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15.05.2010 · Kempten (az)

Wie Jura Soyfer Kunst mit Politik verband

Film über Wiener Autor sorgt für Diskussionen

Kempten · Den Dokumentarfilm «Der Schatten ist lang» über den politischen österreichischen Dichter Jura Soyfer (1912-1939) und seine Zeitgenossen zeigte das Kemptener Theater in Kooperation mit dem Verein Zeitlupe zum Auftakt des internationalen Theaterfestivals «Die Weltreise des Lechner Edi». Regisseurin Dr. Eva Brenner aus Wien, die zusammen mit dem Sozialwissenschaftler Dr. Peter Kreisky in den Film einführte, sagte, sie habe die außergewöhnliche Verbindung von Politik und Kunst bei diesem Dichter interessiert.

In New York ist sie Jugendfreunden Soyfers begegnet. Helli Andis, die Jugendliebe des Schriftsteller hatte seine Manuskripte ins Exil gerettet. Der 1994 entstandene Film führt in die Zeit des «Roten Wiens» (1919-1934), das mit seinen kulturellen, städtebaulichen und sozialen Reformen ein Modellfall internationaler Kommunalpolitik gewesen sei.

Die Freunde um Soyfer waren Teil dieses Aufbruchs und verbanden politischen Aktionismus mit künstlerischen Experimenten. Diese Aktionen wurden von den Nationalsozialisten jäh zerschlagen. Jura Soyfers Fluchtversuch auf Skiern über die Schweizer Grenze scheiterte. Er wurde nach Dachau und später nach Buchenwald gebracht. Dort hat er ein Widerstandslied, das als «Dachau-Lied» bekannt und von Lager zu Lager verbreitete wurde, gedichtet.

Der Film ist ein bewegendes Zeugnis über die Zeit der Weltwirtschaftkrise und in seiner Problematik so aktuell, dass bis spät in die Nacht hinein an der Theaterbar diskutiert wurde. (jms)

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Artikelinfos
Autoraz
Veröffentlichung15.05.2010
Aktualisierung16.04.2013 12:46
Ort Kempten (az)
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