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24.09.2007 · Allgäu

„Schatten der Vergangenheit überwinden“

Hohenelbe-Heimattreffen: Redner betonen zum 50-jährigen Bestehen der Patenschaft Marktoberdorfs den versöhnlichen Charakter der Zusammenkünfte. Gedenkstein vor dem Rathaus enthüllt

Marktoberdorf | hie | Aus Anlass der 50-jährigen Patenschaft von Marktoberdorf zu Hohenelbe bat Bürgermeister Werner Himmer zu einem Empfang in den Rathaussaal. In seiner Ansprache bezeichnete er die Bundestreffen der Hohenelber als Gelegenheit zum Austausch von Erinnerungen, aber auch von Begebenheiten aus der Gegenwart. Die ehemaligen Vertriebenen seien integriert, neue Kontakte seien entstanden. Himmer erzählte von hohen Geburtstage und Ehejubiläen, zu denen er Marktoberdorfer Bürgern gratuliert. Dort treffe er oft Landsleute aus dem Riesengebirge, die sich einen Partner aus dem Allgäu gewählt haben. In einem zusammenwachsenden Europa biete die Partnerschaft zu Vrchlaby, wie Hohenelbe heute in Tschechien heißt, die Gelegenheit, weiter aufeinander zuzugehen und durch möglichst viele Gespräche die Schatten der Vergangenheit zu überwinden. Himmer lobte den versöhnlichen Charakter der Treffen in Marktoberdorf.

Christian Eichmann, Vorsitzende des Heimatkreises Hohenelbe, sah, nachdem die Integration in Marktoberdorf vollzogen ist, in der Zusammenarbeit mit den Tschechen eine neue Aufgabe für den Heimat-kreis. Mit friedlichen Mitteln könne es eine Verständigung geben. Im Hinblick auf die Alterspyramide sei es verstärkt notwendig, auf die jüngere Generation zuzugehen.

Auch Bürgermeister Jan Sobotka aus Vrchlaby bestärkte den Gedanken der Völkerverständigung: „Wir wollen auch in Zukunft in einer so herzlichen Verbindung bleiben,“ wünschte er sich. Er lobte die gegenseitigen Besuche und die gute Zusammenarbeit mit dem Heimatkreis und der Stadt. Er überreichte Bürgermeister Himmer ein in Tschechien erschienenes Buch über das Riesengebirge, erstmals mit tschechischem und deutschem Text.

In Anerkennung ihrer Verdienste um die 50-jährige Partnerschaft trugen sich die Ehrengäste in das Goldene Buch der Stadt ein.

Gedenkstein mit Rübezahl-Relief vor dem Rathaus-Eingang

Fortgetragen wurde der Gedanke der Versöhnung und Verständigung mit einem Gedenkstein, der am Rathaus beim Bücherei-Eingang enthüllt wurde: Rübezahl, der Berggeist aus dem Riesengebirge ist in seinen Stein gemeißelt. Eine Inschrift erinnert an die Vertreibung und bekräftigt die Integration der einst Heimatlosen in Marktoberdorf. Den Gedenkstein hat der Heimatkreis gestiftet.

Mit einem Heimatabend ging der an Ereignissen reiche Tag zu Ende: Bürgermeister Himmer lobte den Mut, den Ideenreichtum und den Fleiß der Vertriebenen aus Hohenelbe, von denen rund 2000 im Landkreis Marktoberdorf und allein 700 in der Stadt ein neues Zuhause gefunden haben. Ohne sie wäre Marktoberdorf nicht das, was es heute darstellt. Er verwies auf die Reise des Stadtrats nach Hohenelbe im Juli, welche Brücken geschlagen und Verständnis aufgebaut habe.

Gerhard Müller von der Sudentendeutschen Landsmannschaft rief nicht nur die Vertreibung nochmals ins Gedächtnis, sondern auch das Ankommen der zunächst ungeliebter Flüchtling in der Nachkriegszeit.

Auch für Unterhaltung war gesorgt: Die Stadtkapelle spielte schwungvoll auf und Mundartvorträge riefen den Hohenelbern den vertrauten Klang ihres Dialekts wieder ins Gedächtnis. Für einen Höhepunkt sorgte eine Schauspielgruppe des mobilé. In dem Stück „Geht’s weiter! Weiter geht’s!“ wurden frisch angekommene Vertriebene in ihre neuen Unterkünfte zugeteilt. Die kurzen Szenen, welche die erste zaghafte Annäherung zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen darstellten, wurden vom Publikum sichtbar wiedererkannt und heftig beklatscht.

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Artikelinfos
Veröffentlichung24.09.2007
Aktualisierung15.06.2011 10:53
OrtAllgäu
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