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05.01.2011 · Füssen

Füssener Sternfreunde verfolgen die partielle Sonnenfinsternis

Die Jagd nach der Sichel

Naturschauspiel · Es ist Dienstag, 7.45 Uhr. In der Morgendämmerung herrscht reges Treiben auf dem Parkplatz am Gasthof auf dem Auerberg. Im Halbdunkel werden Teleskope aufgebaut, im Hintergrund hört man Stimmen. Ausstaffiert mit dicken Handschuhen und Wollmütze richtet Wolfgang Englert sein japanisches Marine-Fernrohr mit 20-facher Vergrößerung in Richtung Berge aus. In knapp 15 Minuten wird dort die Sonne aufgehen. «Alles ist angerichtet», sagt der 72-Jährige voll Vorfreude auf den großen Moment. Gemeinsam mit sechs weiteren Kollegen von den Füssener Sternfreunden und ihren über zehn Instrumenten will er die partielle Sonnenfinsternis verfolgen.

Knackig kalt ist es - doch die Hobbyastronomen sind bestens vorbereitet: «In meinen Handschuhen sind Wärmepäckchen und in meinen Schuhen eine Heizsohle», erzählt Helmut Herbel, während er erwartungsvoll zu den Bergen hinüberschaut. Rot leuchtende Wolken kündigen dort bereits die Sonne an.

7.50 Uhr: Englert wird zusehends nervös: «Ich fürchte, wir werden den Sonnenaufgang nicht sehen.» Der Grund: Ein Waldstück versperrt die Sicht. Der Rentner ärgert sich: «Mit dem Wald habe ich nicht gerechnet.»

7.55 Uhr: Die Geräte werden abgebaut. «Wir fahren auf die Südseite zum Helmerhof. Da sieht man mehr», sagt Englert. Die komplette Ausrüstung wird im Auto verstaut, der Tross setzt sich in Bewegung. Viel Zeit bleibt nicht: Für 9.18 Uhr ist der Höhepunkt der partiellen Sonnenfinsternis angekündigt.

Auto versagt an vereistem Hang

8.15 Uhr: Die Sonne ist aufgegangen. Englert sucht verzweifelt den Helmerhof. Endlich kommt die Abzweigung, aber sein Auto macht Probleme: Die Räder des Wagens drehen am steilen Hang auf der glatten Fahrbahn durch. «Das hat uns noch gefehlt», ärgert er sich. Der Lehrer im Ruhestand beschließt, weiter unten Halt zu machen und dort sein Teleskop aufzubauen.

8.34 Uhr: «Da ist die Sonne», entfährt es dem 72-Jährigen. Durch sein Instrument sieht er endlich, wie sich der Mond langsam vor die glühende Sichel schiebt. Seine Kollegen Helmut Herbel, Jan Faßhold und Christoph Brunner haben es bis zum Helmerhof geschafft.

Durch ein Sonnen- und Spiegelteleskop - präpariert mit speziellem Filter beziehungsweise einer Sonnenfolie zum Schutz vor der UV-Strahlung - verfolgen sie das Schauspiel.

9 Uhr: Knapp die Hälfte der Sonne ist bereits verdeckt, auf dem Höhepunkt werden es knapp zwei Drittel sein. Faßhold ist mit der Sicht nicht wirklich zufrieden: «Es ziehen immer wieder Nebelschwaden vorbei», bedauert er.

9.18 Uhr: Der Höhepunkt: Mehr als die Hälfte der Sonne ist verdeckt. Brunner wirft einen Blick durchs Teleskop - wendet sich aber kurz darauf ab: «Die Wolken verdecken die Sonne jetzt immer mehr.»

9.30 Uhr: Der Tross am Helmerhof baut seine Geräte ab, Englert schaut weiter durchs Fernrohr. «Es lief zwar nicht optimal - aber wir haben alles Wichtige gesehen», sagt er zufrieden. Weit spektakulärer war dagegen die totale Sonnenfinsternis 1999: «Da herrschte fast Weltuntergangs-Stimmung. Das war heute nicht so.» Trotzdem sei das Naturschauspiel ein «richtiges Geschenk» gewesen. Schließlich hatte Englert heute Geburtstag ...

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Artikelinfos
Autordominik Riedle
Quellejagd,sichel,sternfreunde,verfolgen,auerberg,partielle,sonnenfinsternis,naturschauspiel
Veröffentlichung05.01.2011
Aktualisierung18.07.2013 15:53
Ort Füssen
Schlagwörtersonnenfinsternis, jagd
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