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13.04.2010 · Kempten (az)

Missbrauchsopfer lehnt Gespräch vorerst ab

Gerhardingerhaus - Angebot der Stadt ausgeschlagen - Weitere Vorwürfe

Kempten · 25 Jahre ist es her, dass Stefan S. im Gerhardingerhaus durch den Hausmeister sexuell missbraucht wurde. Heute fordert er von allen Beteiligten Aufarbeitung. Aber nicht seinetwillen: «Ich komme mit meinem Leben schon klar, meine Internetseite war meine Therapie», meint S. «Die sollen bei sich aufräumen», ist seine Forderung an die Stadt, das Gerhardingerhaus und die Armen Schulschwestern, die die Einrichtung damals leiteten. Eine Einladung der Stadt zu einem moderierten Gespräch schlug er vorerst aus.

Missbrauch im Heim holt Stadt nach 25 Jahren ein
«Als Träger des Hauses hat die Stadt eine gewisse Verantwortung. Wir möchten und werden dem Opfer helfen, so weit es geht.»Peter Riegg, Verwaltungs- und Finanzreferent der Stadt «Mit der ... Bild: ralf lienert
«Sie dürfen versichert sein, dass auch wir an einer Aufklärung großes Interesse haben und Sie bei Ihrem Wunsch auf Aufarbeitung unterstützen werden», heißt es in einer E-Mail, die Verwaltungsreferent Peter Riegg und Benedikt Mayer, Leiter des Jugend-, Schul- und Sozialreferats, am 25. März an S. schickten. Eine offene und transparente Klärung werde für die Stadt selbstverständlich sein. Riegg und Mayer schlugen S. vor, «im Rahmen eines moderierten Gesprächskreises mit Vertretern der Schwesterngemeinschaft, der Katholischen Waisenhausstiftung und der Jugendhilfe die Vorgänge soweit noch möglich aufzuarbeiten zu versuchen». Dafür solle S. nach Kempten kommen.

Noch nicht bereit

Noch, betonte S. gestern am Telefon gegenüber der AZ, sei er dafür nicht bereit. Er erwarte vielmehr von allen Verantwortlichen eine offizielle Entschuldigung, «irgendeine Form der Wiedergutmachung» und die Bereitschaft «zu einer ehrlichen und kompromisslosen Aufarbeitung». Diese vermisse er bislang, betont S. und erhebt weitere Vorwürfe. So sei er nicht erst ab einem Alter von 15 Jahren vom Hausmeister missbraucht worden, sondern bereits drei Jahre zuvor. Auch habe es Übergriffe von einem anderen Heimbewohner gegeben und die Schulschwestern hätten nicht nur ihn, sondern auch andere Kinder körperlich misshandelt. Der Heimleiter und Vertreter des Jugendamts hätten weggesehen. «Ich will und brauche keine Hilfe», sagt S.

: «Für die Verantwortlichen muss es Konsequenzen geben.» Denn was damals geschehen sei, sei zwar rechtlich verjährt, nicht aber moralisch.

«Wir sind ja bereit zur Aufarbeitung, aber nach all den Jahren ist das nicht so einfach», betont dagegen Mayer. Teilweise seien Akten bereits vor vielen Jahren vernichtet worden und viele Vorwürfe ließen sich durch die vorhandenen Unterlagen einfach nicht belegen. Noch gestern schrieb er S. auf seine Antwort-E-Mail, die ebenfalls gestern bei der Stadt einging, zurück. «Darin machen wir ihm noch einmal das Angebot, ein Gespräch mit den Beteiligten zu führen», so Mayer. Seiner Ansicht nach kann die ganze Angelegenheit nur im direkten Kontakt geklärt werden. (bec)



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Autoraz
Veröffentlichung13.04.2010
Aktualisierung16.04.2013 12:51
Ort Kempten (az)
Schlagwörtermissbrauch
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