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06.08.2009 · Marktoberdorf | Von Heiko Wolf

Informatiker forschen in den Tiefen des Software-Dschungels

Sommerschule - 88 Studenten und 12 Dozenten aus aller Herren Länder zu Gast in Marktoberdorf - Generationenwechsel eingeläutet

Marktoberdorf · 1996 stürzte eine Ariane-5-Rakete eine halbe Minute nach dem Start ab. Der Grund: Ein Softwareproblem. Über solche Fehler, die im Extremfall Menschenleben fordern, zerbrechen sich seit gestern am Gymnasium 100 Informatiker aus 30 Ländern den Kopf: In Marktoberdorf wurde die 30. Sommerschule zur Softwaresicherheit und -zuverlässigkeit eröffnet.

Die von der Technischen Universität München organisierte und von der NATO cofinanzierte Summerschool dient dem Erfahrungsaustausch weltweit führender Informatiker mit Promotionsstudenten. 88 Jungforscher und zwölf Dozenten sind dazu derzeit in Marktoberdorf, in den Augen von Bürgermeister Werner Himmer «eine große Ehre für die Kleinstadt».

Himmer sprach bei der Eröffnung auch den «kleinen» finanziellen Beitrag an, den die Stadt dafür leistet: Sie sponsert traditionell einem der Nachwuchswissenschaftler die Teilnahme. Himmer und Hausherr Willi Mooser, Schulleiter am Gymnasium, betonten zudem, dass neben dem wissenschaftlichen auch der persönliche Austausch quasi Pflicht sei - das und das «Genießen» Marktoberdorfs und der Ostallgäuer Seen und Berge.

Darauf hob auch Summerschool-Direktor Professor Javier Esparza von der TU München ab: «Study but enjoy» (Lernen, aber auch Genießen) laute das Motto. Zugleich hob er hervor, wie schwer es sei, eine so große Anzahl Teilnehmer in einer so schönen Umgebung zu beherbergen. Der 45-jährige Spanier Esparza und einige seiner Kollegen wie Andrei Sabelfeld (35) markieren den diesjährigen Generationenwechsel bei den Dozenten: Sie sind selbst ehemalige «Sommerschüler» - und erinnern sich gern.

Spaziergänge im Marktoberdorfer Mondschein

Esparza, Teilnehmer 1990, denkt etwa an die einmalige Gelegenheit zurück, den «Albert Einstein der Informatik», Edsger Dijkstra, zu hören. Aber auch Spaziergänge im «Marktoberdorfer Mondschein» mit seiner damaligen Freundin bringt er mit der Sommerschule in Verbindung.

Als Dozent schätzt er den Kontakt mit den Forschern der nächsten Generation: «So viele davon auf einen Haufen finden Sie sonst nicht bei einem Kongress.» Kooperationen, wissenschaftliche Artikel seien dabei schon - generationenübergreifend - entstanden; neue Einsichten durch provokante Thesen der «Jungen» keine Seltenheit.

Esparza macht auch die Bedeutung der Softwaresicherheit für den Alltag klar. Nicht nur der Absturz des privaten PC-Betriebsprogramms zuhause beruhe oftmals auf Softwarefehlern. Ob die stark verzögerte Einführung der Lkw-Maut des Konsortiums Toll Collect, das Warten auf den neuen Airbus oder das Arbeitslosengeld, das monatelang nicht ausbezahlt werden konnte: «Daran waren Sicherheitslücken schuld oder Teile eines Softwaresystems funktionierten nicht», sagt Esparza. «Dagegen kämpfen wir.»

Wie sehr gerade die Teilnehmer beruflich durch den Austausch profitieren, erläutert Summerschool-Organisatorin Katharina Spies an einem Beispiel aus dem Vorjahr: «Drei oder vier Teilnehmer haben jetzt Forschungsaufträge bei Microsoft Research in den USA erhalten - über den Kontakt zu ihrem Summerschool-Dozenten.»

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Artikelinfos
AutorVon Heiko Wolf
Veröffentlichung06.08.2009
Aktualisierung03.06.2011 16:10
Ort Marktoberdorf | Von Heiko Wolf
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