote
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