Menü Suche Impressum

Ihre Region: 

18.08.2006 · Allgäu

Nach Operation überaus glücklich

Künstliches Hüftgelenk schenkt Amgad Nabil neue Lebensqualität - Alles gestiftet

Von Gerlinde Schubert Marktoberdorf - Er ist überaus glücklich. Seine Augen lachen und leuchten, als er in den wenigen englischen Worten, die er gelernt hat, Dankeschön sagt. Der Ägypter Amgad Nabil hatte großes Glück. Ein künstliches Hüftgelenk wird es ihm ermöglichen, wieder ohne Schmerzen laufen zu können. Vor zehn Tagen setzte ihm der Marktoberdorfer Orthopäde Dr. Hans Breitruck die Prothese ein, ohne einen Cent dafür zu berechnen. Kostenlos stellte das Marktoberdorfer Krankenhaus Zimmer und Dienstleistungen rund um die Operation zur Verfügung. Schon am Montag geht die stationäre Behandlung zu Ende. Zur weiteren Genesung nimmt Familie Keiling vom Marktoberdorfer Verein „Müllstadtkinder Kairo“ den Patienten für weitere drei Wochen auf. Der Verein hat Amgad Nabil diese Behandlung vermittelt. Der 29-jährige Ägypter lebt in der Müllstadt Kairo und ist wie alle Bewohner dort vollkommen mittellos. Von Geburt an leidet er unter einer Hüftfehlstellung (Dysplasie). In Deutschland, wo jedes Baby daraufhin untersucht wird, wird diese Behinderung früh mit Spreizhosen behoben. Dagegen lebte der junge Ägypter bis jetzt mit diesem Handicap, das immer schmerzhafter wurde. Wie Dr. Breitruck erklärt, hatte sich eine Arthrose entwickelt, der Hüftkopf sei zerstört gewesen. Dank des künstlichen Gelenkes habe der Patient nun wieder die Gehfähigkeit erlangt. Die Prothese, die etwa 2000 Euro kosten würde, sei vom Hersteller gestiftet worden. Dank des äußerst verschleißarmen Materials gehe er, so Breitruck, davon aus, dass sie mindestens 20 Jahre lang ihre Dienste tun wird. Gleichzeitig sei bei der Operation die Verkürzung eines Beines um 2,5 Zentimeter behoben worden.

Aus Dankbarkeit In Kliniken, in denen er früher gearbeitet habe, so Breitruck, seien solche kostenlosen Operationen öfter durchgeführt worden. In Marktoberdorf sei dies sein erster solcher Fall. „Man muss dankbar sein, in Deutschland leben zu können und zwei gesunde Kinder zu haben“, sagt der Arzt. Und für dieses Glück müsse man auch etwas zurückgeben. Deshalb habe er die Operation gerne kostenlos gemacht. Auch das Marktoberdorfer Krankenhaus stellte seine Dienstleistungen ohne Berechnung zur Verfügung. In seiner Heimat hätte der junge Mann keine Chance gehabt, operiert zu werden. Die Operation für Amgad Nabil ist die erste größere Aktion des Vereins „Müllstadtkinder Kairo“, dem auch Bernd Keiling angehört. Bei seiner Familie waren der Ägypter und seine zwei Begleiter, die sich in der Müllstadt für die Menschen dort engagieren, untergebracht. Dort werden sie auch bis 11. September bleiben. In der Müllstadt, in der die Bewohner vom Verkauf der aus dem Hausmüll aussortierten Wertstoffe leben, will sich der Verein noch stärker als bisher engagieren. In erster Linie soll eine Erste-Hilfe-Station eingerichtet werden. Denn die medizinische Versorgung gehe gegen Null. Auch Amgad Nabil will dort für eine Verbesserung der Lebensqualität arbeiten, wenn er wieder zurück ist. Es gibt viel zu tun. Von Marktoberdorf aus soll ein Waisenhaus weiterhin mit Sachspenden unterstützt werden. Gearbeitet wird auch an einer Verbesserung der Wasserversorgung für die Müllstadtbewohner. Nicht zuletzt richtet der Verein Unterrichtsräume ein, um den Kindern eine Chance auf Bildung zu ermöglichen. Auch ein Fußballplatz soll angelegt werden. Nach Weihnachten reist eine Marktoberdorfer Gruppe in die Müllstadt, um diese Projekte vor Ort mit angehen zu können. i Der junge Marktoberdorfer Verein „Müllstadtkinder Kairo“ hat ein Spendenkonto eingerichtet bei der Raiffeisenbank Marktoberdorf, Kontonummer 5902592, Bankleitzahl 73460040.

anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Artikelinfos
Veröffentlichung18.08.2006
Aktualisierung03.09.2007 11:10
OrtAllgäu
Schlagwörter
anzeige

anzeige