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13.08.2010 · Lindau | Von Ingrid Grohe

Kunst-Schnitzeljagd über die Insel

Sommerausstellung - Arbeiten von 16 jungen Künstlern laden in Lindau zur Auseinandersetzung ein - Viel Witz und Poesie

Lindau · Wer Lindau mal ganz anders erleben will, kann die Insel derzeit auf einer Art Kunst-Schnitzeljagd erforschen. Unter dem Titel «Provinz» verteilt sich eine Ausstellung über die gesamte Altstadt, die von drei jungen Männern kuratiert und von 16 jungen Künstlerinnen und Künstlern bestückt wurde. Unbeschwertheit, Gestaltungsfreude und Poesie vermittelt diese Schau.

Kunst-Schnitzeljagd über die Insel
Den Einfallsreichtum junger Künstlerinnen und Künstler können Besucher der Lindauer Insel erleben. Sie stoßen auf Verblüffendes, beispielsweise eine gekentertes Boot im Hafen, eine Schaukel im ... Bild: ingrid grohe/matthias becker

Den großen Smiley auf dem Leuchtturm im Hafen braucht der Lindau-Besucher nicht lange zu suchen. Julius von Bismarck nennt seine Arbeit «Fühlometer». Ob das Strichgesicht lacht oder verdrossen dreinschaut, ist von den Menschen im Hafen abhängig. Eine Kamera zeichnet deren Mimik auf, daraus errechnet ein Computerprogramm die allgemeine Stimmungslage in Lindau. Diese Lichtinstallation macht es dem Publikum leicht - eine witzige und gefällige Idee.

Auch viele andere Arbeiten umschmeicheln die Besucher und laden sie ein, Teil zu haben an der Kunst. Thilo Frank lockt an verschiedenen Standorten - zwischen Hinterer Insel (im Wasser) und Stadtgarten mit «Reflected Phoenix», verspiegelten Holzschaukeln an langen Seilen.

Er steigert sein Versprechen von Abheben und Schwerelosigkeit in seiner sinnlich-poetischen Installation «The Poenix is closer than it appears» in der Barfüßerturnhalle: Die Schaukel hängt in einem auf allen Seiten verspiegelten Kubus. Wer diesen Würfel betritt, die Tür hinter sich schließt und auf der Schaukel zu schwingen beginnt, erfährt einen Raum von grenzenloser Tiefe. Mit verzückten Gesichtern verlassen die Menschen dieses Objekt.

Alle Werke der Ausstellung fordern Auseinandersetzung. Im Innenhof des Stadtmuseums überraschen geometrische Formen in Schock-Orange - die Erkennungsfarbe der Aktion «Provinz» - an alten Balken und dicken Wänden.

Wer durch ein Gittertor in den Hof schaut und den richtigen Blickwinkel findet, für den fügen sich die Fragmente zu geschlossenen Kreisen zusammen, die wie eine Schablone über der Ortssituation liegen.

Wenig Bezug zum Thema

Der Begriff «Provinz» als Thema einer Kunstausstellung mag bei Kunstinteressierten die Erwartung wecken, Ironisches, möglicherweise auch Provokantes vorzufinden. Dem ist in Lindau nicht so. Wie so oft bei Themenausstellungen fasst diese Schau viele interessante Arbeiten zusammen, die nur wenig erkennbaren Bezug zum Titel haben. Seis drum.

Einer der Initiatoren, der in Lindau geborene und in Berlin lebende Korbinian Kainz, erläutert, dass die drei Ausstellungsmacher bei der Verwirklichung ihres ambitionierten Projekts Provinz als etwas ausgesprochen Positives erlebt haben. Dank eines gut funktionierenden Netzwerkes ihrer Ansprechpartner vor Ort, dank des Lindauer Jeder-kennt-Jedens wurde die Initiative in der bayerischen Provinz effektiv unterstützt. Privatleute, Handwerker und Industriebetriebe leisteten ihre Beiträge.

Zu sehen bis zum 28. August.

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Artikelinfos
AutorVon Ingrid Grohe
Veröffentlichung13.08.2010
Aktualisierung16.04.2013 12:47
Ort Lindau | Von Ingrid Grohe
Schlagwörterausstellung
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