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26.03.2012 · Füssen

Wertachtal-Werkstätten bieten neuerdings Ausbildungsplätze für Jugendliche an

Wieder Nachwuchs in Marktoberdorf

Wertachtal · Michael Fischer und Andreas Ziegele sind beschäftigt: Während Andreas Garnspulen aus Plastik zusammensteckt, befüllt Michael Tütchen mit Ersatzteilen für Fendt. Ihr „Meister“ Stefan Thiel geht ihnen dabei auch mal zur Hand.

Wertachtal-Werkstätten bieten neuerdings Ausbildungsplätze für Jugendliche an
Andreas Ziegele (links) und Michael Fischer (rechts) haben das Down-Syndrom. Ihre ersten Arbeitsschritte machen beide bei den Wertachtal Werkstätten in Marktoberdorf. Stefan Thiel hilft ihnen dabei. Bild: tobias bunk
Seit September arbeiten beide Ostallgäuer in den Wertachtal-Werkstätten in Marktoberdorf. „Berufliche Bildung“ heißt ihr 27-monatiges Programm. Ein Neubeginn ist das nicht nur für die Jugendlichen.

Auch für die Wertachtal-Werkstätten in Marktoberdorf hat ein neuer Abschnitt begonnen: In den vergangenen 15 Jahren war die Berufliche Bildung nur am Standort Kaufbeuren angesiedelt.

Doch die beiden 19-Jährigen sind keine klassischen Auszubildenden. Sie haben das Down-Syndrom und sind nach der Förderschule in die Arbeit eingestiegen. In Marktoberdorf machen Michael, Andreas und ein weiterer Mann mit Behinderung ihre ersten Arbeitsschritte.

Weiterer Nachwuchs wird folgen, sagt Stefan Gerlach vom Sozialdienst der Wertachtal-Werkstätten. „In Marktoberdorf wurde die Berufliche Bildung wieder möglich, weil der Bezirk neue Plätze genehmigt hat.“

Stefan Thiel leitet die Marktoberdorfer Gruppe, Michael, Andreas und er duzen sich. An ihren Tischen erledigen die jungen Männer ihre Aufgaben. Beiden macht ihre Arbeit Spaß. „Ich will jetzt lieber arbeiten“, sagt Michi, wie er von vielen auch genannt wird, lachend. „Er geht gerne hin und war froh, dass er die Schule nach zwölf Jahren abgeschlossen hat“, bestätigt seine Mutter Rosi Fischer.

Gearbeitet wird täglich von 8 bis 15.45 Uhr, natürlich mit Pausen. „Aber das ist keine klassische Berufsausbildung“, sagt Stefan Gerlach vom Sozialdienst der Werkstätten. Die Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung würden ermittelt und geschaut, welcher Werkstattbereich am besten zu ihnen passt.

Nur ganz wenige könnten dann aus der Werkstatt in den freien Arbeitsmarkt vermittelt werden. Dazu bräuchten die Firmen auch Paten, die für die Beschäftigten mit Handicap da sind. „Uns geht es darum, den jeweils besten Weg für die Leute zu finden“, erzählt Gerlach – ob in der Werkstatt oder draußen.

Beide sind Bayern-Fans

Jüngst wurde der Welt-Down-Syndrom-Tag gefeiert. Beim Down-Syndrom handelt es sich um eine geistige Behinderung infolge einer genetischen Veränderung, die von Geburt an besteht. Nicht mehr verwendet wird heute die frühere Bezeichnung „mongoloid“.

„Wir machen auch mal Ausflüge oder gehen ins Kino“, sagt Thiel. Integration gehöre zum Auftrag, erklärt Gerlach. Beide Azubis verbindet auch die Liebe zum FC Bayern. Michael feuert zudem regelmäßig die Westendorfer Ringer an und ist Fan des EV Füssen. Einmal pro Woche trainiert er bei der Kaufbeurer Werkstatt-Fußballmannschaft mit: „Da spiele ich in der Abwehr“, erzählt Michael nicht ohne Stolz.

Andreas spricht nur wenig. „Es macht ihm Spaß, etwas mit den Händen zu arbeiten“, erzählt Vater Artur Ziegele. Andreas und Michael bekommen monatlich 70 Euro Taschengeld für ihre Arbeit. Sie können die Werkstattbereiche Holz, Metall, Elektro, Montage und Garten kennenlernen. Michael hat für die Zeit nach der Beruflichen Bildung schon einen Bereich im Blick: „Die ,Fendt-Montage’ gefällt mir am besten.“

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Artikelinfos
Autortobias bunk
Veröffentlichung26.03.2012
Aktualisierung17.04.2013 11:04
Ort Füssen
Schlagwörternachwuchs, jugendliche, ausbildung
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