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15.06.2011 · Füssen

Neue Stadtführung in Füssen entführt in ferne Jahrhunderte

Zünfte, Flößer, Aberglaube - Stadtmauer beeindruckt

Mittelalterliches Füssen · «Auf die Stadtmauer bin ich besonders neugierig», verrät Karin Frentzke. Die Frau aus Bad Faulenbach zählt zur Handvoll Füssener in der 35-köpfigen Gruppe, die an diesem Tag eine besondere Premiere erleben: eine mittelalterliche Stadtführung. Karin Ried von Füssen Tourismus und Marketing (FTM) entführt ihre Zuhörer in eine ferne Zeit, als die großen Stadttore noch intakt waren, als Zünfte und Bischöfe regierten, als Seuchen, Armut und Aberglaube zum Alltag gehörten.


Vom Augsburger Tor an der unteren Reichenstraße geht der Weg zum Seilerturm. Auf dem geraden Stück der Stadtmauer drehten die Seiler im Mittelalter ihre langen Seile, so die Erklärung des Namens. Das 15. und 16. Jahrhundert wird als die «Goldene Zeit» für die Stadt bezeichnet: Handel und Handwerk erfuhren eine Blüte. Und Füssen, das im 13. Jahrhundert zur Stadt erhoben wurde, wuchs.

Auch Mangold Pott-Rupsch richtet am Schrannenplatz, dem früheren Kornmarktplatz, den Blick nach oben zu den Krangauben, dem Zugang zu den ehemaligen Lagerstätten. Ried würzt ihre Erläuterungen zu heute üblichen Begriffen, indem sie ihre Gäste über deren Herkunft aufklärt.

«Das Schlitzohr etwa kommt vom ausgerissenen Ohrring eines betrügerischen Zunftmitgliedes» - die Geldschneiderei durch das Feilen an Münzen war einst üblich, um an wertvolles Metall zu kommen.

Durch die Drehergasse, vorbei an der Brunnengasse, geht es zum Kappenzipfel, dem östlichen Ende der mittelalterlichen Stadt. Das Pfarrgässchen, früher ein einfacher Holzsteg über den Stadtgraben, führt weiter zum Sebastians-Friedhof, den mittelalterlichen Krautgärten der Stadt, wo eine kleine Kapelle stand. Der Bereich wurde 1503 in die Stadtmauer einbezogen.

Dass Füssen 1313 an den Fürstbischof von Augsburg gegen 400 Silbermünzen Augsburger Gewicht verpfändet wurde (das entsprach etwa zehn Panzerreitern samt Rössern und wurde nie mehr eingelöst) erklärt die Besitzrechte des Fürstbischofs. Über den Lech, die Lebensader der Stadt, fuhren die Flößer mit ihrer Fracht bis nach Wien und Budapest. Allein nach Augsburg wurden pro Jahr bis zu 350000 Baumstämme verkauft.

Über die Lechhalde führt Ried in den Wirtschaftshof des Klosters St. Mang und weiter zum Hohen Schloss. Für Waltraud Pries aus Unterfranken eröffnen sich ganz neue Perspektiven: Sie staunt über die kleinen Fenster, hinter denen die Delinquenten auf das Halsgericht warteten. Zweimal im Jahr kam der Richter aus Augsburg nach Füssen - so musste mancher Angeklagte lange auf Urteil und Vollstreckung warten.

Regelmäßiger Gast war zudem kein geringerer als Kaiser Maximilian I. mit seinem Tross: Über 40 Mal weilte er in Füssen, «was nicht unbedingt die Moral der weiblichen Bevölkerung förderte», so Ried augenzwinkernd.

Die Mittelalter-Führung beginnt im Sommer jeden Mittwoch um 16.30 Uhr. Details unter Telefon 08362/93850.

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Artikelinfos
AutorGisela Schroeder
Veröffentlichung15.06.2011
Aktualisierung17.04.2013 09:11
Ort Füssen
Schlagwörtergeschichte, mittelalter
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