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25.03.2010 · Kempten (az)

«Wir wollen Herrn S. helfen»

Sexueller Missbrauch - Nach 25 Jahren suchen Stadt und Orden Kontakt zu Opfer

Kempten · Es ist Aufarbeitung, die Stefan S. rund 25 Jahre nach seinem sexuellen Missbrauch durch den Hausmeister im Gerhardingerhaus (wir berichteten) fordert. Diejenigen, «die damals die Verantwortung hatten und sie nicht wahrgenommen haben, sollen sich dessen bewusst werden», sagt der 40-Jährige. In der Verantwortung sieht S. vor allem das Jugendamt und die «Armen Schulschwestern», die damals das Haus leiteten. Die Stadt wie auch der Orden wollen sich nun mit Stefan S. in Verbindung setzen.

Warum haben die Ordensschwestern damals nichts unternommen? Wie hätte es sein können, dass die Schwestern - da sie doch 24 Stunden bei den Kindern waren - nichts gemerkt haben? Diese Fragen beschäftigen Stefan S. noch heute. Und er erhebt weitere Anschuldigungen. In der E-Mail, die er vergangene Woche unter anderem an die Stadt, den Orden und die Stadtratsfraktionen schickte, beschreibt er: «Die Schwestern haben geschlagen, getreten, misshandelt in der übelsten Form.»

Zu diesen Vorwürfen will man sich beim Orden der «Armen Schulschwestern» in München vorerst nicht äußern. Nach Erhalt der E-Mail habe man nun eine Rechtsanwältin eingeschaltet, erläutert Provinzoberin Schwester Charlotte Oerthel auf Nachfrage der AZ. Diese werde sich zunächst mit der Stadt in Verbindung setzen, damit man anschließend gemeinsam Kontakt zu Stefan S. aufnehme.

«Wenn jemand wie er psychisch leidet, müssen wir schauen, was wir da nach Jahrzehnten tun können», meint Oerthel: «Wir müssen darüber reden und versuchen, die Dinge zu bewältigen - damit es gut wird für die Zukunft.» Dass man für eine Aufarbeitung auch die Schwestern, die damals vor Ort waren, mit einbezieht, hält die Provinzoberin für ausgeschlossen: «Viele sind schon tot und die, die noch leben, sind krank.» Wie der Kontakt mit Stefan S. sich letztendlich gestalten wird und wie die Aufarbeitung dann aussieht, sei derzeit noch völlig offen.

Mediation vorgeschlagen

«Wir wollen Herrn S. helfen», betont auch Peter Riegg, Verwaltungsreferent der Stadt. Er erwartete noch gestern den Anruf der Anwältin des Schwesternordens. «Ein gemeinsames oder zumindest abgestimmtes Vorgehen ist da schon sinnvoll», sagt Riegg. Von Seiten der Stadt wolle man eine Mediation vorschlagen und diese auch angehen - «sofern das Opfer einverstanden ist», so Riegg. Wichtig sei aber nun zunächst, erst einmal Kontakt mit Stefan S. aufzunehmen. (bec)

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Artikelinfos
Autoraz
Veröffentlichung25.03.2010
Aktualisierung22.06.2011 16:08
Ort Kempten (az)
Schlagwörterschwester
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