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18.09.2010 · Lindenberg (az)

«Lediglich ein neuer Name»

Interview - Schulleiter Gerhard Hoffmann zur neuen Mittelschule: Alles bleibt beim Alten - Vorerst keine zusätzlichen Fahrten

Lindenberg · Seit Beginn dieses Schuljahres gibt es im Westallgäu keine Hauptschule mehr - stattdessen das vom Kultusministerium geschaffene Konstrukt der neuen bayerischen Mittelschule. Um diese Schulform auch längerfristig anbieten zu können, haben sich die beiden Hauptschulen im unteren wie im oberen Landkreis zu Schulverbünden zusammengeschlossen. Dem Schulverbund Weiler-Lindenberg steht Gerhard Hoffmann vor, Leiter der Mittelschule Lindenberg - bis vor Kurzem Hauptschule Lindenberg. Geändert hat sich außer dem Namen bislang nichts, erklärt Hoffmann im Interview.

Herr Hoffmann, als das Kultusministerium vor etwa einem Jahr erstmals die neue Mittelschule ankündigte, glaubte kaum jemand, dass die Reform innerhalb so kurzer Zeit umgesetzt werden könnte. Ist die Neuerung im Westallgäu reibungslos über die Bühne gegangen?

Gerhard Hoffmann: Für mich ist das gar keine Reform. Dafür müsste sich grundlegend etwas ändern - und das ist nicht der Fall. Wir haben lediglich diesen neuen Begriff der Mittelschulen.

Sie sehen sich also in Ihrer Kritik bestätigt, die Sie schon vor einem Jahr geäußert haben: dass die Mittelschule keine qualitative Verbesserung bringt - lediglich einen neuen Namen ?

Hoffmann: Ja, dabei bleibe ich uneingeschränkt.

Was macht dann die neue Mittelschule aus?

Hoffmann: Das Ministerium stellt Anforderungen an die bisherigen Hauptschulen, damit sie sich Mittelschule nennen dürfen. Das sind etwa Ganztagesklassen, Praxisklassen, Kooperationen mit Berufschule und Arbeitsamt, ein kompletter M-Zug und ein arbeitspraktischer Komplex. Vielen Hauptschulen gelingt das nicht, weil sie zu klein sind. Deshalb werden Schulverbünde gegründet. Es sind Zweckgemeinschaften. Weiler und Lindenberg sind bisher noch groß genug, um alle Angebote vorzuhalten. Deshalb läuft auch alles wie bisher. Es gibt die Angebote an beiden Orten, wir haben alle Kurse zustande gebracht und brauchen keine zusätzlichen Busfahrten.

Und in Zukunft?

Hoffmann: Ich gehe davon aus, dass sich das ab nächstem Jahr ändern wird. Grund sind die zurückgehenden Schülerzahlen - wegen der demografischen Entwicklung und aus schulpolitischen Gründen. Lindenberg als die größere Schule wird dann wohl der Standort für die Angebote des Mittlere-Reife-Zugs, für Ganztagesklassen und wie schon bisher die Praxisklasse. Bei den arbeitspraktischen Angeboten muss man schauen wie die Fächer - je nach Nachfrage der Schülerinnen und Schüler - auf beide Standorte verteilt sind.

Stellt nicht der arbeitspraktische Komplex eine Neuerung dar?

Hoffmann: Nein, diese Angebote hatte man auch vorher schon, sie hießen nur anders. Aus dem gewerblich-technischen Bereich wurde Technik, aus dem kommunikationstechnischen Bereich wurde Wirtschaft und aus dem hauswirtschaftlich-sozialen Bereich wurde Soziales.

Die Mittelschule bringt in Ihren Augen also keine Verbesserung?

Hoffmann: Das einzige was es bringt, ist, dass vielleicht die durchschnittliche Schülerzahl sinkt. Das ist zwar nicht eigentliches Ziel der Sache, aber wir haben weniger Schüler. Und je weniger Schüler in einer Klasse sind, desto besser können wir unterrichten.

Wenn ich aber sehe, dass Schüler mit einem schlechteren Schnitt in den Kernfächern auf die Realschule können aber nicht in den M-Zug, dann sehe ich nicht, dass die Hauptschulen durch die Mittelschule gestärkt werden. (ins)

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Artikelinfos
Autoraz
Veröffentlichung18.09.2010
Aktualisierung17.04.2013 09:01
Ort Lindenberg (az)
Schlagwörterinterview, hoffmann
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