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22.08.2008 · Allgäu

Klinik-Station nur vorübergehend zu

Krankenhaus Neuer Manager bemängelt geringe Auslastung in Marktoberdorf

Marktoberdorf/Ostallgäu | vit | Geschlossen ist momentan der dritte Stock des Marktoberdorfer Krankenhauses. Als Grund nennt Karl Spindler, Interims-Vorstandsvorsitzender der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, die derzeit geringe Auslastung. Während des Urlaubs des Urologen habe man daher auch in der Vergangenheit immer wieder dessen Station geschlossen.

Spindler trat im Juli die Nachfolge des freigestellten Rainer Wuttke an und wird voraussichtlich bis Frühjahr 2009 im Amt bleiben. Bei seiner Analyse fiel ihm auf, dass das Marktoberdorfer Krankenhaus mit rund 120 Planbetten nur zu 68,2 Prozent ausgelastet ist. Rein rechnerisch seien «29 Betten überflüssig». Um Kosten zu sparen, ließ er den dritten Stock schließen. Dort ist die Belegabteilung Urologie untergebracht. Überlegung war zunächst, die Betten längerfristig stillzulegen, um Personalkosten zu sparen, erklärt Spindler. Gespräche hätten aber gezeigt, dass dies nicht so einfach möglich ist. Denn man könne die Patienten nicht willkürlich zusammenlegen. Geschlecht und Alter spielen dabei genauso eine Rolle wie Infektionsrisiko.

Auch früher blieb die Belegstation geschlossen, wenn er Urlaub hatte, bestätigt der Urologe Dr. Norbert Friedl. Ihm sei inzwischen zugesichert worden, dass er nach dem Urlaub ab 8. September wieder seinen Operationsbetrieb mit eigener Station aufnehmen könne. Die festen Betten brauche er, da «ich nicht durch das ganze Haus laufen kann, um meine Patienten zu finden». Zudem sei sein Personal fit in der Betreuung der jährlich 400 bis 500 Urologie-Patienten. Dies spiele für die Klinikzertifizierung eine Rolle.

Der Urologe bietet bei zehn Belegbetten fast das Spektrum einer Hauptabteilung an. Dies möchte Friedl gerne weiterhin in Marktoberdorf vorhalten. Denn die Beleger (Orthopäden und Urologen) seien sehr wichtig für den Bestand der Klinik. Dennoch war es dringender Wunsch des Sozialministeriums, dass die Belegabteilung mittelfristig nach Kaufbeuren zieht.

Nun freut sich Friedl, wenn Landrat Johann Fleschhut erklärt, hier sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Obergünzburg wirtschaftlich

Die Belegungszahlen stellte Spindler nicht nur in Marktoberdorf auf den Prüfstand. Er verweist darauf, dass eine Auslastung von 85 Prozent Vorgabe der Krankenhausplanung sei. In Privatkliniken erwarte man 94 Prozent. Für das Ostallgäu habe er 90 Prozent als Ziel formuliert. Davon sind alle Häuser weit entfernt: Füssen liegt aktuell bei 67,1 Prozent, Buchloe bei 73,4, Obergünzburg bei 80,4 und Kaufbeuren bei 82,7. Die Frage nach der (vorübergehenden) Stilllegung von Planbetten stelle sich in allen Häusern - außer im wirtschaftlich arbeitenden Obergünzburg.

In Marktoberdorf, so Spindler, sollen nun Angebotsänderungen die Auslastung verbessern. So bekommt die Chirurgin Dr. Michaela Knestele für das Wundzentrum weitere neun Planbetten und das dafür nötige Personal. Und die Orthopäden Dr. Roland Hermann und Dr. Claus Huyer, die in Marktoberdorf ihre Praxis haben, aber in Kaufbeuren operieren, sollen voraussichtlich ab Jahresende ihre Patienten im Marktoberdorfer Krankenhaus versorgen. Bisher war der Umzug erst für 2011 angepeilt.

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Artikelinfos
Veröffentlichung22.08.2008
Aktualisierung08.06.2011 11:59
OrtAllgäu
Schlagwörterklinik
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