Menü Suche Impressum

Ihre Region: 

10.05.2011 · Marktoberdorf

Klinikszenarien im Kreisausschuss vorgestellt

«Der Verbund leistet sich derzeit sehr viel»

Unternehmensberater · «Das Klinik-Kommunalunternehmen muss sich verändern, um weiterhin existieren zu können.» Dieser Satz stellt für Landrat Johann Fleschhut eine «unverrückbare Wahrheit» dar.

Kliniken in Kaufbeuren und im Ostallgäu
v Bild: mathias wild
Dass die Meinung, wie tief greifend diese Veränderungen sein werden, auseinandergehen, zeigte das Referat der Unternehmensberatung Kienbaum im Kreisausschuss: Dr. York Dhein machte klar, dass nur durch Schließung mindestens einer Klinik (Marktoberdorf) das Unternehmen ab 2013 schwarze Zahlen schreiben könne. Klar ist auch, dass die Kommunalpolitiker eher die Neustrukturierung der fünf Häuser wollen - auch wenn ein Defizit von bis zu einer Million Euro bleibt.

Im Kreisausschuss wurde das Referat der Kienbaumberater Dhein und Manuel Feldmann kurzfristig öffentlich angesetzt, während die Diskussion der Kreisräte anschließend intern blieb. Genannt wurden dabei auch Zahlen zur Defizitentwicklung des Kommunalunternehmens (KU). Dr. Joachim Klasen, Vorstand des KU, berichtete, dass nach 3,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr heuer wieder 6,2 Millionen Defizit erwartet werden. Es könnte sogar noch mehr werden. «Der Handlungsdruck wird größer», so Klasen. Denn die Fallpauschalen seien neu bewertet worden, was letztlich geringere Einnahmen bedeute. Zudem gebe es «drastische Leistungsrückgänge», also weniger Patienten - vor allem in Buchloe, Obergünzburg und Marktoberdorf.

Die Berater betteten ihr Konzept in das gesundheitspolitische Umfeld ein. Feldmann machte klar, dass man durch noch größere Leistung nicht mehr Patienten bekommen könne. Wichtig sei vielmehr eine «Effektivitätssteigerung durch Leistungsbündelung». Im Klartext bedeutet dies: Bestimmte Operationen werden nicht mehr an allen Standorten angeboten. Füssen und Kaufbeuren werden Schwerpunktkrankenhäuser, die drei kleineren Häuser sollen sich auf ihre Spezialgebiete konzentrieren, mit «minimalem stationären Betrieb». Dadurch spare man hohe Vorhaltekosten, denn: «Der Verbund leistet sich hier derzeit sehr viel», so Feldmann.

Dhein und Feldmann erläuterten, warum die Einschnitte bei der Akutversorgung Marktoberdorf im besonders stark treffen: Die Nähe zu Kaufbeuren verschlechtere die Versorgung der Bürger hier am wenigsten. Zudem dürften auf diese Weise die wenigsten Patienten dem Gesamtunternehmen verloren gehen. Obergünzburg und Buchloe würden hingegen durch ihre Randlage ihre Patienten stark an die Kliniken außerhalb des Landkreises abgeben. In die Szenarien habe man dennoch berücksichtigt, dass sich ein Teil der Patienten ein Haus außerhalb des KU sucht.

Gespräch über Fördergelder

Dargestellt wurde auch, dass durch die neue Struktur möglicherweise Fördermittel zurückgezahlt werden müssen. Da dies Verhandlungssache mit dem Ministerium sei - in ähnlichen Fällen lag laut Kienbaum die Rückforderung zwischen 0 und 100 Prozent - habe man dies bisher noch nicht eingerechnet. Klärung soll ein Gespräch im Ministerium bringen. In den vergangenen Jahren summierten sich die Fördergelder auf rund 93 Millionen Euro - davon allein 44,3 Millionen in Kaufbeuren.


anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Artikelinfos
AutorVitalis Held
Quelleverbund,leistet,klinikszenarien,kreisausschuss,vorgestellt,unternehmensberater
Veröffentlichung10.05.2011
Aktualisierung05.11.2013 16:02
Ort Marktoberdorf
Schlagwörter
anzeige

anzeige